Der im August eingereichte Abschluss der ROCKETS Investments GmbH fällt auf. Die Grazer Gesellschaft betreibt laut Firmenbuch Crowdinvesting und Crowdfunding. Der Jahresabschluss 2025 wurde am 10. August 2026 eingereicht beziehungsweise am 14. August im Firmenbuch eingetragen.
Die Bilanzsumme beträgt lediglich rund 449.200 Euro. Dem steht ein negatives Eigenkapital von etwa minus 375.400 Euro gegenüber. Die rechnerische Eigenkapitalquote wird mit minus 83,6 Prozent angegeben. Der kumulierte Bilanzverlust liegt bei rund 604.700 Euro. Gleichzeitig weist die zusammenfassende Darstellung für das laufende Geschäftsjahr einen kleinen positiven Ergebnisbeitrag von rund 15.400 Euro aus.
Negatives Eigenkapital ist ein ernst zu nehmender Bilanzindikator. Es ist aber nicht gleichbedeutend mit einer festgestellten Insolvenz oder Zahlungsunfähigkeit. Diese rechtlichen und wirtschaftlichen Fragen können aus einem verkürzten öffentlich zugänglichen Jahresabschluss nicht abschließend beantwortet werden.
Auf der Aktivseite stechen rund 390.500 Euro Forderungen und sonstige Vermögensgegenstände hervor. Bank- und Kassenguthaben machen dagegen nur etwa 8.700 Euro aus. Auf der Passivseite stehen rund 413.900 Euro Verbindlichkeiten, die im veröffentlichten Abschluss vollständig mit einer Restlaufzeit von mehr als einem Jahr ausgewiesen sind, sowie 315.400 Euro passive Rechnungsabgrenzung.
Für Anleger ist bei diesem Fall aber eine ganz andere Abgrenzung entscheidend.
ROCKETS ist die Plattform. Das bedeutet nicht, dass die von Anlegern für einzelne Projekte investierten Beträge als eigenes Vermögen der ROCKETS Investments GmbH in dieser Bilanz liegen müssten.
ROCKETS beschreibt selbst, dass der Zahlungsprozess über den Zahlungsdienstleister Lemonway abgewickelt wird. Anleger verfügen demnach über Wallets bei Lemonway; die Investmentbeträge werden von dort an die jeweiligen Unternehmen beziehungsweise Emittenten weitergeleitet. Das eingesammelte Kapital und Rückzahlungen der Emittenten werden nach Angaben der Plattform über ein gesondertes Konto abgewickelt.
Damit wäre es sachlich falsch, aus dem negativen Eigenkapital der Plattform unmittelbar auf einen Verlust der über ROCKETS vermittelten Anlegergelder zu schließen.
Gerade deshalb ist ROCKETS ein interessanter Sonderfall dieser Recherche: Das Unternehmen profitiert wirtschaftlich vom Geschäft mit Crowdinvesting und stellt die Infrastruktur bereit, ist aber bei den einzelnen Angeboten grundsätzlich nicht mit dem jeweiligen Emittenten gleichzusetzen. ROCKETS selbst weist seine Rolle zudem als Zahlungsdienstleistungsagent von Lemonway aus.
Die kritische Frage betrifft daher zunächst das Unternehmen ROCKETS selbst: Wie nachhaltig ist ein Geschäftsmodell, dessen Betreibergesellschaft zum Jahresende 2025 negatives Eigenkapital ausweist? Welche Forderungen stecken hinter den 390.500 Euro auf der Aktivseite und wie werthaltig sind diese? Und wie soll das negative Eigenkapital künftig ausgeglichen werden?
Das sind legitime Bilanzfragen. Sie dürfen aber nicht mit der Behauptung vermischt werden, die über die Plattform investierten Anlegergelder befänden sich deshalb in Gefahr. Dafür liefert diese Bilanz keinen Beleg.
Gerade bei Crowdinvesting muss sauber getrennt werden zwischen dem Risiko der Plattform, dem Risiko des Zahlungsdienstleisters und vor allem dem Risiko des jeweiligen Emittenten. Wer diese Ebenen vermischt, erzeugt eine dramatische Schlagzeile – aber keine saubere Finanzanalyse.


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