TGI-Präsentation wirft neue Fragen auf: Zwischen Goldversprechen, Rabattsystem und angekündigtem Bond

TGI-Präsentation wirft neue Fragen auf: Zwischen Goldversprechen, Rabattsystem und angekündigtem Bond

Veröffentlicht

Mittwoch, 08.07.2026
von Red. TB

Wer die jüngste Präsentation der TGI AG aufmerksam verfolgt, gewinnt zunächst den Eindruck eines klassischen Vortrags über Gold als Sachwert. Themen wie Inflation, Kaufkraftverlust und die Entwicklung des Goldpreises bilden den Einstieg. Anschließend präsentiert das Unternehmen sein Geschäftsmodell und erklärt, weshalb es nach eigener Darstellung außergewöhnlich hohe Rabatte auf Goldkäufe gewähren könne.

Gerade dieser zweite Teil wirft jedoch Fragen auf, die bislang öffentlich nicht beantwortet sind.

Das Geschäftsmodell nach Darstellung der TGI

Nach den Aussagen des Vortragenden kaufe die TGI Gold direkt bei Minengesellschaften und nicht über klassische Scheideanstalten oder Großhändler. Als Einkaufspreis werden sogenannte „All-in Sustaining Costs“ der Minen von rund 1.500 US-Dollar je Feinunze genannt. Verkauft werde das Gold hingegen zum aktuellen Marktpreis.

Aus dieser Differenz, so die Darstellung, finanziere das Unternehmen die Kundenrabatte.

Konkrete Nachweise über entsprechende Lieferverträge, Einkaufskonditionen oder unabhängige Bestätigungen dieser Kalkulation wurden im Rahmen der Veranstaltung jedoch nicht vorgestellt. Ob und in welchem Umfang entsprechende Vereinbarungen bestehen, lässt sich anhand der Präsentation daher nicht überprüfen.

Hohe Rabatte – aber wie nachhaltig ist das Modell?

Beworben wurden zwei unterschiedliche Modelle. Für Deutschland wird aktuell ein Goldkauf mit sieben Prozent Sofortrabatt angeboten, verbunden mit einer Lieferzeit von rund acht Wochen. Ein weiteres Modell mit monatlichen Rabatten und zusätzlichen Treueboni wurde zwar erläutert, soll derzeit für deutsche Kunden jedoch nicht verfügbar sein.

Interessant ist dabei die Aussage, dass auf Wunsch der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ein Verkaufsprospekt erstellt werde. Ob ein solcher Prospekt inzwischen vorliegt oder wann er veröffentlicht wird, blieb offen.

Empfehlungsgeber statt Verkäufer

Im zweiten Teil der Veranstaltung richtete sich der Vortrag ausdrücklich an Kunden, die weitere Interessenten werben möchten.

Dabei wurde mehrfach betont, Empfehlungsgeber sollten keine Anlageberatung durchführen und lediglich eigene Erfahrungen schildern sowie Interessenten zu offiziellen Präsentationen einladen. Gleichzeitig erläuterte der Referent ein mehrstufiges Vergütungsmodell mit Provisionen über mehrere Ebenen sowie zusätzlichen Rangboni.

Bemerkenswert ist dabei, dass der Vortragende überzogene Einkommensrechnungen über viele Vertriebsebenen selbst als unrealistisch bezeichnete und empfahl, sich ausschließlich auf die direkte Kundenebene zu konzentrieren.

Offene Fragen zum angekündigten Bond

Besondere Aufmerksamkeit erhielt die Ankündigung eines sogenannten TGI-Bonds.

Nach Darstellung in der Präsentation soll dieser Bond künftig zusätzliche Sicherheit für Kunden schaffen. Gleichzeitig wurde erklärt, dass sämtliche Kunden automatisch Bestandteil dieser Struktur würden.

Welche Vermögenswerte tatsächlich eingebracht werden, wer rechtlich Emittent des Bonds ist, welche Ansprüche Kunden im Insolvenzfall hätten oder ob bereits ein Wertpapierprospekt existiert, blieb in der Veranstaltung allerdings unbeantwortet.

Gerade diese Punkte gelten bei klassischen Anleiheemissionen als zentrale Informationen für Anleger.

Euroclear ersetzt keine aufsichtsrechtliche Prüfung

In der Präsentation wurde zudem auf eine geplante Einbindung von Euroclear verwiesen.

Dabei ist zu unterscheiden: Euroclear ist ein international tätiges Abwicklungs- und Verwahrungssystem für Wertpapiere. Eine Aufnahme in dieses System stellt jedoch weder eine aufsichtsrechtliche Genehmigung noch eine wirtschaftliche Prüfung eines Finanzprodukts dar. Die Existenz einer Euroclear-Registrierung erlaubt deshalb für sich genommen keine Aussage über die Qualität oder Werthaltigkeit eines Investments.

Auch bei Fragen blieb vieles offen

Im anschließenden Fragenteil erkundigten sich Teilnehmer unter anderem nach der angekündigten Banklösung, der Geschwindigkeit von Überweisungen sowie nach möglichen regulatorischen Folgen eines BaFin-Prospekts.

Mehrfach verwies der Vortragende darauf, einzelne Fragen derzeit nicht beantworten zu können oder hierfür auf andere Verantwortliche der Unternehmenszentrale.

Zwischen Marketing und Transparenz

Die Veranstaltung vermittelt insgesamt das Bild eines Unternehmens, das seine Kunden von einem besonderen Goldhandelsmodell überzeugen möchte und gleichzeitig neue Strukturen wie einen Bond oder eine eigene Banklösung ankündigt.

Ob diese Konzepte tatsächlich in der angekündigten Form umgesetzt werden, welche rechtliche Ausgestaltung sie erhalten und welche unabhängigen Nachweise künftig veröffentlicht werden, bleibt derzeit offen.

Fest steht lediglich, dass zahlreiche Aussagen der Präsentation derzeit auf den Angaben des Unternehmens beruhen und anhand öffentlich zugänglicher Unterlagen bislang nicht vollständig überprüfbar sind.

Die TGI weist behördliche Vorwürfe nach Kenntnisstand zurück. Soweit behördliche Verfahren anhängig sind, gilt die Unschuldsvermutung. Der Beitrag stellt keine rechtliche oder wirtschaftliche Bewertung des Geschäftsmodells dar, sondern gibt den Inhalt der Präsentation wieder und ordnet offene Fragestellungen journalistisch ein.

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Bildnachweis:

CharlesRondeau (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 08.07.2026

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