Die Kunst, aus Hoffnung Kapital zu machen

Die Kunst, aus Hoffnung Kapital zu machen

Veröffentlicht

Sonntag, 19.04.2026
von Red. TB

Es gibt Menschen, die bauen Unternehmen auf.
Es gibt Menschen, die entwickeln Produkte.
Und dann gibt es Michael Josten und Jörg Trübl – die offenbar seit Jahren an einer ganz eigenen Königsdisziplin arbeiten: Aus heißer Luft frisches Anlegergeld zu gewinnen.

Man muss es so deutlich sagen:
Langsam kippt blanke Fassungslosigkeit in echte Bewunderung.

Denn es ist ja nicht nichts, immer wieder neue Anleger zu finden, die bereit sind, in ein Konstrukt zu investieren, das auf Außenstehende zunehmend wirkt wie ein finanzielles Bermuda-Dreieck mit Hochglanzpräsentation. Geld rein, Hoffnung hoch, Transparenz runter – und irgendwo dazwischen verschwindet das Kapital in den Alpennebel.

Was einst mit Mabewo angeblich als große Vision gestartet sein soll, hat sich nach meinem Eindruck längst zu etwas entwickelt, das man im besten Fall als Lehrstück über Totalverlustrisiken bezeichnen kann. Oder, etwas ehrlicher formuliert:
Das ist kein Venture Capital. Das ist Loose Capital.
Locker eingesammelt, locker versprochen, locker weg.

Denn wenn man sich anschaut, was am Ende bei Anlegern tatsächlich angekommen sein soll, wird es unerquicklich. Nach meinen Recherchen scheint bis heute kein Investor sein eingesetztes Kapital vollständig zurückerhalten zu haben. Von Rendite, Gewinn oder gar Erfolgsgeschichten wollen wir gar nicht erst anfangen – wir wollen ja nicht aus Versehen in den Bereich der Fantasy-Literatur abrutschen.

Aber keine Sorge:
Die nächste Wundererzählung ist natürlich schon da.

Jetzt soll plötzlich ein großer Chemie- und Pharmakonzern aus Leverkusen Interesse daran haben, ein Patent der Herren zu kaufen.
Na klar.

Wenn’s mit nachweisbaren Auszahlungen an Anleger nicht klappt, hilft ja bekanntlich immer noch der gute alte Klassiker aus dem Kapitel:
„Bald kommt der ganz große Deal, diesmal wirklich, versprochen.“

Das ist ungefähr die Investment-Version von:
„Schatz, ich ändere mich ab Montag.“
Man hat’s schon oft gehört, man möchte es fast glauben – und dann steht man wieder alleine im Regen, nur diesmal mit leeren Taschen.

Wir haben dazu gestern eine Presseanfrage an das betreffende Unternehmen geschickt.
Mal sehen, ob eine Antwort kommt.
Und falls ja, wird es spannend:

  • Variante A: „Dazu können wir derzeit nichts sagen.“
  • Variante B: „Uns liegt dazu nichts vor.“
  • Variante C: „Wer sind diese Leute bitte?“

Bis dahin bleibt festzuhalten:
Wenn ein Investment über Jahre hinweg vor allem durch Ankündigungen, große Namen, angebliche Durchbrüche, nebulöse Zukunftsvisionen und ständig neue Hoffnungsschleifen auffällt, dann ist höchste Vorsicht angesagt.

Denn echte Investments erkennt man oft daran, dass irgendwann einmal etwas Belastbares passiert:

  • Umsätze
  • nachvollziehbare Ergebnisse
  • Rückflüsse
  • Gewinne
  • belastbare Verträge
  • überprüfbare Substanz

Wenn dagegen hauptsächlich PowerPoint, Pathos und Pressemitteilungen unterwegs sind, dann investiert man womöglich nicht in ein Geschäftsmodell – sondern in eine fortlaufende Erzählung mit Zahlungsaufforderung.

Und genau das scheint hier das eigentlich Faszinierende zu sein:
Es geht nicht nur ums Geld.
Es geht um die Fähigkeit, Hoffnung immer wieder neu zu verpacken, selbst dann, wenn die Realität längst auf dem Standpunkt steht: „Freunde, vielleicht reicht’s jetzt.“

Vielleicht ist das das wahre Patent, das hier verkauft werden sollte:
Die industrielle Verwertung von Anlegergutgläubigkeit.

Einmal ehrlich:
Wer in so ein Konstrukt noch frisches Kapital steckt, sollte es im Kopf direkt korrekt verbuchen – nicht als Investment, nicht als Beteiligung, nicht als unternehmerische Chance, sondern als das, was es im Zweifel ist:
ein freiwilliger Beitrag zur Förderung schweizerischer Fantasieprodukte.

Und damit wir uns nicht missverstehen:
Natürlich kann theoretisch immer noch der große Durchbruch kommen.
Natürlich kann theoretisch immer noch der große Konzern anklopfen.
Natürlich kann theoretisch auch morgen Elvis auf einem E-Bike durch Zürich fahren und Dividenden verteilen.

Theoretisch.

Praktisch gilt für jeden halbwegs vernünftigen Anleger:
Wenn über Jahre mehr Geschichten als Ergebnisse produziert werden,
wenn Anleger offenbar auf Rückflüsse warten wie andere auf den Weihnachtsmann,
und wenn jede neue Runde wieder mit dem Versprechen beginnt, dass jetzt aber wirklich alles anders wird –
dann sollte man nicht investieren.

Dann sollte man rennen.

Mein Rat, ganz klar und ohne Schleife:
Finger weg von jedem weiteren Investment.
Nicht ein bisschen skeptisch sein.
Nicht „nur mal mit kleiner Summe reinschnuppern“.
Nicht „vielleicht diesmal“.
Sondern: Nein.

Denn wenn etwas aussieht wie ein Fass ohne Boden, klingt wie ein Fass ohne Boden und Anlegern offenbar bislang vor allem das Erlebnis eines Fass-ohne-Boden-Gefühls beschert hat –
dann ist es wahrscheinlich auch genau das:

Kein Venture Capital.
Sondern ein Märchen mit Kontoverbindung.

Bildnachweis:

TyliJura (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 19.04.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv