Es gibt Geschäftsvorgänge, bei denen am Ende Strom herauskommt. Und es gibt solche, bei denen zunächst einmal die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft herauskommt. Bei der Salzburg AG geht es derzeit um Letzteres.
Die WKStA ermittelt gegen den Landesenergieversorger. Hintergrund ist ein Photovoltaikprojekt für den Diskonter Hofer und die Frage, welches Unternehmen dabei welchen Auftrag bekommen sollte – und welches am Ende mit leeren Händen dastand.
Wichtig, bevor die Sonne der Satire zu heiß brennt: Es handelt sich um Ermittlungen und Vorwürfe. Ob tatsächlich strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt, ist damit nicht festgestellt. Die Salzburg AG weist die gegen sie erhobenen Vorwürfe zurück.
Ein Sonnenprojekt mit Schattenseiten
Eigentlich klingt die Geschichte nach österreichischer Energiewende in ihrer schönsten Form.
Hofer wollte auf den Dächern von Hunderten Filialen Photovoltaikanlagen errichten. Viel Sonne, viel Strom, vermutlich ziemlich viele Module – und entsprechend ein Auftrag, bei dem Unternehmen nicht unbedingt freiwillig sagen: „Ach, macht ihr das ruhig.“
Mittendrin: die Ökovolt Solartechnik.
Das Unternehmen arbeitete nach eigener Darstellung bereits seit 2015 mit Hofer zusammen und wollte sich das Geschäft sichern.
Doch dann soll die Salzburg AG Interesse signalisiert haben, das Hofer-Geschäft selbst zu übernehmen.
Ökovolt-Geschäftsführer Manuel Thaler beschreibt gegenüber dem ORF einen bemerkenswerten Vorgang: Sein Unternehmen habe sich in Absprache mit der Salzburg AG aus einer Ausschreibung zurückgezogen. Im Gegenzug habe die Zusage bestanden, Ökovolt solle den Bauauftrag erhalten.
Oder vereinfacht formuliert:
Ihr tretet dort einen Schritt zurück, dafür dürft ihr hier einen Schritt nach vorne machen.
So jedenfalls die Darstellung von Ökovolt.
Kleines Problem: Der Auftrag ging an jemand anderen
Was anschließend geschah, dürfte bei Ökovolt nicht unbedingt zu spontanen Begeisterungsstürmen geführt haben.
Den erhofften Auftrag bekam nämlich ein Konkurrenzunternehmen.
Aus dem vermeintlichen Geschäft wurde damit ein Konflikt – und aus dem Konflikt schließlich eine Angelegenheit für Juristen.
Ökovolt beziffert den behaupteten Gesamtschaden auf mehr als 20 Millionen Euro und erstattete Anzeige.
Das ist selbst in der Energiebranche eine Summe, bei der man nicht mehr von einer kleinen Spannungsschwankung sprechen kann.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft bestätigte dem ORF Ermittlungen gegen die Salzburg AG sowie gegen den Chef des konkurrierenden Unternehmens.
Damit hat die Angelegenheit eine neue Dimension erreicht.
Salzburg AG: Alles ganz anders
Nun gehört zu einer guten österreichischen Wirtschaftsgeschichte selbstverständlich auch eine zweite Version.
Und die Salzburg AG hat eine.
Der Landesenergieversorger weist die Darstellung von Ökovolt zurück und erklärte gegenüber dem ORF:
„Wir sind überzeugt, dass die erhobenen Vorwürfe und Ansprüche im Zusammenhang mit einem Projekt aus 2021/22 keine Grundlage haben und unser Standpunkt folglich auch einer gerichtlichen Überprüfung standhalten wird.“
Damit stehen sich zwei ziemlich unterschiedliche Wahrnehmungen gegenüber.
Ökovolt sagt sinngemäß: Wir haben uns zurückgezogen, weil uns ein Bauauftrag zugesagt worden sei.
Die Salzburg AG sagt: Die daraus erhobenen Vorwürfe und Ansprüche haben keine Grundlage.
Wer damit recht hat, lässt sich aus der vorliegenden Berichterstattung nicht feststellen.
Genau dafür gibt es Ermittlungen und gegebenenfalls Gerichte.
Photovoltaik einmal anders erklärt
Normalerweise funktioniert Photovoltaik ungefähr so:
Sonne trifft auf Solarmodul.
Solarmodul produziert Strom.
Strom fließt ins Netz.
In diesem Fall scheint die Prozesskette etwas umfangreicher zu sein:
Sonne trifft auf Solarmodul.
Unternehmen trifft auf Unternehmen.
Ausschreibung trifft auf Absprachevorwurf.
Auftrag trifft auf Konkurrenz.
Anzeige trifft auf WKStA.
Und am Ende treffen sich womöglich alle vor Gericht.
Die österreichische Energiewende bleibt eben technisch anspruchsvoll.
20 Millionen Euro sind allerdings kein Witz
So unterhaltsam sich die Geschichte formulieren lässt, der eigentliche Vorgang ist ernst.
Wenn ein Unternehmen behauptet, sich aufgrund einer Zusage aus einem lukrativen Vergabeverfahren zurückgezogen zu haben und dadurch einen Schaden von mehr als 20 Millionen Euro erlitten zu haben, geht es um erhebliche wirtschaftliche Interessen.
Genauso wichtig ist aber die andere Seite: Eine Anzeige oder ein Ermittlungsverfahren beweist nicht, dass die erhobenen Vorwürfe zutreffen.
Bislang steht fest, dass Ökovolt entsprechende Vorwürfe erhebt, die WKStA ermittelt und die Salzburg AG die Darstellung bestreitet.
Mehr lässt sich seriös derzeit nicht daraus machen.
Jetzt muss Licht ins Dunkel
Für einen Energieversorger ist das immerhin eine thematisch passende Aufgabe.
Die entscheidenden Fragen dürften nun sein: Welche Absprachen gab es tatsächlich? Was wurde Ökovolt zugesagt? Wer entschied später über die Auftragsvergabe? Welche Unterlagen, E-Mails oder Gesprächsnotizen existieren dazu? Und lässt sich der behauptete Schaden von mehr als 20 Millionen Euro überhaupt belegen?
Bis diese Fragen geklärt sind, sollte man mit Schuldzuweisungen vorsichtig sein.
Aber eines lässt sich schon jetzt feststellen:
Bei diesem Photovoltaikprojekt wird vorerst weniger über Kilowattstunden gesprochen als über Aktenordner.
Und möglicherweise ist das gerade das einzige Energieprojekt Salzburgs, bei dem sich wirklich alle Beteiligten wünschen dürften, dass möglichst schnell Licht ins Dunkel kommt.


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