Nepal erneut von schweren Erdrutschen getroffen – Hunderte Trekker aus Himalaya-Region ausgeflogen

Nepal erneut von schweren Erdrutschen getroffen – Hunderte Trekker aus Himalaya-Region ausgeflogen

Veröffentlicht

Donnerstag, 01.10.2026
von Red. TB

Nepal wird nur wenige Wochen nach der verheerenden Flutkatastrophe im August erneut von schweren Unwettern getroffen. Heftige Regenfälle und zahlreiche Erdrutsche haben nach Angaben der nationalen Katastrophenschutzbehörde rund 30 Menschen das Leben gekostet. Mehr als 1.900 Familien sind seit Ende vergangener Woche betroffen, über 240 Häuser wurden beschädigt. Straßen, Brücken und Gebäude wurden von Wassermassen und Erdrutschen zerstört oder mitgerissen.

Besonders betroffen sind mehrere Regionen im Himalaya. Auch der für den Tourismus wichtige Annapurna Circuit wurde schwer getroffen. Hunderte Trekker mussten ihre Wanderungen abbrechen und in Sicherheit gebracht werden. Viele wurden mit Hubschraubern aus den Distrikten Manang und Mustang ausgeflogen.

Der Annapurna Circuit gehört zu den bekanntesten Trekkingrouten Nepals und ist ein wichtiger Bestandteil der dortigen Tourismuswirtschaft. Normalerweise dauert eine vollständige Tour bis zu drei Wochen. Nun sind einzelne Abschnitte wegen zerstörter Straßen, weggespülter Brücken, Erdrutschen und starkem Schneefall kaum noch passierbar.

Viele Wanderer berichten von äußerst schwierigen Rückwegen.

Der 21-jährige Brite Jake Stacy war gemeinsam mit seinem nepalesischen Bergführer im Gebiet von Yak Kharka im oberen Manang gestrandet. Wegen heftigen Schneefalls entschieden beide, nicht weiter in Richtung des Thorong-La-Passes aufzusteigen, dem höchsten Punkt des Rundwegs.

Auf dem Rückweg mussten sie teilweise eigene Wege über steile Berghänge suchen.

Stacy berichtete, dass der Untergrund extrem schlammig und nass gewesen sei. Unterhalb der von ihnen genutzten Strecke habe sich ein Fluss befunden. Zahlreiche andere Trekker seien per Hubschrauber ausgeflogen worden.

Auch der Australier Andrew Graham und sein Führer Prem KC schilderten eine gefährliche Rückkehr aus der Region.

Sie mussten nach eigenen Angaben mehr als 15 Erdrutsche überqueren.

Als sie das Dorf Chame erreichten, war dieses wegen akuter Erdrutschgefahr bereits evakuiert worden. Die beiden mussten schließlich eine Nacht im Wald verbringen.

In Chame hat ein großer Erdrutsch einen Fluss teilweise blockiert. Dadurch bildete sich vorübergehend ein See, der Häuser und eine wichtige Brücke überflutete.

Die Behörden versuchen seit mehreren Tagen, das aufgestaute Wasser mithilfe von Baggern kontrolliert abzulassen. Nach Angaben von Einwohnern waren diese Bemühungen bislang allerdings nur begrenzt erfolgreich.

Auch andere Trekkinggruppen berichten von extrem schwierigen Bedingungen.

Die nepalesische Bergführerin Tse Ring Doma erklärte, ihre Gruppe habe auf dem Rückweg insgesamt 28 Erdrutsche passieren müssen.

Besonders belastend sei dabei nicht nur die körperliche Anstrengung gewesen.

Nach der schweren Katastrophe im August sei auch die psychische Belastung enorm gewesen. Selbst Donner habe bei der Gruppe Angst ausgelöst, weil ständig mit neuen Erdrutschen gerechnet worden sei.

Ihre norwegische Kundin Ellen Wahlström hob hervor, dass ausländische Besucher trotz aller Schwierigkeiten letztlich in einer privilegierten Situation seien.

Touristen könnten ihre Reise abbrechen und notfalls Gepäck zurücklassen.

Die einheimische Bevölkerung hingegen riskiere, Häuser, Felder und ihre gesamte wirtschaftliche Existenz zu verlieren.

Gleichzeitig lobte sie die Geschwindigkeit, mit der die nepalesischen Behörden vielerorts versuchten, verschüttete Straßen und Wege wieder freizuräumen.

In den betroffenen Trekkingregionen selbst wurden nach Angaben der lokalen Verwaltung bislang keine Todesfälle registriert.

Allerdings kam es in der Nähe des Himlung Peak nahe der Grenze zu Tibet zu einer weiteren schweren Katastrophe.

Nach einem Lawinenabgang wurden vier Leichen geborgen. Zwölf Menschen galten weiterhin als vermisst.

Die Situation bleibt deshalb angespannt.

Rund 700 Trekker warten nach Angaben des Annapurna Conservation Area Project derzeit noch in Pokhara darauf, überhaupt in Richtung Annapurna Circuit aufzubrechen.

Die zuständigen Behörden halten diese Gruppen derzeit zurück.

Vertreter der Trekkingbranche drängen offenbar darauf, die Route möglichst bald wieder freizugeben. Die lokale Naturschutz- und Trekkingverwaltung zeigt sich jedoch zurückhaltend.

Solange Straßen zerstört sind, Brücken fehlen und weitere Erdrutsche drohen, soll die Route nicht vorschnell geöffnet werden.

Auch Pilger sind von den Unwettern betroffen.

Indische Besucher, die häufig den bedeutenden hinduistischen Tempel Muktinath besuchen, wurden aufgefordert, von Jomsom nach Pokhara zu fliegen, anstatt die Rückreise auf dem Landweg anzutreten.

Grund dafür sind unterbrochene Straßenverbindungen.

Besonders problematisch ist, dass viele ältere Wanderwege auf dem Annapurna Circuit in den vergangenen Jahren kaum noch genutzt wurden.

Mit dem Ausbau der Straßen waren zahlreiche traditionelle Pfade weitgehend bedeutungslos geworden.

Nun greifen Trekker wieder auf diese alten Routen zurück, weil moderne Straßen an mehreren Stellen weggespült oder durch Erdrutsche blockiert wurden.

Für Nepal kommt die neue Unwetterlage zu einem besonders schwierigen Zeitpunkt.

Erst im August hatte das Land eine der schwersten Naturkatastrophen seiner jüngeren Geschichte erlebt.

Damals kamen rund 1.400 Menschen ums Leben, Tausende weitere wurden als vermisst gemeldet.

Viele Familien haben ihre Häuser und ihre Lebensgrundlage verloren.

Ein Teil der Betroffenen lebt noch immer in provisorischen Zelten.

Nun treffen neue Regenfälle und Erdrutsche erneut genau jene Regionen und Menschen, die sich von der vorherigen Katastrophe noch längst nicht erholt haben.

In der Stadt Battar nordwestlich von Kathmandu schilderten Betroffene ihre schwierige Lage.

Eine Frau berichtete, ihre frühere Unterkunft sei vollständig zerstört worden. Zahlreiche Angehörige habe sie verloren.

Andere leben weiterhin in Notunterkünften, die selbst vor dem erneuten Regen kaum Schutz bieten.

Die neuen Unwetter zeigen erneut, wie verwundbar Nepal gegenüber extremen Wetterereignissen ist.

Das gebirgige Gelände, instabile Hänge, starke Niederschläge und abgelegene Siedlungen machen Rettungs- und Wiederaufbauarbeiten besonders schwierig.

Gleichzeitig steht für das Land wirtschaftlich viel auf dem Spiel.

Der Trekking- und Bergtourismus gehört zu den wichtigsten Einnahmequellen Nepals.

Eine längerfristige Sperrung des Annapurna Circuit und anderer Trekkinggebiete könnte deshalb erhebliche wirtschaftliche Folgen für Hotels, Bergführer, Träger, Restaurants und Transportbetriebe haben.

Für die Behörden steht derzeit jedoch die Sicherheit im Vordergrund.

Solange weitere Regenfälle drohen und zahlreiche Verkehrswege beschädigt sind, dürfte eine schnelle Rückkehr zum normalen Trekkingbetrieb kaum möglich sein.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob sich die Wetterlage stabilisiert oder Nepal erneut mit weiteren Erdrutschen und Überschwemmungen rechnen muss.

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Bildnachweis:

wholesome_manik (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 01.10.2026

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