Sanchez im Schleudergang: Spaniens Premier sucht den Notausgang im Korruptions-Labyrinth

Sanchez im Schleudergang: Spaniens Premier sucht den Notausgang im Korruptions-Labyrinth

Veröffentlicht

Mittwoch, 24.06.2026
von Red. TB

Pedro Sánchez stand am Mittwoch im spanischen Parlament wie ein Mann, der versucht, einen Waldbrand mit einer Gießkanne zu löschen – und dabei betont, dass es eigentlich gar kein Feuer gibt.

Der spanische Regierungschef sah sich erneut gezwungen zu erklären, dass die zahlreichen Korruptionsaffären in seinem Umfeld keineswegs bedeuten würden, dass es ein Korruptionsproblem gebe. Ganz im Gegenteil. Alles werde nur künstlich aufgeblasen, vermischt und dramatisiert.

Übersetzt heißt das ungefähr: „Ja, überall qualmt es, aber das bedeutet noch lange nicht, dass etwas brennt.“

Freunde, Berater und Masken-Millionen

Besonders unerquicklich für Sánchez: Sein früherer Verkehrsminister und enger Vertrauter José Luis Ábalos wurde gerade zu 24 Jahren Haft verurteilt.

Sein ehemaliger Berater Koldo García erhielt gleich 19 Jahre dazu.

Der Vorwurf: Schmiergelder, Vetternwirtschaft, Einflussnahme und Geschäfte rund um die Maskenbeschaffung während der Corona-Pandemie.

Sánchez betonte selbstverständlich, von all dem nichts gewusst zu haben.

Eine Erklärung, die Politiker weltweit ungefähr so häufig benutzen wie Fußballtrainer den Satz: „Die Mannschaft hat alles gegeben.“

Auch die Familie macht Schlagzeilen

Unglücklicherweise endet die juristische Aufmerksamkeit nicht bei ehemaligen Weggefährten.

Gegen Sánchez‘ Ehefrau wird ebenfalls ermittelt. Ihr werden unter anderem Einflussnahme und Korruptionsdelikte vorgeworfen. Zwischenzeitlich musste sie sogar ihren Pass abgeben, weil ein Richter offenbar verhindern wollte, dass sie spontan auf Weltreise geht.

Auch Sánchez‘ Bruder beschäftigt die Justiz. Ihm wird vorgeworfen, möglicherweise von einer eigens für ihn geschaffenen Stelle profitiert zu haben.

Man könnte sagen: Während andere Familien gemeinsam grillen, beschäftigt sich die Familie Sánchez derzeit eher mit Aktenordnern.

Die Opposition riecht Morgenluft

Die konservative Opposition fordert mittlerweile fast täglich Neuwahlen.

Oppositionsführer Alberto Núñez Feijóo brachte die Sache auf den Punkt: „Lösen Sie das Parlament auf und lassen Sie die Bürger entscheiden.“

Sánchez wiederum reagiert ähnlich konsequent wie ein Fußballtrainer nach fünf Niederlagen in Serie:

„Nein.“

Das politische Überlebensspiel geht weiter

Trotz aller Affären sitzt Sánchez weiterhin fest im Sattel. Die Opposition hat keine Mehrheit, die Regierung ebenfalls nicht. Spanien erlebt damit eine politische Situation, die ein wenig an zwei Schachspieler erinnert, die sich gegenseitig matt setzen wollen, aber beide vergessen haben, wo ihre Figuren stehen.

Während Richter ermitteln, die Opposition Rücktritte fordert und ehemalige Vertraute im Gefängnis landen, versucht Sánchez weiter den Eindruck zu vermitteln, alles sei eigentlich halb so wild.

Oder anders gesagt: Der Kapitän versichert den Passagieren, das Schiff sei vollkommen sicher – während hinter ihm bereits mehrere Crewmitglieder mit Schwimmwesten vorbeilaufen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

stux (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 24.06.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv