Ein Berater des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj wirft den USA vor, wichtige Informationen über bevorstehende russische Raketenangriffe nur noch unzuverlässig weiterzugeben. Dadurch seien Menschen ums Leben gekommen, sagte Serhij Beskrestnow, bekannt unter dem Namen „Flash“, der BBC. Das Weiße Haus bestreitet Änderungen beim Austausch nachrichtendienstlicher Informationen.
Nach Beskrestnows Darstellung erreichen Warnungen vor ballistischen Raketen die ukrainische Seite teilweise zu spät oder überhaupt nicht. Bei einem Angriff habe lediglich eine Minute zwischen der übermittelten Information und dem Einschlag gelegen. Eine nachvollziehbare Erklärung aus Washington fehle bislang.
Beskrestnow betonte allerdings, dass andere Formen der Zusammenarbeit fortgesetzt würden. Das Problem betreffe nach seiner Darstellung gezielt die Informationen für Luftangriffswarnungen. Seine Aussage, fehlende Warnungen hätten bereits Todesopfer gefordert, wird im vorliegenden Bericht nicht durch unabhängig überprüfte Einzelfälle belegt.
Selenskyj hatte zuvor erklärt, die Informationsweitergabe sei nach einer dreitägigen Unterbrechung wieder aufgenommen worden. Zugleich berichtete er am Montag von zwei nächtlichen Angriffen mit ballistischen Raketen auf die Hauptstadt: Bei einem habe es keine Warnung gegeben, beim anderen kaum Zeit, Schutz zu suchen.
US-Außenminister Marco Rubio widersprach der Darstellung einer Unterbrechung. Er verwies auf ein Softwareproblem im Frühwarnsystem einige Nächte zuvor. Auch ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte, die Zusammenarbeit beim Informationsaustausch sei unverändert.
Zusätzliche Spannungen entstehen durch Einschränkungen beim satellitengestützten Kommunikationssystem Starshield, das mit Starlink verbunden ist und für militärische Anwendungen eingesetzt wird. Laut Bericht wurde die Geschwindigkeit, bis zu der mobile Einheiten verbunden bleiben können, auf rund 160 Kilometer pro Stunde begrenzt. Beskrestnow zufolge beeinträchtigt dies unter anderem Drohneneinsätze und die Abwehr russischer Angriffe.
Elon Musk hatte erklärt, die US-Regierung kontrolliere letztlich den Zugang zu Starshield. Präsident Donald Trump bestreitet eine Beteiligung an den Einschränkungen. Wer die beschriebenen Begrenzungen veranlasst hat und weshalb, bleibt nach dem vorliegenden Bericht ungeklärt.
Beskrestnow vermutet politischen Druck auf die Ukraine, um Zugeständnisse in Verhandlungen mit Russland zu erreichen. Belege für eine solche gezielte Einflussnahme nennt der Bericht jedoch nicht. Die ukrainische Seite prüfe inzwischen alternative Kommunikationssysteme, um ihre Abhängigkeit zu verringern.
Der Konflikt fällt in eine Phase verschlechterter Beziehungen zwischen Washington und Kyjiw. Für zusätzlichen Streit sorgt ein amerikanisches Abkommen über russische Ölimporte.
Während die Regierungen über Warnsysteme und Zuständigkeiten streiten, dauern die russischen Angriffe an. Ukrainischen Behörden zufolge wurden am Montagabend bei einem Drohnenangriff nahe einem Parkcafé in der Region Charkiw mindestens sechs Menschen getötet, darunter zwei Kinder. Weitere 14 Menschen seien verletzt worden.


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