Einrichtung, in der Paris Hilton nach eigenen Angaben als Jugendliche misshandelt wurde, muss schließen
Ein Internat für Mädchen im US-Bundesstaat Utah, gegen das seit Jahren schwere Missbrauchsvorwürfe erhoben werden, hat seine Betriebserlaubnis verloren. Die zuständigen Behörden entzogen der Einrichtung nach zahlreichen Verstößen gegen Gesundheits- und Sicherheitsauflagen die Lizenz. Der Betrieb des Mädchen-Campus muss bis Anfang August eingestellt werden.
Die Aufsichtsbehörden begründeten ihre Entscheidung mit einer Reihe gravierender Mängel. In den Untersuchungen wurden unter anderem unnötige Zwangsmaßnahmen, unangemessene körperliche Gewalt sowie Fälle von Vernachlässigung dokumentiert. Die festgestellten Verstöße reichen bis ins Jahr 2025 zurück.
Besondere Aufmerksamkeit erhält der Fall, weil Unternehmerin und Medienpersönlichkeit Paris Hilton seit Jahren öffentlich über ihre Zeit an der Einrichtung spricht. Sie war dort in den 1990er-Jahren für mehrere Monate untergebracht und schilderte später massive Misshandlungen. Nach eigenen Angaben sei sie körperlicher Gewalt ausgesetzt, gegen ihren Willen mit Medikamenten behandelt und zeitweise isoliert worden.
Nach Bekanntwerden des Lizenzentzugs erklärte Hilton, die Entscheidung bestätige endlich das, worauf ehemalige Betroffene seit Jahrzehnten hingewiesen hätten. Generationen von Jugendlichen hätten von Missbrauch, Vernachlässigung und traumatischen Erlebnissen berichtet. Nun habe der Staat offiziell festgestellt, dass die Einrichtung ihrer Verantwortung gegenüber den Jugendlichen nicht gerecht geworden sei.
Seit Jahren engagiert sich Hilton gegen die sogenannte „Troubled Teen Industry“, ein Netzwerk privater Einrichtungen für verhaltensauffällige Jugendliche. Mit öffentlichen Auftritten, einem Dokumentarfilm sowie Aussagen vor dem US-Kongress setzt sie sich für strengere Kontrollen und einen besseren Schutz Minderjähriger ein.
Die Schule kündigte an, die Entscheidung der Behörden rechtlich prüfen zu lassen. Man erwäge, gegen den Lizenzentzug Berufung einzulegen. Gleichzeitig betonte die Leitung, man sehe die Sicherheit und Betreuung der Jugendlichen weiterhin als oberste Priorität.
Auch der Jungen-Campus der Einrichtung steht inzwischen unter verschärfter Beobachtung. Bereits im Juni hatten die Behörden dort Auflagen verhängt. Neue Jugendliche dürfen derzeit nicht aufgenommen werden. Hintergrund sind Ermittlungen wegen unzureichender Schutzmaßnahmen bei einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Bewohnern sowie wegen verspäteter medizinischer Versorgung eines verletzten Jugendlichen.
Der Fall gilt inzwischen als eines der bekanntesten Beispiele für die seit Jahren kritisierte US-amerikanische Branche privater Erziehungs- und Therapieeinrichtungen. Menschenrechtsorganisationen und ehemalige Betroffene fordern seit Langem strengere gesetzliche Vorgaben, unabhängige Kontrollen und mehr Transparenz im Umgang mit Kindern und Jugendlichen, die in solchen Einrichtungen untergebracht werden.


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