USA ermöglichen Saudi-Arabien ein Atomprogramm – was soll da schon schiefgehen?

USA ermöglichen Saudi-Arabien ein Atomprogramm – was soll da schon schiefgehen?

Veröffentlicht

Mittwoch, 22.07.2026
von Red. TB

Die USA und Saudi-Arabien wollen offenbar ein Abkommen verkünden, das dem Königreich den Aufbau eines zivilen Atomprogramms erlaubt. Zivil natürlich. Schließlich ist angereichertes Uran bekanntlich ausschließlich für friedliche Zwecke interessant und hat historisch noch nie Anlass zur Sorge gegeben.

Die Regierung von US-Präsident Donald Trump könnte die Vereinbarung bereits am Mittwoch bekannt geben. Für amerikanische Unternehmen dürfte sich das Geschäft besonders lohnen: Es geht um mögliche Aufträge in Milliardenhöhe und um den Bau einer Anlage zur Urananreicherung. Dass sich angereichertes Uran nicht nur als Brennstoff für Kernkraftwerke, sondern auch für Atomwaffen verwenden lässt, ist dabei vermutlich nur ein technisches Detail für besonders misstrauische Menschen.

Nuklearexperten und ehemalige Regierungsvertreter in Israel zeigen sich dennoch beunruhigt. Sie warnen davor, dass Saudi-Arabien dadurch langfristig die technischen Voraussetzungen für den Bau einer eigenen Atombombe erhalten könnte. Offenbar reicht manchen Fachleuten die offizielle Bezeichnung „ziviles Atomprogramm“ noch nicht als vollständige Sicherheitsgarantie.

Geplant ist zunächst eine gemeinsame Studie der USA und Saudi-Arabiens. Danach könnte das Königreich die Erlaubnis erhalten, Uran auf eigenem Boden anzureichern und den Brennstoff in einer von den USA gebauten Anlage herzustellen. So wäre Saudi-Arabien nicht länger auf Importe angewiesen und könnte die sensiblen Arbeiten ganz bequem selbst erledigen.

Das wäre deutlich großzügiger als das Abkommen, das die USA 2009 mit den Vereinigten Arabischen Emiraten geschlossen haben. Die Emirate verzichteten damals auf die eigene Urananreicherung und akzeptierten zusätzliche Beschränkungen. Saudi-Arabien bekommt möglicherweise ein attraktiveres Modell, vermutlich die Premiumversion internationaler Atompolitik.

Organisationen gegen die Verbreitung von Atomwaffen dürften wenig begeistert sein. Ihr eher altmodisches Ziel besteht darin, die Zahl potenzieller Atommächte nicht weiter zu erhöhen. In Zeiten milliardenschwerer Wirtschaftsabkommen kann eine solche Haltung jedoch schnell etwas unpraktisch wirken.

Besonders bemerkenswert ist das Abkommen vor dem Hintergrund des Konflikts mit dem Iran. Die USA und Israel begründeten ihre Angriffe auf den Iran im Februar unter anderem damit, verhindern zu wollen, dass das Land jemals eine Atomwaffe entwickelt. Gleichzeitig soll Saudi-Arabien nun möglicherweise die Erlaubnis erhalten, selbst Uran anzureichern. Internationale Politik ist eben vor allem eine Frage davon, wer etwas tut und nicht unbedingt, was getan wird.

Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman erklärte 2018, sein Land plane keine eigene Atomwaffe. Er fügte allerdings hinzu, Saudi-Arabien werde unverzüglich nachziehen, falls der Iran eine Atombombe entwickle. Das klingt ausgesprochen beruhigend, sofern man den zweiten Teil des Satzes einfach ausblendet.

Nach Angaben des „Wall Street Journal“ hat Präsident Trump dem Abkommen bereits zugestimmt. Es soll 30 Jahre gelten. Sollten die USA nach der gemeinsamen Untersuchung doch Bedenken gegen die Urananreicherung haben, dürfte Saudi-Arabien zehn Jahre lang weder allein noch mit einem anderen Partner weitermachen. Danach sieht die Welt vermutlich wieder völlig anders aus, und alle Beteiligten werden sich sicher noch ganz genau an die ursprünglichen Sorgen erinnern.

Nun muss das Vorhaben dem US-Kongress vorgelegt werden. Dort ist Widerstand aus beiden politischen Lagern zu erwarten. Da Trumps Republikaner jedoch beide Kammern kontrollieren, könnte die Debatte am Ende vor allem dazu dienen, den Eindruck einer gründlichen Prüfung zu vermitteln.

Besonders praktisch für Riad: Das Abkommen soll nicht davon abhängen, dass Saudi-Arabien diplomatische Beziehungen zu Israel aufnimmt. Eine Normalisierung zwischen beiden Ländern war zwar lange ein wichtiges Ziel der US-Außenpolitik, doch offenbar kann man bei einem milliardenschweren Atomgeschäft auch einmal auf frühere Bedingungen verzichten.

So entsteht ein bemerkenswertes Gesamtbild: Der Iran soll möglichst niemals die Fähigkeit zur Entwicklung einer Atomwaffe erhalten, während Saudi-Arabien beim Aufbau der dafür relevanten Technologie unterstützt werden könnte. Aber keine Sorge – das Programm heißt schließlich „zivil“.

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Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 22.07.2026

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