Republikaner verstecken Trump im Wahlkampf: Präsident taucht kaum in TV-Spots auf
Donald Trump ist im politischen Alltag der Vereinigten Staaten nahezu allgegenwärtig. In den Fernsehwerbungen seiner eigenen Partei spielt der Präsident vor den Zwischenwahlen jedoch überraschend selten eine Rolle.
Eine Auswertung der zwischen dem 1. und 15. September ausgestrahlten Wahlwerbung zeigt: Von mehr als 500 republikanischen TV-Spots erwähnten lediglich zwölf den Präsidenten. Für diese Werbungen wurden zusammen rund eine Million Dollar ausgegeben.
Insgesamt investierten republikanische Kandidaten und Unterstützergruppen in diesem Zeitraum mehr als 160 Millionen Dollar in Fernsehwerbung. Damit floss weniger als ein Prozent der Ausgaben in Spots, in denen Trump ausdrücklich vorkam.
Trump will die Wahl auf sich zuschneiden
Der Präsident selbst verfolgt eine ganz andere Strategie. Bei seinen Auftritten fordert er seine Anhänger regelmäßig dazu auf, sich vorzustellen, sein eigener Name stehe auf dem Stimmzettel.
Trump möchte damit seine treuesten Unterstützer mobilisieren und die Zwischenwahlen zu einer Abstimmung über seine politische Bewegung machen. Seine Partei scheint diesem Wunsch in der Fernsehwerbung jedoch nur eingeschränkt zu folgen.
Die Zurückhaltung dürfte mit Trumps schwachen landesweiten Zustimmungswerten zusammenhängen. Laut einer Zusammenfassung mehrerer Umfragen waren zuletzt nur 36 Prozent der Amerikaner mit seiner Amtsführung zufrieden.
Besonders kritisch bewerten viele Bürger die wirtschaftliche Entwicklung und den Iran-Krieg. Für republikanische Kandidaten in umkämpften Bundesstaaten und Wahlkreisen könnte eine zu enge Verbindung zum Präsidenten deshalb zum Risiko werden.
Republikanische Strategen sehen Trump als Belastung
Mehrere republikanische Berater gehen davon aus, dass die Partei ihre Mehrheit im Senat eher verteidigen kann, wenn sie nicht Trump in den Mittelpunkt stellt.
Stattdessen konzentrieren sich die Werbekampagnen darauf, demokratische Kandidaten anzugreifen und sie als ungeeignet oder zu radikal darzustellen. Ein erfahrener republikanischer Wahlkampfstratege erklärte anonym, Trump sei gegenwärtig weder die beste Botschaft noch der beste Überbringer dieser Botschaft.
Die Aussage zeigt das strategische Dilemma der Partei. Einerseits benötigt sie Trumps loyale Anhängerschaft. Andererseits muss sie Wechselwähler überzeugen, die mit der Entwicklung des Landes unter der republikanischen Regierung unzufrieden sind.
Demokraten machen Trump zum Hauptthema
Während die Republikaner den Präsidenten weitgehend aus ihren Spots heraushalten, verfolgen die Demokraten die entgegengesetzte Strategie.
Demokratische Kandidaten und Unterstützergruppen gaben in der ersten Septemberhälfte fast 23 Millionen Dollar für 95 Werbespots aus, in denen Trump erwähnt wurde. Das entsprach ungefähr einem Fünftel ihrer gesamten Werbeausgaben.
Das Ziel besteht darin, republikanische Kandidaten möglichst eng mit dem unbeliebten Präsidenten zu verbinden. Demokraten wollen damit erreichen, dass auch lokale Senats- und Kongresswahlen als Abstimmung über Trump wahrgenommen werden.
In Michigan wird der republikanische Senatskandidat Mike Rogers in einem demokratischen Spot als Unterstützer sowohl des Iran-Krieges als auch Trumps dargestellt. In Maine wirft eine Werbung Senatorin Susan Collins vor, im Interesse des Präsidenten zu handeln.
Selbst Trump-nahe Gruppen verzichten auf seinen Namen
Bemerkenswert ist, dass sogar politische Organisationen aus Trumps unmittelbarem Umfeld den Präsidenten in ihren Werbungen kaum erwähnen.
Ein neues Super-PAC mit Verbindungen zu Trumps politischem Netzwerk plant Werbeausgaben von mehr als 100 Millionen Dollar, um gefährdete republikanische Kandidaten zu unterstützen. Die bislang veröffentlichten Spots konzentrieren sich jedoch fast ausschließlich auf Angriffe gegen Demokraten.
In Michigan wird der demokratische Senatskandidat Abdul El-Sayed zum zentralen Ziel republikanischer Attacken. In Ohio richten sich die Werbungen gegen den früheren demokratischen Senator Sherrod Brown. In North Carolina wird der ehemalige Gouverneur Roy Cooper angegriffen.
Trump selbst kommt in diesen Spots nicht vor, obwohl die dahinterstehende Organisation mit MAGA Inc., seinem wichtigsten Super-PAC, verbunden ist. Dieses verfügte zuletzt über mehr als 400 Millionen Dollar an verfügbaren Wahlkampfmitteln.
Trumps Versprechen findet keinen Platz in der Werbung
Auch einige der auffälligsten Wahlkampfversprechen des Präsidenten werden von seinen Unterstützergruppen bislang nicht beworben.
Trump hat angekündigt, im Fall eines republikanischen Wahlsiegs jedem erwachsenen Amerikaner 5.000 Dollar auszahlen zu wollen. In den untersuchten TV-Spots tauchte dieses Versprechen jedoch nicht auf.
Gleiches gilt für seine wiederholte Behauptung, die amerikanische Wirtschaft sei die heißeste und erfolgreichste der Welt. Obwohl Trump diese Aussage regelmäßig bei Kundgebungen verwendet, wird sie in den Anzeigen seiner wichtigsten politischen Unterstützer nicht aufgegriffen.
Das deutet darauf hin, dass republikanische Strategen die Botschaften des Präsidenten für weniger wirksam halten als direkte Angriffe auf die demokratischen Gegenkandidaten.
Steuersenkungen stehen im Mittelpunkt
Vollständig verzichten die Republikaner nicht auf die politischen Erfolge der Regierung. Statt Trump persönlich hervorzuheben, konzentrieren sie sich auf einzelne Maßnahmen seiner Amtszeit.
Besonders häufig werden Steuersenkungen aus dem sogenannten „One Big Beautiful Bill Act“ beworben. Seit Anfang September liefen mehr als 200 republikanische Spots zu Steuerthemen. Dafür wurden über 70 Millionen Dollar ausgegeben – etwa zwei Fünftel des gesamten Werbebudgets.
Die republikanische Senatskandidatin Ashley Hinson aus Iowa wirbt beispielsweise damit, Steuern auf Trinkgelder und Überstunden abgeschafft sowie Abgaben auf Sozialversicherungsleistungen gesenkt zu haben.
In einem weiteren Spot erwähnt sie zwar ihre Zusammenarbeit mit Trump bei der Senkung von Gesundheitskosten. Gleichzeitig betont sie jedoch, auch mit der politischen Gegenseite zusammenarbeiten zu wollen.
Senator Jim Risch aus Idaho verweist dagegen ausdrücklich auf seine gemeinsame Arbeit mit dem Präsidenten und bezeichnet die beschlossenen Entlastungen als größte Steuersenkung für arbeitende Familien in der amerikanischen Geschichte.
Einzelne Kandidaten setzen weiterhin auf Trump
Nicht alle Republikaner halten Abstand. Einige Kandidaten in besonders umkämpften Wahlkreisen glauben weiterhin, von einer sichtbaren Verbindung zum Präsidenten profitieren zu können.
Der New Yorker Abgeordnete Mike Lawler zeigt Trump in einem Werbespot, der die Erhöhung des steuerlichen Abzugs für staatliche und kommunale Abgaben hervorhebt. Diese sogenannte SALT-Regelung ist für viele wohlhabende Haushalte in seinem Wahlkreis von großer Bedeutung.
In dem Spot sind auch Ausschnitte zu sehen, in denen Trump den Abgeordneten lobt. Gleichzeitig versucht Lawler, seine Unabhängigkeit zu betonen. Er erklärt, sowohl gegen die politische Linke als auch gegen die Rechte vorgegangen zu sein, um Ergebnisse zu erreichen.
Lawler gehört damit zu jenen Republikanern, die einen schwierigen Mittelweg suchen: Sie wollen Trumps Wähler mobilisieren, ohne gemäßigte und unabhängige Bürger abzuschrecken.
Präsident ist gleichzeitig Zugpferd und Risiko
Normalerweise versuchen amtierende Präsidenten, Zwischenwahlen nicht vollständig auf ihre Person zu konzentrieren. Sie wollen verhindern, dass lokale Abstimmungen zu einem landesweiten Referendum über ihre Amtsführung werden.
Trump verfolgt den umgekehrten Weg. Er tritt bei Kundgebungen auf, stellt seine eigene politische Rolle in den Vordergrund und fordert seine Anhänger auf, so zu wählen, als stünde er selbst auf dem Stimmzettel.
Die Werbestrategie seiner Partei fällt jedoch deutlich vorsichtiger aus. Republikanische Kandidaten nutzen die Steuersenkungen und politischen Maßnahmen der Regierung, lassen den Präsidenten persönlich aber häufig aus dem Bild.
Damit wird Trump im Wahlkampf zu einer widersprüchlichen Figur: Seine Anhänger sind für die Republikaner unverzichtbar, seine niedrigen Zustimmungswerte machen ihn in umkämpften Wahlkreisen zugleich zu einer möglichen Belastung.
Demokraten hoffen auf ein Referendum über Trump
Für die Demokraten ist die Rechnung einfacher. Sie wollen die Zwischenwahlen ausdrücklich zu einer Abstimmung über den Präsidenten machen.
Je stärker republikanische Kandidaten mit Trump, dem Iran-Krieg und der wirtschaftlichen Lage verbunden werden, desto größer sollen die Chancen auf eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus oder im Senat werden.
Die ersten Wochen des Fernsehwahlkampfs zeigen deshalb ein ungewöhnliches Bild: Trump verlangt, dass sich bei der Wahl alles um ihn dreht. Seine Gegner erfüllen ihm diesen Wunsch bereitwillig – seine eigene Partei dagegen eher nicht.


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