Die gute Nachricht zuerst: Die Lage im Nahen Osten hat sich vorerst etwas beruhigt. Die schlechte Nachricht: An der Zapfsäule merkt davon so schnell niemand etwas.
In den USA kostet eine Gallone Normalbenzin derzeit im Schnitt 4,05 Dollar. Das ist zwar etwas weniger als der jüngste Höchststand von 4,17 Dollar – aber immer noch deutlich mehr als die 2,98 Dollar, die Autofahrer vor Beginn des US-israelisch-iranischen Konflikts Ende Februar zahlten. Mit anderen Worten: Der große Preisschock ist vielleicht nicht mehr ganz so groß, aber er ist noch lange nicht vorbei.
Wer nun darauf hofft, dass die Preise in den kommenden Tagen schnell wieder auf Vorkrisenniveau fallen, dürfte enttäuscht werden. Analysten rechnen eher mit Wochen, womöglich sogar Monaten, bis sich die Lage nachhaltig entspannt. Für Millionen Pendler und Familien bedeutet das: Der Weg zur Arbeit, zur Schule oder zum Supermarkt bleibt vorerst unerquicklich teuer.
Immerhin gibt es ein paar Tricks, mit denen sich die Schmerzen an der Zapfsäule lindern lassen. Keine Wunderwaffen – aber in Summe durchaus spürbar.
Der erste und banalste Rat ist zugleich der wichtigste: Preise vergleichen. Klingt unerquicklich deutsch, spart aber tatsächlich Geld. Viele Autofahrer fahren aus Gewohnheit immer dieselbe Tankstelle an – und zahlen damit oft drauf. Innerhalb weniger Kilometer können die Preisunterschiede erheblich sein. In Tampa, Florida, schwankte der Preis zuletzt laut Marktbeobachtern zwischen 3,75 und 4,39 Dollar pro Gallone. Das ist kein Rundungsfehler, das ist fast schon Wegelagerei mit Leuchtreklame.
Apps wie GasBuddy, Google Maps oder Waze helfen dabei, die günstigsten Stationen in der Umgebung zu finden. Wer konsequent vergleicht, spart bei jedem Tankvorgang ein paar Dollar – und auf den Monat gerechnet oft deutlich mehr, als viele denken.
Besonders beliebt in den USA sind derzeit Tankstellen von Lagerhausketten wie Costco, Sam’s Club oder BJ’s. Dort gehört günstiger Sprit praktisch zum Geschäftsmodell: Wer billig tankt, soll im besten Fall gleich noch einen Großpackungspalettenkauf im Laden anschließen. Laut aktuellen Daten liegt der Preis bei Costco im Schnitt rund 34 Cent unter dem nationalen Durchschnitt, bei Sam’s Club und BJ’s etwa 26 Cent darunter.
Der Haken: Diese Ersparnis erkauft man sich nicht selten mit langen Schlangen. Wer also für 8 Dollar Ersparnis 35 Minuten im SUV vor der Zapfsäule steht, sollte sich zumindest kurz fragen, ob Zeit wirklich gratis ist.
Auch Supermärkte und Einzelhändler locken mit Spritprogrammen. Ketten wie Kroger belohnen Einkäufe mit Punkten, die sich später in Rabatte an der Zapfsäule umwandeln lassen – im Idealfall bis zu einem Dollar pro Gallone. Walmart wiederum liegt mit seinen Spritpreisen im Schnitt ohnehin unter dem Landesniveau, und wer zusätzlich eine Walmart+-Mitgliedschaft hat, bekommt an vielen Tankstellen noch einmal 10 Cent pro Gallone Rabatt.
Hinzu kommen die klassischen Bonusprogramme der Ölkonzerne. BP, ExxonMobil und andere haben längst begriffen, dass Kundenbindung im Tankstellengeschäft heute weniger über Glanz und Gloria läuft als über Rabattcodes, Apps und Partnerprogramme. Wer bei BP das „Earnify“-Programm nutzt, spart etwa fünf Cent pro Gallone. Prime-Kunden von Amazon bekommen an BP- und Amoco-Stationen sogar zehn Cent Rabatt, an manchen Freitagen zeitweise noch mehr. Exxon setzt stärker auf Punkte und Sonderrabatte bei Zahlung per Konto.
Alles zusammen klingt unerquicklich kleinteilig – ist aber inzwischen fast schon Pflichtprogramm. Denn der Satz eines US-Marktbeobachters bringt es auf den Punkt: „Niemand sollte den vollen Preis zahlen.“
Das ist vielleicht die eigentliche Pointe dieser Spritpreisphase: Nicht nur Benzin ist teuer geworden, auch normales Tanken ist in Amerika zu einer Art Coupon-Disziplin mutiert. Wer einfach vorfährt, zapft und bezahlt, benimmt sich inzwischen fast wie ein Luxusverbraucher.
Die strukturelle Wahrheit bleibt allerdings unerquicklich. Solange die geopolitische Lage angespannt bleibt und die Straße von Hormus als neuralgischer Engpass nicht dauerhaft stabil ist, werden die Energiepreise empfindlich bleiben. Selbst wenn sich die Schlagzeilen beruhigen, wirken solche Krisen an den Märkten mit Verzögerung nach. Raffinerien, Händler, Logistikketten – sie alle reagieren langsamer als Politiker twittern.
Für Verbraucher heißt das: Wer jetzt sparen will, muss nicht auf den großen Preissturz warten. Er muss kleinteilig denken. Vergleichen. Programme nutzen. Gewohnheiten ändern. Vielleicht auch einmal dort tanken, wo man sonst nicht tankt.
Es ist nicht glamourös. Aber in Zeiten von 4-Dollar-Benzin ist schon ein gesparter Zehner fast wieder eine kleine Steuerreform.

