US-Baptisten diskutieren Einwanderung: Jesus ja, aber bitte mit Ausweiskontrolle

US-Baptisten diskutieren Einwanderung: Jesus ja, aber bitte mit Ausweiskontrolle

Veröffentlicht

Mittwoch, 10.06.2026
von Red. TB

Bei der Jahrestagung der Southern Baptist Convention in Florida wird derzeit über eines der schwierigsten theologischen Rätsel der Gegenwart diskutiert: Wie liebt man seinen Nächsten, wenn man gleichzeitig möchte, dass er abgeschoben wird?

Die größte protestantische Glaubensgemeinschaft der USA versucht dazu einen Kompromiss zu formulieren. Die neue Resolution lautet sinngemäß: „Wir sind für Mitgefühl, Würde, Barmherzigkeit und Nächstenliebe – aber bitte in geordneten Verwaltungsverfahren.“

Das Dokument fordert einerseits strenge Grenzkontrollen, Abschiebungen und die konsequente Durchsetzung des Einwanderungsrechts. Andererseits sollen Migranten mit Respekt behandelt werden. Kritiker nennen das den Versuch, gleichzeitig aufs Gaspedal und auf die Bremse zu treten.

Besonders bemerkenswert: Früher unterstützten viele Baptisten Wege zur Legalisierung von Migranten ohne Aufenthaltsstatus. Heute scheint die Devise eher zu lauten: „Wir beten für euch – aber bitte von der anderen Seite der Grenze aus.“

Die Debatte zeigt, wie sehr sich die politische Landschaft verändert hat. Vor zwanzig Jahren argumentierten viele Evangelikale noch, Einwanderung sei nicht nur christlich geboten, sondern auch wirtschaftlich sinnvoll. Heute klingt manches eher wie eine Mischung aus Bibelstunde und Grenzschutzbehörde.

Einige Delegierte versuchen dennoch, an die christlichen Grundlagen zu erinnern. Schließlich steht in der Bibel erstaunlich oft etwas über Fremde, Bedürftige und Gastfreundschaft – und überraschend wenig über biometrische Grenzkontrollen.

Für zusätzliche Unterhaltung sorgt eine weitere Diskussion auf dem Parteitag: Frauen könnten künftig offiziell von leitenden Kirchenämtern ausgeschlossen werden.

Beobachter sprechen bereits von einem historischen Doppelprogramm:

„Erst die Grenze schließen, dann die Kanzel.“

Unterdessen wurde der konservative Pastor Willy Rice zum neuen Präsidenten gewählt. Seine Anhänger feiern ihn als Bewahrer traditioneller Werte. Kritiker vermuten, dass die Zeitmaschine der Southern Baptists inzwischen erfolgreich auf das Jahr 1954 eingestellt wurde.

Am Ende bleibt die große Frage der Konferenz:

Was würde Jesus tun?

Die Antworten reichen derzeit von „Nimm den Fremden auf“ bis „Fülle bitte zunächst Formular I-130 in dreifacher Ausfertigung aus“.

Die Diskussion dürfte also noch eine Weile dauern. Amen

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Didgeman (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 10.06.2026

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