Bei einem erneuten Einsatz der US-Streitkräfte gegen ein mutmaßlich im Drogenschmuggel eingesetztes Boot im Ostpazifik sind nach Angaben des US-Militärs zwei Menschen ums Leben gekommen. Das zuständige Südkommando der US-Armee teilte mit, der Vorfall habe sich am Freitag (Ortszeit) ereignet.
Nach Darstellung des Militärs habe sich der Einsatz gegen ein Boot gerichtet, das auf einer bekannten Schmuggelroute im Ostpazifik unterwegs gewesen sei. Unter Berufung auf Geheimdienstinformationen erklärte das US-Südkommando, das Wasserfahrzeug sei in Drogentransporte eingebunden gewesen und werde von „Terrororganisationen“ genutzt.
Dutzende Einsätze seit September
Der Vorfall reiht sich in eine Serie ähnlicher Militäraktionen ein. Seit September haben die USA nach Medienangaben zahlreiche Einsätze gegen mutmaßliche Schmuggelboote im Pazifik und in der Karibik durchgeführt. Nach einer Zählung der Nachrichtenagentur AFP sollen dabei bislang mindestens 182 Menschen getötet worden sein, darunter mindestens sieben allein seit Beginn dieses Monats.
Die Regierung von US-Präsident Donald Trump begründet das Vorgehen mit einem erklärten Kampf gegen sogenannte „Narkoterroristen“ in Lateinamerika. Washington stellt die Einsätze als Teil eines sicherheitspolitischen Vorgehens gegen organisierte Kriminalität und Drogenhandel dar.
Kritik an der Beweislage
Kritiker bemängeln jedoch, dass die US-Regierung bislang keine öffentlich überprüfbaren Belege dafür vorgelegt habe, dass es sich bei allen Getöteten tatsächlich um Drogenschmuggler oder Mitglieder krimineller Netzwerke gehandelt habe.
Nach Angaben von Behörden vor Ort sowie von Angehörigen sollen sich unter den Opfern in einzelnen Fällen auch Fischer befunden haben. Eine unabhängige Überprüfung der jeweiligen Einsatzlagen ist in vielen Fällen bislang nicht möglich.
Experten und UNO-Vertreter äußern völkerrechtliche Bedenken
Einige Fachleute sowie Vertreter der Vereinten Nationen bewerten die Angriffe kritisch. Sie sprechen von möglichen völkerrechtswidrigen Tötungen und werfen die Frage auf, ob es sich in Teilen um außergerichtliche Hinrichtungen handeln könnte.
Im Mittelpunkt der Kritik steht dabei der Vorwurf, dass sich die Einsätze gegen mutmaßliche zivile Ziele richteten, die keine unmittelbare Bedrohung für die Vereinigten Staaten dargestellt hätten. Ob und in welchem Umfang die Einsätze mit internationalem Recht vereinbar sind, ist Gegenstand anhaltender Debatten.
Unabhängige Aufklärung bleibt aus
Bislang liegen zu dem jüngsten Vorfall keine unabhängigen Erkenntnisse über die Identität der Getöteten oder die genauen Umstände des Einsatzes vor. Auch bleibt offen, ob Ermittlungen eingeleitet werden, um die Hintergründe des Angriffs und die Rolle der Betroffenen näher zu klären.
Der jüngste Einsatz zeigt erneut, wie umstritten die militärische Strategie der USA im Kampf gegen den Drogenhandel inzwischen ist: Während Washington von einem harten Vorgehen gegen transnationale Kriminalität spricht, wächst international die Kritik an Transparenz, Verhältnismäßigkeit und Rechtsgrundlage der Operationen.

