Donald Trump hat Berichte über schwindende Munitionsbestände der USA entschieden zurückgewiesen. Die Vereinigten Staaten hätten „riesige Mengen“ an Munition, erklärte der Präsident. Außerdem werde laufend nachproduziert.
Damit wäre die Sache eigentlich erledigt.
Wären da nicht Berichte, wonach die USA in den vergangenen Monaten ziemlich großzügig mit genau jener Munition umgegangen sein sollen, von der angeblich mehr als genug vorhanden ist.
CBS News berichtete, die Vereinigten Staaten hätten bereits einen erheblichen Teil ihrer weltweiten Bestände an weitreichenden Präzisionsraketen verbraucht. Auch die „Washington Post“ schrieb über mögliche Engpässe und berichtete, Trump habe Verteidigungsminister Pete Hegseth deswegen zur Rede gestellt.
Trump reagierte gewohnt entspannt und sachlich.
Er kündigte an, die „Leaker“ würden „gejagt“ und ihnen könnten lange Haftstrafen drohen.
Die Botschaft ist damit klar: Wer behauptet, es gebe zu wenig Raketen, sollte hoffen, dass zumindest genügend Anwälte vorhanden sind.
Trump bezeichnete die Berichte sogar als „verräterisch“ und stellte sich demonstrativ hinter Hegseth. Mit dessen Arbeit sei er „extrem zufrieden“.
Es gibt also offiziell keinen Munitionsmangel, keinen Grund zur Sorge und offenbar auch keinen Verteidigungsminister, der etwas falsch gemacht hat.
Trotzdem beantragte Hegseth zuletzt zusätzliche 87 Milliarden Dollar, unter anderem um Munition und Ausrüstung „schnell wieder aufzufüllen“.
Warum etwas schnell aufgefüllt werden muss, das angeblich reichlich vorhanden ist, gehört vermutlich zu den kleinen Geheimnissen moderner Militärlogistik.
Vielleicht ist es wie beim Kühlschrank: Man hat noch genug Essen, fährt aber sicherheitshalber mit 87 Milliarden Dollar zum Supermarkt.
Öffentliche Schätzungen zeichnen jedenfalls ein weniger üppiges Bild.
Das Center for Strategic and International Studies geht davon aus, dass die USA Ende Juli noch zwischen 759 und 827 Patriot-Raketen besaßen. Vor dem Konflikt sollen es etwa 2.330 gewesen sein.
Das wäre ungefähr ein Drittel des ursprünglichen Bestands.
Bei THAAD-Abfangraketen sollen sogar bereits rund 60 Prozent verbraucht worden sein.
Auch bei Tomahawk-Marschflugkörpern wird es enger. Vor dem Krieg soll der Bestand bei mehr als 3.000 gelegen haben, aktuell werden noch rund 2.000 vermutet. Selbst bei neuen Bestellungen könnte es Jahre dauern, die Lager wieder vollständig zu füllen.
Das Problem: Raketen wachsen leider nicht auf Bäumen.
Und selbst wenn sie es täten, gäbe es vermutlich zunächst eine Ausschreibung, drei Ausschüsse und eine Lieferzeit bis 2031.
Moderne Lenkwaffen benötigen komplexe Bauteile, spezialisierte Produktionslinien und lange Vorlaufzeiten. Zwischen Bestellung und Auslieferung können Jahre liegen.
Kurz gesagt: Man kann eine Patriot-Rakete nicht einfach am Freitagabend bestellen und am Samstagmorgen vor die Haustür legen lassen.
Zusätzlich muss Washington seine Vorräte gleich für mehrere Krisen einteilen.
Die USA haben der Ukraine seit Beginn des russischen Angriffskrieges große Mengen an Patriot-Raketen geliefert. Gleichzeitig werden Waffen im Konflikt mit dem Iran benötigt, während natürlich auch Reserven für andere mögliche Krisen vorhanden bleiben sollen.
Die strategische Lage ähnelt damit zunehmend einer Familienpackung Chips auf einer Party: Alle wollen etwas davon, aber niemand möchte am Ende derjenige sein, der die leere Tüte in der Hand hält.
Auch Iran verfolgt die Diskussion mit großem Interesse.
Der iranische Verteidigungsminister erklärte, die abnehmenden Fähigkeiten des Gegners würden „jeden Tag deutlicher“. Gleichzeitig lobte er die eigene Rüstungsindustrie und versicherte, Iran könne auf jede Bedrohung reagieren.
Damit herrscht zumindest in einem Punkt vollständige Einigkeit zwischen Washington und Teheran:
Beide Seiten haben selbstverständlich genug Waffen.
Nur der Gegner hat angeblich ein Problem.
Trump selbst hatte bereits erklärt, die Vereinigten Staaten verfügten über mehr Munition als jedes andere Land der Welt – und sogar über mehr, als sie überhaupt benötigten.
Das klingt beruhigend.
Die Milliarden für neue Raketen, die hektische Ausweitung der Produktion und die Schätzungen über sinkende Bestände sind dann vermutlich einfach Ausdruck besonders vorausschauender Gelassenheit.
Die eigentliche Debatte dreht sich deshalb weniger darum, ob den USA morgen die Raketen ausgehen.
Entscheidend ist vielmehr, wie lange sie ihre derzeitigen Bestände einsetzen können, wenn gleichzeitig mehrere Konflikte Munition verschlingen und neue Raketen nur langsam nachkommen.
Trump hat für das Problem jedenfalls bereits einen ersten Verantwortlichen gefunden.
Nicht die Produktionskapazität.
Nicht den hohen Verbrauch.
Nicht die langen Lieferzeiten.
Sondern diejenigen, die darüber gesprochen haben.
Denn wenn das Lager leerer wird, hilft es vielleicht zumindest der Stimmung, wenn niemand darüber berichtet.


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