Interview: FMA warnt vor „Schelhammer Systems“ – Wie sich Anleger jetzt schützen können

Interview: FMA warnt vor „Schelhammer Systems“ – Wie sich Anleger jetzt schützen können

Veröffentlicht

Mittwoch, 12.08.2026
von Red. TB

Interviewer: Rechtsanwalt Korisek, wie ernst sollten Anleger eine Warnung der FMA nehmen?

Rechtsanwalt Korisek: Sehr ernst. Eine Warnung der Finanzmarktaufsicht bedeutet, dass der Anbieter nach Auffassung der Behörde nicht über die erforderliche Zulassung verfügt. Wer trotzdem investiert, verzichtet auf den Schutz, den der regulierte Finanzmarkt bietet. Anleger sollten in einem solchen Fall grundsätzlich keine Überweisungen tätigen.

Interviewer: Die FMA spricht von einer möglichen Verwechslungsgefahr mit einem beaufsichtigten Unternehmen. Warum ist das so gefährlich?

Rechtsanwalt Korisek: Unseriöse Anbieter wählen häufig Namen, die an bekannte Banken oder Finanzdienstleister erinnern. Dadurch entsteht schnell der Eindruck, man habe es mit einem seriösen und beaufsichtigten Unternehmen zu tun. Tatsächlich handelt es sich aber oft um völlig eigenständige Anbieter ohne behördliche Zulassung.

Interviewer: Wie können Anleger überprüfen, ob ein Anbieter seriös ist?

Rechtsanwalt Korisek: Der erste Schritt sollte immer die Kontrolle sein, ob der Anbieter im Register der zuständigen Finanzaufsicht zugelassen ist. Außerdem sollte man das Impressum, die Unternehmensdaten und die tatsächliche Erreichbarkeit prüfen. Fehlen diese Informationen oder wirken sie widersprüchlich, ist größte Vorsicht geboten.

Interviewer: Welche Warnsignale sehen Sie in Ihrer Praxis besonders häufig?

Rechtsanwalt Korisek: Typisch sind hohe Renditeversprechen ohne nachvollziehbares Risiko, massiver Zeitdruck, ständige Telefonanrufe oder die Aufforderung, sofort Geld nachzuschießen. Ebenfalls kritisch sind Zahlungen auf ausländische Konten, Kryptowährungen oder die Installation von Fernwartungssoftware auf dem eigenen Computer.

Interviewer: Was sollten Betroffene tun, wenn sie bereits Geld überwiesen haben?

Rechtsanwalt Korisek: Wichtig ist, sofort zu handeln. Es sollten keine weiteren Zahlungen geleistet werden – auch dann nicht, wenn angeblich Steuern, Gebühren oder Versicherungen notwendig seien, um eine Auszahlung zu erhalten. Betroffene sollten unverzüglich ihre Bank informieren, sämtliche Unterlagen sichern und Strafanzeige erstatten. Anschließend empfiehlt sich eine rechtliche Prüfung, um mögliche Ansprüche und weitere Handlungsmöglichkeiten auszuloten.

Interviewer: Kann verlorenes Geld überhaupt zurückgeholt werden?

Rechtsanwalt Korisek: Das hängt immer vom konkreten Einzelfall ab. Je früher Betroffene reagieren, desto größer sind die Chancen, Zahlungsströme nachzuvollziehen oder Vermögenswerte zu sichern. Deshalb sollte man keine Zeit verlieren und sich möglichst früh rechtlich beraten lassen.

Interviewer: Ihr wichtigster Rat an Anleger?

Rechtsanwalt Korisek: Lassen Sie sich niemals unter Druck setzen. Seriöse Finanzdienstleister geben ihren Kunden Zeit für eine Entscheidung und arbeiten transparent. Wer Zweifel hat, sollte keine Überweisung tätigen, sondern zunächst die Zulassung des Anbieters überprüfen oder unabhängigen Rat einholen. Gerade im Internet gilt: Eine kurze Prüfung kann vor erheblichen finanziellen Schäden schützen.

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Peggy_Marco (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 12.08.2026

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