Hormus dicht, Töne hart, Einigung fern: USA und Iran reden – und drohen weiter

Hormus dicht, Töne hart, Einigung fern: USA und Iran reden – und drohen weiter

Veröffentlicht

Sonntag, 19.04.2026
von Red. TB

Es ist wieder einmal diese besondere Art von Diplomatie, bei der beide Seiten betonen, wie „gut“ die Gespräche laufen, während parallel auf Schiffe geschossen wird. Im Konflikt zwischen den USA und Iran gibt es laut Teheran zwar „Fortschritte“ bei den Gesprächen über ein Ende des Kriegs – von einem Durchbruch kann aber keine Rede sein. Irans Parlamentspräsident und Chefunterhändler Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte, man sei von einer endgültigen Einigung noch „weit entfernt“.

Damit beschreibt er die Lage deutlich realistischer als US-Präsident Donald Trump, der im Oval Office einmal mehr von „sehr guten Gesprächen“ sprach. Zugleich machte Trump klar, dass Washington sich von Teheran nicht „erpressen“ lasse – schon gar nicht über die Straße von Hormus. Iran verhalte sich „ein bisschen süß“, sagte Trump, ganz so, als ginge es um einen Immobilien-Deal und nicht um einen militärisch brandgefährlichen Konflikt an einer der wichtigsten Handelsrouten der Welt.

Tatsächlich ist die Lage alles andere als entspannt. Die Straße von Hormus, durch die ein erheblicher Teil des weltweiten Öltransports läuft, ist nach einer kurzen Öffnung wieder dicht. Die Revolutionsgarden erklärten, die Passage bleibe gesperrt, solange die USA ihre Seeblockade gegen iranische Häfen nicht beenden. Teheran wertet die Blockade als Bruch der Bedingungen der zuvor vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe.

Washington wiederum denkt nicht daran, nachzugeben. Trump hatte bereits klargemacht, dass die US-Blockade „in vollem Umfang“ fortgesetzt werde, bis der „Deal“ mit Iran „zu 100 Prozent abgeschlossen“ sei. Das US-Militär spricht von massivem Druck auf Teheran: Seit Beginn der Blockade seien 23 Schiffe in der Nähe der Straße von Hormus zum Umkehren gezwungen worden. Offiziell heißt es sogar, der Seeverkehr von und nach Iran sei praktisch zum Erliegen gekommen. Ganz so wasserdicht scheint diese Darstellung allerdings nicht zu sein – laut BBC Verify haben mindestens vier Schiffe die Blockadelinie offenbar trotzdem passiert.

Wie fragil die Lage ist, zeigt auch die Eskalation auf See. Vor der Küste Omans wurde ein Tanker nach Angaben von Beobachtern von iranischen Schnellbooten beschossen. Andere Schiffe meldeten Treffer durch „unbekannte Geschosse“. Zwei unter indischer Flagge fahrende Schiffe sollen ebenfalls in einen Schusswechsel verwickelt gewesen sein. Die Hoffnung, die Straße von Hormus könne sich wenigstens als begrenzter Deeskalationsraum eignen, wirkt damit bereits wieder wie eine kurze Illusion.

Politisch bleiben beide Seiten bei Maximalpositionen. Iran betont, man kontrolliere die Meerenge und werde sie nur wieder öffnen, wenn die USA ihren wirtschaftlichen Würgegriff lockern. Washington will genau diesen Druck jedoch aufrechterhalten, um Teheran zu Zugeständnissen zu zwingen. Parallel heißt es aus Teheran, man prüfe derzeit neue amerikanische Vorschläge, habe aber noch nicht geantwortet.

Kurz gesagt: Es wird verhandelt, aber niemand will nachgeben.
Oder diplomatischer formuliert: Beide Seiten führen Gespräche, die aussehen wie Fortschritt, klingen wie Eskalation und sich anfühlen wie ein Countdown.

Denn die Waffenruhe läuft in wenigen Tagen aus. Und solange Trump von „Transaktionen“ spricht, Iran von „Erpressung“ und auf Handelsschiffe geschossen wird, bleibt vor allem eines klar: Ein Frieden ist nicht in Sicht – nur die nächste Runde des Nervenkriegs.

Bildnachweis:

PuppypawsAZ (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Sonntag, 19.04.2026

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