„Königreich Deutschland“ angeklagt: Der König ist da – der Staat leider auch

„Königreich Deutschland“ angeklagt: Der König ist da – der Staat leider auch

Veröffentlicht

Mittwoch, 22.07.2026
von Red. TB

Die Bundesanwaltschaft hat Anklage gegen vier mutmaßliche Führungskräfte des sogenannten „Königreichs Deutschland“ erhoben. Der Vorwurf: Mitgliedschaft als Rädelsführer in einer kriminellen Vereinigung.

Das ist für ein selbst erfundenes Königreich natürlich ein herber diplomatischer Zwischenfall. Da gründet man extra einen eigenen Staat, schreibt sich eine eigene Verfassung, druckt eigene Ausweise – und dann hält sich die Bundesrepublik einfach nicht daran.

Dem Gründer Peter Fitzek werden außerdem unerlaubte Versicherungsgeschäfte und zahlreiche Fälle von Steuerhinterziehung vorgeworfen. Das wirkt zunächst widersprüchlich: Wer Deutschland nicht anerkennt, könnte schließlich meinen, auch das Finanzamt existiere nur in der Fantasie.

Leider arbeitet das Finanzamt nicht auf dieser Grundlage.

Nun muss das Oberlandesgericht Düsseldorf entscheiden, ob die Anklage zugelassen wird. Damit droht Fitzek eine Veranstaltung, bei der zwar ebenfalls jemand erhöht sitzt, dieser Jemand aber bereits Richter ist und nicht erst noch zum König gewählt werden muss.

Vom Koch zum Souverän

Peter Fitzek ist gelernter Koch. Irgendwann reichte ihm offenbar die Speisekarte nicht mehr, weshalb er gleich eine ganze Staatsordnung entwarf.

Nach Angaben des Verfassungsschutzes wurde das „Königreich Deutschland“ 2012 in Wittenberg gegründet. Es verfügte über eine eigene Verfassung, eigene Ausweispapiere, eine eigene Währung und vor allem eine außerordentlich hohe Meinung von sich selbst.

Fitzek nannte sich „oberster Souverän“. Laut Bundesanwaltschaft hatte er die Kontrolle über alle wesentlichen Bereiche.

Das ist praktisch. In einer echten Demokratie muss man sich mit Parlamenten, Opposition und Wahlen herumschlagen. Im Königreich genügte offenbar: „Ich habe entschieden, dass ich entscheide.“

Eigentlich sollte später ein Staatsrat gebildet und ein König gewählt werden. Bis dahin übernahm Fitzek vorsorglich sämtliche Aufgaben.

Man kennt das aus Vereinsvorständen: Eine Neuwahl ist grundsätzlich vorgesehen, sobald der Vorsitzende einen Termin findet, der ihm gefällt.

Sechstausend Anhänger – oder vielleicht doch eintausend

Zum Zeitpunkt des Verbots gab das KRD an, etwa 6000 Anhänger zu haben. Die Sicherheitsbehörden gingen eher von rund 1000 Personen aus.

Die Differenz könnte verschiedene Gründe haben. Vielleicht wurden Untertanen doppelt gezählt. Vielleicht galten Newsletter-Abonnenten bereits als Staatsbürger. Oder das königliche Statistikamt arbeitete einfach sehr optimistisch.

Im Mai 2025 verbot Bundesinnenminister Alexander Dobrindt die Gruppierung. Zeitgleich durchsuchten Ermittler bundesweit mehrere Gebäude und nahmen vier mutmaßliche Führungspersonen fest.

Seitdem sitzen sie in Untersuchungshaft.

Das dürfte im KRD als unerlaubte Einreise in fremdes Staatsgebiet bewertet werden. Die Justiz sieht das vermutlich anders.

Eigene Währung, fremde Euros

Besonders kreativ zeigte sich das Königreich beim Thema Geld. Angeboten wurden unter anderem die digitale „E-Mark“ und die „Neue Deutsche Mark“ für Barzahlungen.

Eine Einheit entsprach angeblich 1,10 Euro.

Das ist bemerkenswert. Normalerweise verliert eine Fantasiewährung an Wert. Hier war sie von Anfang an teurer. Vermutlich wegen der königlichen Prägung, der exklusiven Staatsidee oder eines eingebauten Souveränitätszuschlags.

Einen garantierten Rücktausch gab es laut Verfassungsschutz allerdings nicht. Auch ein Anspruch auf Rückzahlung war offenbar nicht vorgesehen.

Das System war damit denkbar unkompliziert:

Der Bürger gibt Euro.
Das Königreich gibt E-Mark.
Der Bürger möchte Euro zurück.
Das Königreich gibt philosophische Antworten.

Trotz dieses eher zurückhaltenden Verbraucherschutzes erhielt die Organisation laut Behörden beträchtliche Spenden und Vermögenswerte.

Offenbar vertrauten manche Anhänger darauf, dass ihr Geld im Königreich sicher sei. „Sicher“ bedeutete in diesem Zusammenhang allerdings möglicherweise nur: sicher nicht mehr zurück.

Bank, Krankenkasse und Seminarbetrieb

Finanziert wurde das KRD nach Angaben der Behörden unter anderem durch unerlaubte Bank- und Einlagengeschäfte, Spenden und Seminare.

Besonders beliebt waren sogenannte „Systemausstiegsseminare“. Dort konnte man vermutlich lernen, wie man die Bundesrepublik innerlich verlässt, während man äußerlich weiterhin Straßen, Stromnetze, Krankenhäuser und Paketdienste nutzt.

Auch eine eigene Krankenkasse soll betrieben worden sein.

Das passt zur Staatsidee. Wer bereits Verfassung, Geld und Ausweise selbst gestaltet, lässt sich von Kleinigkeiten wie Versicherungsaufsicht oder Zulassung natürlich nicht aus dem königlichen Konzept bringen.

Mehr Grundstücke, mehr Königreich

Eine wichtige Rolle spielte zudem der Kauf von Immobilien und Grundstücken. Damit sollte das eigene „Staatsgebiet“ erweitert werden.

Das ist eine sehr deutsche Art der Revolution: erst den Staat abschaffen, dann beim Notar einen Grundbuchtermin vereinbaren.

Die Immobilien wurden für Wohnzwecke, Geschäftstätigkeiten und Seminare genutzt. Im Jahr 2022 soll das KRD mehrere Objekte in verschiedenen Bundesländern erworben haben.

So wuchs das Reich nicht durch Eroberungen, sondern durch Kaufverträge.

Napoleon hatte Armeen. Das Königreich Deutschland hatte Immobilienanzeigen.

Die Bundesrepublik schlägt zurück – mit Aktenordnern

Reichsbürger und Selbstverwalter erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als legitimen Staat an. Sie lehnen Parlamente, Gesetze und Gerichte ab.

Das Problem dabei: Parlamente, Gesetze und Gerichte fühlen sich an diese Ablehnung nicht gebunden.

Man kann dem Gericht zwar erklären, dass man seine Zuständigkeit nicht anerkennt. Das Gericht kann anschließend trotzdem erklären, wann die Verhandlung beginnt.

Für Peter Fitzek und die drei Mitangeschuldigten könnte daher bald ein Prozess folgen. Dabei wird vermutlich deutsches Recht gelten, bezahlt wird in Euro und der Vorsitzende trägt keine Krone.

Das „Königreich Deutschland“ wollte die bestehende Ordnung ersetzen.

Nun ersetzt möglicherweise erst einmal die Untersuchungshaft den Thronsaal.

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WilliamCho (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 22.07.2026

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