NEW YORK/WASHINGTON/MOSKAU/RIAD. Die Weltpolitik startet mit einer außergewöhnlich angespannten Lage in die neue Woche. Während sich in New York fast 130 Staats- und Regierungschefs zur Generalversammlung der Vereinten Nationen versammeln, eskalieren gleichzeitig die Spannungen im Nahen Osten. Russland meldet den bislang größten ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau seit Beginn des Krieges, Nordkorea testet erneut ballistische Raketen, und die Vereinigten Staaten und China versuchen unmittelbar vor einem Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping zumindest in Teilbereichen wieder miteinander ins Gespräch zu kommen.
Über allem stehen zunehmend wirtschaftliche Folgen der geopolitischen Konflikte. Öl kostet weiterhin mehr als 100 Dollar je Barrel, Europa muss zusätzliche Flugkraftstoffe aus immer weiter entfernten Regionen importieren, und Bangladesh hat seine Treibstoffpreise drastisch angehoben.
Ukrainekrieg erreicht Moskau mit neuer Intensität
Eines der wichtigsten Ereignisse des Wochenendes war ein massiver ukrainischer Drohnenangriff auf Russland und insbesondere auf die Hauptstadtregion Moskau.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden innerhalb von 24 Stunden nahezu 2.000 ukrainische Drohnen über verschiedenen Regionen abgeschossen. Russland meldete außerdem acht abgefangene Marschflugkörper. Reuters bezeichnete den Angriff unter Berufung auf die russische Nachrichtenagentur Tass als den bislang größten ukrainischen Drohnenangriff auf Moskau seit Kriegsbeginn.
Nach russischen Angaben starben bei den Angriffen drei Menschen in der Moskauer Region. Zwei weitere Todesopfer wurden aus dem von Russland kontrollierten Teil der ukrainischen Region Cherson gemeldet. Eine Anlage der Moskauer Ölraffinerie wurde beschädigt. Die Angaben über die Zahl der abgefangenen Flugkörper stammen von russischen Behörden und können in einem laufenden Krieg nicht unabhängig vollständig überprüft werden.
Die Angriffe fielen mit der russischen Parlamentswahl zusammen. Nach vorläufigen offiziellen Ergebnissen lag die Regierungspartei Einiges Russland mit rund 57,5 Prozent deutlich vorn. Reuters weist darauf hin, dass das russische politische System stark kontrolliert ist und zahlreiche echte Antikriegs-Kandidaten nicht zur Wahl zugelassen wurden. Kiew bezeichnet die Abstimmung als nicht frei und erkennt insbesondere Abstimmungen in russisch kontrollierten ukrainischen Gebieten nicht an.
Damit zeigt sich erneut, dass sich die militärische Auseinandersetzung längst nicht mehr auf ukrainisches Territorium beschränkt. Die Ukraine versucht zunehmend, russische Energie-, Militär- und Logistikinfrastruktur weit hinter der Front zu erreichen.
Naher Osten: Huthi greifen Saudi-Arabien an
Noch gefährlicher für die Weltwirtschaft könnte die weitere Eskalation im Nahen Osten werden.
Die vom Iran unterstützten Huthi im Jemen haben mit Raketen und Drohnen Ziele in der saudischen Hauptstadt Riad angegriffen. Reuters-Aufnahmen zeigten eine große schwarze Rauchwolke in der Nähe des internationalen Flughafens der Hauptstadt. Saudi-Arabien äußerte sich zunächst nicht detailliert zu diesem konkreten Angriff; eine saudisch geführte Militärkoalition erklärte jedoch, weitere Angriffe abgewehrt zu haben.
Die USA gaben wegen der Lage eine Sicherheitswarnung heraus. Darin wurde auf die Möglichkeit einer weiteren unvorhersehbaren Eskalation sowie möglicher Flugausfälle und Luftraumsperrungen hingewiesen.
Die Entwicklung ist auch deshalb international bedeutsam, weil die Huthi ihre Position entlang der jemenitischen Küste ausgebaut haben. Damit wächst ihre Fähigkeit, den Schiffsverkehr durch die Meerenge Bab al-Mandab zwischen Rotem Meer und Indischem Ozean zu beeinträchtigen. Gleichzeitig ist der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus infolge des Konflikts mit Iran stark eingeschränkt. Beide Seewege zählen zu den wichtigsten Energie- und Handelsrouten der Welt.
USA und Iran tauschen neue Drohungen aus
Parallel verschärfte sich der Ton zwischen Washington und Teheran erneut.
US-Präsident Donald Trump forderte die iranische Führung zu einer Vereinbarung mit den Vereinigten Staaten auf und drohte andernfalls mit gravierenden wirtschaftlichen beziehungsweise militärischen Konsequenzen. Die iranischen Streitkräfte erklärten wiederum, auf einen neuen Angriff gegen Iran mit massiven Gegenmaßnahmen reagieren zu wollen. Amerikanische Militärstützpunkte und Interessen in der Region könnten dabei als Ziele betrachtet werden.
Gleichzeitig lässt die diplomatische Tür einen Spalt offen. Trump signalisierte nach Medienberichten Bereitschaft zu einem Treffen mit Irans Präsident Masoud Pezeshkian, der zur UN-Generalversammlung nach New York reist. Ob es tatsächlich dazu kommt, ist bislang offen.
Damit stehen militärische Drohungen und diplomatische Kontakte momentan nebeneinander. Der seit Monaten andauernde Konflikt hat bereits erhebliche Folgen für Iran, die Golfstaaten, den internationalen Schiffsverkehr und die Energiepreise.
Gaza und Westjordanland bleiben Krisenherde
Auch der israelisch-palästinensische Konflikt bleibt ungelöst.
Am Sonntag erschoss nach Angaben israelischer Behörden ein mutmaßlicher palästinensischer Angreifer einen Israeli im besetzten Westjordanland. Bei einem weiteren Vorfall erschossen israelische Soldaten einen Autofahrer. Die Ereignisse verdeutlichen die weiterhin hohe Gewaltbereitschaft und Instabilität im Westjordanland.
In Gaza bleibt die humanitäre Lage ebenfalls äußerst schwierig. Erst vor wenigen Tagen kamen beim Einsturz eines bereits durch Kriegseinwirkungen beschädigten Gebäudes mehr als 20 Menschen ums Leben. Viele Familien leben weiterhin in beschädigten Gebäuden oder provisorischen Unterkünften, weil ausreichend sicherer Wohnraum fehlt.
Die Europäische Union versucht unterdessen, über Wiederaufbau, grundlegende Dienstleistungen und die künftige Verwaltung Gazas mit israelischen Vertretern im Gespräch zu bleiben. EU-Kommissarin Dubravka Šuica sprach am Wochenende mit Israels Außenminister Gideon Saar über die Beziehungen zwischen EU und Israel sowie über Wiederaufbauprojekte in Gaza.
Die Welt blickt nach New York
Vor diesem Hintergrund beginnt eine der wichtigsten diplomatischen Wochen des Jahres.
Fast 130 Staats- und Regierungschefs werden zur UN-Generalversammlung in New York erwartet. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben von Diplomaten insbesondere die Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine sowie der Umgang mit künstlicher Intelligenz.
US-Präsident Trump soll am Dienstag vor der Generalversammlung sprechen. Irans Präsident Pezeshkian wird am Mittwoch erwartet, Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu am Donnerstag. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie der russische Außenminister Sergej Lawrow sollen ebenfalls vor der Generalversammlung auftreten.
Besondere Aufmerksamkeit gilt möglichen Gesprächen am Rande des Treffens. Trump plant nach Angaben seiner Regierung unter anderem Treffen mit Selenskyj sowie Vertretern mehrerer weiterer Staaten. Auch die Nahostkrise soll bei Gesprächen mit den Mitgliedern des Golf-Kooperationsrats eine zentrale Rolle spielen.
UN-Generalsekretär António Guterres steht dabei vor seinem letzten großen Generalversammlungs-Gipfel: Seine zweite Amtszeit endet am 31. Dezember 2026.
Rennen um die Nachfolge von Guterres verändert sich
Auch die Frage, wer künftig die Vereinten Nationen führen soll, bewegt die internationale Diplomatie.
Die frühere chilenische Präsidentin und ehemalige UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Michelle Bachelet hat ihre Kandidatur für das Amt der UN-Generalsekretärin zurückgezogen. Nach einem dritten informellen Stimmungsbild im Sicherheitsrat war ihre Unterstützung deutlich zurückgegangen.
Nach ihrem Ausscheiden verbleiben derzeit sieben Kandidaten im Rennen, wobei weitere Bewerbungen noch möglich sind. In dem jüngsten informellen Verfahren lag die frühere costa-ricanische Politikerin und UN-Funktionärin Rebeca Grynspan vorn. Die endgültige Entscheidung fällt jedoch nicht durch eine normale öffentliche Wahl: Der Sicherheitsrat empfiehlt einen Kandidaten, den anschließend die UN-Generalversammlung bestätigt.
USA und China sprechen plötzlich über gemeinsame KI-Sicherheitsregeln
Abseits der klassischen Konflikte könnte ein anderes Treffen langfristig erhebliche Bedeutung bekommen.
US-Finanzminister Scott Bessent und Chinas Vizepremier He Lifeng haben am Sonntag in New York über künstliche Intelligenz, Handel und die Wirtschaftsbeziehungen der beiden Großmächte gesprochen.
Die USA schlugen dabei einen neuen Mechanismus vor, mit dem sich Washington und Peking gegenseitig über schwerwiegende KI-Vorfälle informieren könnten, wenn diese Fragen der nationalen Sicherheit berühren. Darüber hinaus wurde über einen formellen amerikanisch-chinesischen KI-Dialog gesprochen.
Die chinesische Seite äußerte sich zunächst nicht öffentlich dazu, ob sie dem Vorschlag zustimmt.
Die Gespräche bereiten das für diese Woche geplante Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping in Washington vor. Daneben wird über mögliche Zollsenkungen für bestimmte nicht strategische Waren gesprochen. Als mögliche Bereiche nannten amerikanische Regierungsvertreter Konsumgüter sowie auf US-Seite unter anderem Landwirtschaft, Energie und Medizintechnik.
Große Streitpunkte bleiben allerdings offen. Dazu zählen Chinas Beschränkungen bei kritischen Rohstoffen, amerikanische Technologie- und Chipkontrollen sowie weitere Handelsfragen. Der derzeitige Handelsstillstand zwischen beiden Staaten läuft nach Reuters-Angaben am 10. November aus.
Nordkorea feuert erneut ballistische Raketen ab
Auch auf der koreanischen Halbinsel steigen die Spannungen.
Nordkorea feuerte am Sonntag innerhalb von rund drei Stunden zwei mutmaßliche ballistische Kurzstreckenraketen von der Region Wonsan in Richtung Ostmeer ab.
Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog die erste Rakete rund 450 Kilometer. Die zweite legte mehr als 600 Kilometer zurück. Beide Geschosse landeten außerhalb der japanischen ausschließlichen Wirtschaftszone.
Südkorea bezeichnete die Starts als Verstoß gegen Resolutionen des UN-Sicherheitsrats. Japan legte diplomatischen Protest ein. Das US-Pazifikkommando erklärte hingegen, nach derzeitiger Einschätzung bestehe keine unmittelbare Gefahr für amerikanisches Gebiet, US-Personal oder Verbündete.
Die Tests folgen auf amerikanisch geführte Militärübungen mit Südkorea und Japan, die von Pjöngjang scharf kritisiert worden waren.
Deutschland: Deutliche Verschiebungen bei Landtagswahlen
Auch Deutschland erlebte ein politisch bedeutendes Wochenende.
Bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern lag die AfD nach Hochrechnungen mit 38,3 Prozent vorn. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig erreichte demnach 35,4 Prozent. Die CDU von Bundeskanzler Friedrich Merz kam nach den am Sonntagabend vorliegenden Zahlen nur auf rund 4,9 Prozent und musste damit um den Einzug in den Landtag bangen.
Auch in Berlin veränderten sich die politischen Kräfteverhältnisse. Dort lag nach den Hochrechnungen Die Linke mit 25,3 Prozent vorn. Die CDU kam auf etwa 19 Prozent, die AfD auf 16,3 Prozent.
Die Ergebnisse erhöhen den politischen Druck auf Bundeskanzler Merz und seine Regierung. Merz kündigte dennoch an, seinen Reformkurs fortzusetzen. Eine Aussage darüber, welche längerfristigen Auswirkungen die Landtagswahlen auf die Bundespolitik haben werden, wäre zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht.
Weltwirtschaft: Öl bleibt über der 100-Dollar-Marke
Die geopolitischen Konflikte schlagen inzwischen deutlich auf die Weltwirtschaft durch.
Am frühen Montag gab der Ölpreis zwar etwas nach, blieb jedoch auf sehr hohem Niveau. Brent-Rohöl lag zeitweise bei rund 103 Dollar je Barrel, amerikanisches WTI bei ungefähr 99 bis 100 Dollar. Hintergrund der leichten Entspannung waren Erwartungen, dass Saudi-Arabien einen größeren Teil seiner Ölexporte wiederherstellen kann.
Saudi-Arabien hat seine Transportwege teilweise umgestellt und führt wieder größere Mengen durch die Straße von Hormus aus. Der Markt bleibt dennoch stark von militärischen Entwicklungen abhängig.
Die asiatischen Aktienmärkte starteten überwiegend fester in die neue Woche. Besonders Technologie- und Halbleiterwerte profitierten von der weiterhin starken Nachfrage im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz. Gleichzeitig bleiben Anleihemärkte wegen Inflations- und Zinssorgen angespannt.
Europas Flugverkehr bekommt die Energiekrise zu spüren
Die Auswirkungen reichen inzwischen unmittelbar bis in den europäischen Luftverkehr.
Europa könnte nach einer Prognose des Beratungsunternehmens Energy Aspects im vierten Quartal ein Defizit bei Flugkraftstoff von rund 510.000 Barrel pro Tag aufweisen. Hintergrund sind ausgefallene beziehungsweise erschwerte Lieferungen aus dem Nahen Osten.
Europa importiert deshalb zunehmend Flugkraftstoff aus den USA, Kanada, Nigeria und inzwischen verstärkt aus Südkorea. Südkoreanische Lieferungen nach Europa erreichten im September rund 129.000 Barrel pro Tag – den höchsten Stand seit Oktober 2022.
Die Lagerbestände für Flugkraftstoffe im wichtigen europäischen Handels- und Raffineriezentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen fielen zuletzt auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren.
Das bedeutet nicht automatisch, dass es flächendeckend zu Flugausfällen kommen wird. Die Daten zeigen aber, wie abhängig die europäische Luftfahrt inzwischen von zusätzlichen Importen aus weit entfernten Märkten ist.
Bangladesh erhöht Treibstoffpreise drastisch
Besonders direkt trifft die Energiekrise Schwellen- und Entwicklungsländer.
Bangladesh hat mit Wirkung zum Montag seine Treibstoffpreise teilweise um bis zu 17,4 Prozent erhöht. Diesel verteuerte sich von 115 auf 135 Taka je Liter. Auch Benzin, Kerosin und höherwertige Kraftstoffe wurden teurer.
Die Regierung begründet die Maßnahme mit stark gestiegenen Weltmarktpreisen und höheren Transportkosten. Nach Regierungsangaben haben sich die internationalen Kraftstoffpreise seit März mehr als verdoppelt. Die staatliche Bangladesh Petroleum Corporation soll zwischen März und August Verluste von umgerechnet etwa 1,9 Milliarden Dollar erlitten haben.
Für das stark von Energieimporten abhängige Land drohen nun zusätzliche Belastungen für Transport, Industrie und Inflation.
KI-Boom: SoftBank nimmt Milliarden für OpenAI auf
Während Energie und Geopolitik die traditionellen Märkte beschäftigen, erreicht der Investitionsboom rund um künstliche Intelligenz neue Größenordnungen.
Der japanische Technologiekonzern SoftBank hat Anleihen im Umfang von 10 Milliarden Dollar sowie zusätzlich einer Milliarde Euro auf den Weg gebracht. Ein wesentlicher Teil des Geldes soll zur Finanzierung einer weiteren Investition in OpenAI verwendet werden.
Nach dem Reuters vorliegenden Term Sheet sollen die Erlöse unter anderem eine für den 1. Oktober geplante Zahlung von zehn Milliarden Dollar im Rahmen einer weiteren OpenAI-Investition finanzieren.
Die Transaktion zeigt, welche enormen Kapitalsummen inzwischen in den Aufbau von KI-Unternehmen und der dafür notwendigen Infrastruktur fließen.
Afrika: Sudan bleibt eine der größten humanitären Krisen
Während andere Konflikte die Schlagzeilen dominieren, verschärft sich die Lage im Sudan weiter.
Der seit April 2023 andauernde Krieg zwischen der sudanesischen Armee und den paramilitärischen Rapid Support Forces hat nach UN-Angaben inzwischen mehr als 14 Millionen Menschen vertrieben. UN-Generalsekretär Guterres bezeichnete die humanitäre Lage zuletzt als verheerend.
Guterres forderte zudem Konsequenzen für Staaten, die Kriegsparteien mit Waffen unterstützen, wenn diese anschließend gegen Zivilisten eingesetzt werden. Eine UN-Untersuchungsmission kommt zu dem Ergebnis, dass ausländische Waffen, Technologien, Kämpfer und Logistiknetzwerke dazu beitragen, den Krieg fortzuführen.
Auch die internationale Hilfe gerät unter Druck. Das Welternährungsprogramm hatte zuletzt erheblich weniger Geld für seine Sudan-Hilfe zur Verfügung als im Vorjahr. Millionen Menschen sind auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen.
Demokratische Republik Kongo: Ebola bleibt ernstes Problem
Auch die Ebola-Lage in der Demokratischen Republik Kongo bleibt ein bedeutendes internationales Gesundheitsthema.
UN-Vertreter erklärten Mitte September, dass erste Maßnahmen Wirkung zeigten, der Ausbruch aber weiterhin sehr groß sei und in einigen Regionen neue Fälle hinzukämen. Nach Einschätzung der Vereinten Nationen könnte es Monate dauern, den Ausbruch vollständig unter Kontrolle zu bringen.
Die Situation zeigt zugleich, wie eng Gesundheitskrisen, politische Instabilität, Vertreibung und schwache staatliche Infrastruktur miteinander verbunden sind.
Lateinamerika: Bachelet zieht sich zurück – Mexiko sucht Handelsabkommen mit Washington
Neben dem Rückzug Michelle Bachelets aus dem Rennen um die UN-Spitze beschäftigen Lateinamerika mehrere wirtschaftspolitische Entwicklungen.
Mexikos Präsidentin Claudia Sheinbaum erklärte zuletzt, ihre Regierung arbeite intensiv an einem Handelsabkommen mit den Vereinigten Staaten. Mexiko will insbesondere niedrigere amerikanische Zölle auf Stahl, Aluminium und Autos erreichen.
Washington und Mexiko-Stadt versuchen nach Reuters-Informationen, vor den US-Zwischenwahlen am 3. November zu einer Vereinbarung zu kommen. Konkrete Einzelheiten eines möglichen Abkommens stehen jedoch noch aus.
In Brasilien wiederum bereitet die Regierung von Präsident Luiz Inácio Lula da Silva nach Reuters-Informationen eine Verordnung zur Einschränkung beziehungsweise zum Verbot von Online-Casinos vor. Sportwetten sollen davon nach dem bislang diskutierten Modell nicht betroffen sein. Die Pläne kommen kurz vor der brasilianischen Präsidentschaftswahl am 4. Oktober und sind innenpolitisch umstritten.
Australien will wieder in den UN-Sicherheitsrat
Australien hat angekündigt, sich für einen nichtständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat für die Jahre 2029 und 2030 zu bewerben.
Premierminister Anthony Albanese erklärte, ein Sitz im wichtigsten sicherheitspolitischen Gremium der Vereinten Nationen würde seinem Land mehr Einfluss bei internationalen Fragen wie Klima, künstlicher Intelligenz und globaler Sicherheit geben. Australien war zuletzt bis 2014 Mitglied des Sicherheitsrats. Die Wahl für die entsprechenden Sitze findet 2028 statt.
Unwetter: Vietnam kämpft weiter mit Überschwemmungen
Neben Kriegen und Politik beschäftigen extreme Wetterereignisse mehrere Regionen.
In Vietnam haben starke Regenfälle mehr als 2.000 Häuser überflutet. Mehr als 1.000 Haushalte waren zeitweise abgeschnitten, wichtige Verkehrswege wurden unpassierbar. Besonders stark betroffen waren Ninh Binh und Thanh Hoa.
Rund 10.000 Hektar Reis und andere landwirtschaftliche Flächen wurden nach Behördenangaben überflutet oder beschädigt. Auch Hanoi war betroffen; teilweise stand das Wasser auf Straßen fast einen Meter hoch. Für mehrere Regionen waren bis einschließlich 21. September weitere starke Regenfälle vorhergesagt.
Zwei neue Tropenstürme – derzeit keine unmittelbare Landgefahr
Im Atlantik hat sich unterdessen Tropensturm Fay entwickelt. Er lag am Sonntag rund 650 Kilometer südwestlich der Azoren und erreichte Windgeschwindigkeiten von ungefähr 100 Kilometern pro Stunde.
Nach Angaben des US-Hurrikanzentrums bestand zunächst keine unmittelbare Gefahr für Landgebiete.
Im Pazifik bildete sich zugleich Tropensturm Odalys west-südwestlich der mexikanischen Halbinsel Baja California. Er könnte sich kurzfristig zu einem Hurrikan verstärken. Auch für diesen Sturm bestanden zum letzten verfügbaren Stand noch keine Küstenwarnungen.
Die Weltlage zu Beginn der neuen Woche
Der 21. September 2026 beginnt damit mit einer ungewöhnlichen Häufung miteinander verbundener Krisen.
Der Ukrainekrieg erreicht mit Drohnenangriffen immer häufiger tief im russischen Hinterland gelegene Ziele. Im Nahen Osten greifen der Iran-Konflikt, die Kämpfe im Jemen, die Lage in Gaza und Gefahren für die großen internationalen Schifffahrtswege ineinander.
Gleichzeitig wird sichtbar, dass aus regionalen Kriegen zunehmend globale Wirtschaftsprobleme entstehen: Hohe Ölpreise verteuern Transporte und Produktion, Europa sucht weltweit nach Flugkraftstoff, und energieabhängige Länder wie Bangladesh müssen die Belastungen unmittelbar an Verbraucher und Unternehmen weitergeben.
Die wichtigste diplomatische Bühne verlagert sich nun nach New York. Die UN-Generalversammlung und die zahlreichen Gespräche am Rande des Treffens werden zeigen, ob zumindest bei einzelnen Konflikten diplomatische Bewegung möglich ist.
Parallel findet mit dem bevorstehenden Treffen zwischen Donald Trump und Xi Jinping eines der bedeutendsten bilateralen Treffen der Woche statt. Neben Handel und Taiwan dürfte dabei erstmals auch der Umgang der beiden führenden KI-Mächte mit Sicherheitsrisiken künstlicher Intelligenz eine wichtige Rolle spielen.
Die internationale Lage bleibt damit in den kommenden Tagen außergewöhnlich dynamisch.


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