Der Unmut junger Menschen entwickelt sich zu einer der größten Herausforderungen für Indiens Premierminister Narendra Modi. Nach Protesten wegen wiederholter Leaks bei Aufnahmeprüfungen musste Bildungsminister Dharmendra Pradhan zurücktreten.
Die Regierung reagierte mit der Ankündigung beschleunigter Gerichtsverfahren und einer Reform des Prüfungssystems. Doch die Probleme reichen deutlich tiefer. Viele junge Inder beklagen fehlende berufliche Chancen, schlechte Ausbildungsqualität und stagnierende Löhne.
Indien verfügt mit mehr als 360 Millionen Menschen zwischen 15 und 29 Jahren über die weltweit größte junge Bevölkerung. Zwar besuchen heute deutlich mehr Menschen Hochschulen und Ausbildungsstätten, doch der Übergang in den Arbeitsmarkt gelingt nur selten.
Die Jugendarbeitslosigkeit liegt deutlich über dem Durchschnitt der übrigen Bevölkerung. Besonders betroffen sind Hochschulabsolventen. Zwischen 2004 und 2023 kamen jährlich etwa fünf Millionen neue Absolventen hinzu, aber nur rund 2,8 Millionen fanden eine Beschäftigung. Noch weniger erhielten eine feste, gut bezahlte Stelle.
Auch die Industrie schafft nicht genügend Arbeitsplätze. Der Anteil des verarbeitenden Gewerbes an der Wirtschaftsleistung ist seit 2015 gesunken. Gleichzeitig arbeiten wieder mehr Menschen in der Landwirtschaft, häufig ohne ausreichendes Einkommen oder echte Beschäftigungsperspektive.
Zusätzlichen Druck erzeugt der Einsatz künstlicher Intelligenz. Besonders die indische IT-Branche, die lange als Aufstiegschance für die Mittelschicht galt, stellt weniger Personal ein. Schätzungen zufolge könnten acht bis zwölf Prozent der Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft durch KI ersetzt werden.
Fachleute fordern deshalb bessere berufliche Ausbildung, eine stärkere Industriepolitik und mehr Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen. Junge Menschen müssten sich darauf einstellen, dass praktische Fähigkeiten künftig wichtiger werden als ein akademischer Abschluss.
Für Modis Regierung besteht das Risiko, dass eine ganze Generation trotz besserer Bildung wirtschaftlich kaum vorankommt. Sollte sich dieser Frust weiter verstärken, könnten neue Proteste und politische Spannungen folgen.


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