Geothermie in Österreich: Bohren für Wärme – und was passiert eigentlich, wenn plötzlich Öl aus dem Loch kommt?

Geothermie in Österreich: Bohren für Wärme – und was passiert eigentlich, wenn plötzlich Öl aus dem Loch kommt?

Veröffentlicht

Montag, 10.08.2026
von Red. TB

Österreich will tiefer bohren. Nicht aus Neugier, sondern für die Energiewende. Das Finanzministerium plant laut Ö1 eine Novelle des Mineralrohstoffgesetzes, damit Tiefengeothermie-Projekte leichter umgesetzt werden können.

Die Idee klingt vernünftig: Statt Öl und Gas aus dem Ausland soll künftig verstärkt die Wärme genutzt werden, die ohnehin unter unseren Füßen schlummert.

Also Bohrer anwerfen, drei Kilometer nach unten und schauen, ob Mutter Erde vielleicht die Fußbodenheizung schon eingeschaltet hat.

Nur eine Frage drängt sich auf:

Was passiert eigentlich, wenn die da unten plötzlich gar kein heißes Wasser finden – sondern Öl?

„Wir wollten eigentlich nur warmes Wasser …“

Man stelle sich die Szene vor.

Ein Bohrteam irgendwo im Wiener Becken.

3.000 Meter Tiefe.

Alle warten gespannt auf warmes Tiefenwasser.

Dann kommt der Techniker aus dem Container und sagt:

„Chef, wir haben ein kleines Problem.“

„Kein heißes Wasser?“

„Doch. Aber da ist noch etwas Schwarzes dabei.“

Plötzlich steht wahrscheinlich innerhalb von zehn Minuten nicht mehr die Wärmepumpe im Mittelpunkt, sondern jemand fragt:

„Wem gehört das eigentlich?“

Und spätestens dann dürfte die österreichische Verwaltungsmaschine anfangen, auf Betriebstemperatur zu kommen.

Österreichische Erdwärme gut – österreichisches Öl auch?

SPÖ-Energiesprecher Alois Schroll möchte laut dem Bericht lieber österreichische Erdwärme und heimische erneuerbare Energie nutzen als Öl und Gas aus sogenannten Kriegsländern.

Kann man nachvollziehen.

Aber stellen wir uns vor, ausgerechnet bei der Suche nach sauberer Erdwärme stößt man auf ein hübsches Ölfeld.

Dann müsste man vermutlich sehr schnell eine neue politische Sprachregelung finden:

Gestern:

„Raus aus Öl!“

Heute:

„Na ja, wenn es schon einmal da ist …“

Morgen:

„Regional erzeugter fossiler Energieträger mit kurzen Transportwegen.“

Österreich ist schließlich ein Land, in dem wir vermutlich sogar Erdöl mit einem AMA-Gütesiegel versehen könnten.

Das Genehmigungsverfahren soll einfacher werden

Derzeit braucht man bei bestimmten Bohrungen offenbar die Zustimmung aller betroffenen Grundeigentümer. Das soll sich ändern.

Außerdem ist vorgesehen, die Verfahren zu bündeln:

eine Behörde,

ein Verfahren,

ein Bescheid.

Das klingt für österreichische Verhältnisse beinahe revolutionär.

Normalerweise erwartet man bei einem größeren Bauprojekt eher:

sieben Behörden,

zwölf Gutachten,

drei Bürgerinitiativen,

einen seltenen Käfer

und jemanden, der erklärt, dass sein Urgroßvater 1927 genau an dieser Stelle eine Marille gepflanzt hat.

Nun also:

Ein Verfahren. Eine Behörde. Ein Bescheid.

Falls das tatsächlich funktioniert, könnte man die Methode vielleicht anschließend auch bei anderen Projekten ausprobieren.

Risikoabsicherung soll es ebenfalls geben

Das Finanzministerium plant laut Bericht außerdem ein Instrument zur Risikoabsicherung.

Das ergibt Sinn.

Denn Tiefengeothermie hat ein ziemlich offensichtliches Problem:

Man steckt zunächst sehr viel Geld in den Boden – und weiß vorher nicht mit letzter Sicherheit, was unten wartet.

Im Idealfall:

heißes Wasser.

Im weniger idealen Fall:

nicht genug heißes Wasser.

Im ganz schlechten Fall:

ein sehr teures Loch.

Und im überraschenden Fall:

„Gratulation, Sie wollten Fernwärme und besitzen jetzt plötzlich eine österreichische Ölquelle.“

Spätestens dann dürfte die Risikoabsicherung vermutlich eine ganz andere Richtung nehmen.

Wien bohrt Richtung Zukunft

Unter Wien wurde laut Bericht in etwa 3.000 Metern Tiefe ein Reservoir geortet.

Langfristig sollen damit laut Wien Energie rund 200.000 Haushalte mit Wärme versorgt werden.

Bis 2040 soll ungefähr ein Viertel der Wiener Fernwärme aus Tiefengeothermie kommen.

Das ist tatsächlich beeindruckend.

Wenn das funktioniert, könnte Wien irgendwann sagen:

„Unsere Heizung kommt direkt aus dem Keller.“

Nur liegt dieser Keller eben drei Kilometer tief.

Und vermutlich braucht man einen etwas längeren Heizungsinstallateur-Schlüssel.

Auch die Steiermark schaut nach unten

Auch in der Steiermark laufen Probebohrungen. Erste Wärmelieferungen könnten laut Bericht frühestens 2030 erfolgen.

Österreich entdeckt damit eine völlig neue Blickrichtung in der Energiepolitik.

Jahrzehntelang schaute man nach Russland.

Dann in Richtung Naher Osten.

Jetzt schaut man:

nach unten.

Vielleicht ist das ohnehin die verlässlichste Richtung.

Der Erdmantel kann jedenfalls keine Pipeline wegen geopolitischer Spannungen schließen.

Aber zurück zur wichtigsten Frage: Wem gehört das Öl?

Natürlich ist die Frage nicht ganz so simpel, wie sie klingt.

Wer in seinem Garten ein Loch gräbt und auf Erdöl stößt, darf nicht automatisch am nächsten Morgen eine Zapfsäule vor die Garage stellen und „Super 95 – selbst gebohrt“ anbieten.

Bodenschätze und deren Gewinnung unterliegen eigenen gesetzlichen Regelungen.

Aber genau deshalb wäre ein zufälliger Ölfund bei einer Geothermiebohrung ein herrlich österreichisches Szenario.

Das Projekt startet als Beitrag zur Dekarbonisierung.

Dann kommt Öl.

Und plötzlich sitzen wahrscheinlich gleichzeitig Vertreter von Energiepolitik, Bergrecht, Umweltrecht, Finanzministerium und Klimaschutz zusammen.

Der eine sagt:

„Wir können das doch nicht fördern.“

Der andere:

„Aber es wäre heimisch.“

Der dritte:

„Wie viel ist es denn?“

Und der Finanzminister fragt vermutlich irgendwann:

„Nur aus Interesse: Wie viele Barrel?“

Von der Energiewende zum Ölscheich in drei Kilometern

Am Ende bleibt die Tiefengeothermie natürlich eine spannende Technologie.

Wärme aus dem Untergrund kann gerade für Städte und Fernwärmenetze langfristig eine wichtige Rolle spielen.

Und wenn Genehmigungen einfacher werden, ohne notwendige Umwelt- und Sicherheitsprüfungen auszuhöhlen, spricht viel dafür, solche Projekte voranzutreiben.

Aber ein bisschen österreichischen Humor darf man sich bei all dem erhalten.

Denn wer drei Kilometer tief bohrt, weiß zwar ungefähr, wonach er sucht.

Was Mutter Erde daraus macht, ist eine andere Frage.

Vielleicht kommt heißes Wasser.

Vielleicht kommt nichts.

Vielleicht kommt ein geologischer Albtraum.

Oder vielleicht ruft irgendwann jemand aus dem Bohrturm:

„Herr Minister, wir hätten da eine gute und eine schlechte Nachricht.“

„Die gute?“

„Wir haben Energie gefunden.“

„Und die schlechte?“

„Sie ist schwarz.“

Dann wird sich zeigen, wie ernst Österreich es wirklich mit dem Satz meint:

Lieber heimische Energie als importiertes Öl.

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Bildnachweis:

Maklay62 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 10.08.2026

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