„Kittenfishing“: Wenn aus 1,75 Meter plötzlich 1,83 werden

„Kittenfishing“: Wenn aus 1,75 Meter plötzlich 1,83 werden

Veröffentlicht

Mittwoch, 10.06.2026
von Red. TB

Die Dating-Welt hat einen neuen Trend – und er dürfte Millionen Menschen unangenehm bekannt vorkommen. Er nennt sich „Kittenfishing“ und beschreibt die Kunst, auf Dating-Apps nur ein kleines bisschen zu flunkern. Also nicht gleich eine komplett neue Identität erfinden wie beim klassischen Catfishing, sondern eher die Version von sich selbst präsentieren, die man nach drei Wochen Fitnessstudio, acht Stunden Schlaf und professioneller Bildbearbeitung sein könnte.

Die Regeln sind einfach: Aus 1,75 Meter werden 1,83. Das Profilfoto stammt aus einer Zeit, als die Pandemie noch nicht existierte und die Lieblingsjeans noch problemlos zuging. Die Angabe „Harvard“ bedeutet in Wahrheit, dass man dort einmal einen Online-Kurs angefangen und nach zwei Lektionen wieder vergessen hat.

Dating-Coaches beobachten das Phänomen mit einer Mischung aus Besorgnis und Belustigung. Die meisten Kittenfisher seien keine Betrüger, sondern einfach Menschen, die glauben, dass die Konkurrenz auf Dating-Apps härter sei als die Aufnahmeprüfung für die NASA.

Das Problem zeigt sich meist beim ersten Treffen. Während das Gegenüber einen sportlichen Weltenbummler mit Universitätsabschluss erwartet, erscheint jemand, der erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Profil besitzt – allerdings nur, wenn man das Profilfoto um zehn Jahre altern lässt und die Angaben großzügig abrundet.

Besonders beliebt sind kreative Interpretationen von Körpergröße. Experten vermuten inzwischen, dass laut Dating-Profilen etwa 80 Prozent aller Männer zwischen 1,85 und 1,90 Meter groß sind. Würden diese Angaben stimmen, könnte die durchschnittliche NBA-Mannschaft problemlos durch deutsche Tinder-Nutzer ersetzt werden.

Auch das Alter wird gerne als flexible Empfehlung betrachtet. Manche Nutzer feiern ihren 39. Geburtstag inzwischen zum sechsten Mal in Folge. Andere entdecken plötzlich ihre jugendliche Seite und ziehen einfach fünf Jahre von ihrem Geburtsdatum ab – offenbar in der Hoffnung, dass Mathematik beim Dating keine Rolle spielt.

Dating-Experten raten deshalb zu einer revolutionären Strategie: Ehrlichkeit. Wer tatsächlich aussieht wie auf seinen Fotos, die eigene Größe korrekt angibt und keine imaginären Eliteabschlüsse erfindet, verschafft sich einen überraschenden Wettbewerbsvorteil. Die Messlatte liegt inzwischen offenbar so niedrig, dass Authentizität schon als außergewöhnliche Eigenschaft gilt.

Am Ende bleibt eine einfache Erkenntnis: Wer beim Online-Dating mit kleinen Lügen beginnt, riskiert große Enttäuschungen. Oder wie man es auf Dating-Apps formulieren würde: „Suche ehrliche Beziehung. Größe übrigens 1,96 Meter. Quelle: Vertrauen Sie mir.“

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PublicDomainPictures (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 10.06.2026

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