FMA warnt vor Solvancy Finanz: Rechtsanwalt Korisek erklärt, wie sich Betroffene vor unseriösen Kreditangeboten schützen können

FMA warnt vor Solvancy Finanz: Rechtsanwalt Korisek erklärt, wie sich Betroffene vor unseriösen Kreditangeboten schützen können

Veröffentlicht

Mittwoch, 23.09.2026
von Red. TB

Interviewer: Herr Rechtsanwalt Korisek, die österreichische Finanzmarktaufsicht warnt aktuell vor Solvancy Finanz. Was genau steckt hinter dieser Warnung?

Rechtsanwalt Korisek: Die FMA hat festgestellt, dass Solvancy Finanz nicht über die erforderliche Berechtigung verfügt, in Österreich konzessionspflichtige Bankgeschäfte anzubieten. Das betrifft insbesondere den Abschluss von Kreditverträgen und die Gewährung von Gelddarlehen. Für Verbraucher ist das ein ernst zu nehmendes Warnsignal. Wer bereits Kontakt mit diesem Anbieter hatte, sollte zunächst von weiteren Zahlungen absehen und prüfen, ob möglicherweise ein finanzieller Schaden entstanden ist. Wichtig ist allerdings, dass eine aufsichtsrechtliche Warnung nicht automatisch bedeutet, dass im konkreten Fall bereits ein strafrechtlicher Betrug nachgewiesen wurde.

Interviewer: Viele Menschen suchen im Internet nach schnellen und unkomplizierten Krediten. Woran lässt sich erkennen, ob ein Kreditangebot möglicherweise unseriös ist?

Rechtsanwalt Korisek: Ein besonders auffälliges Warnsignal ist die Forderung nach Vorauszahlungen. Wenn ein Anbieter zunächst Bearbeitungsgebühren, Versicherungsprämien oder angebliche Freischaltungskosten verlangt, bevor ein versprochener Kredit ausgezahlt wird, sollten Verbraucher äußerst vorsichtig sein. Das gilt insbesondere dann, wenn Kredite ohne nachvollziehbare Bonitätsprüfung zugesagt werden oder der Anbieter auf eine sofortige Zahlung drängt. Auch fehlende oder widersprüchliche Unternehmensangaben können ein Hinweis darauf sein, dass mit dem Angebot etwas nicht stimmt.

Interviewer: Wie können Verbraucher überprüfen, ob ein Finanzanbieter tatsächlich über die erforderliche Zulassung verfügt?

Rechtsanwalt Korisek: Der erste Schritt sollte immer die Überprüfung des Unternehmens bei der zuständigen Finanzaufsichtsbehörde sein. In Österreich bietet die FMA entsprechende Informationsmöglichkeiten an. Verbraucher sollten dabei nicht nur nach dem Unternehmensnamen suchen, sondern auch prüfen, ob die angegebene Internetadresse tatsächlich zu dem zugelassenen Unternehmen gehört. Betrüger können Namen, Anschriften und andere Angaben existierender Unternehmen missbräuchlich verwenden. Ein professioneller Internetauftritt oder ein scheinbar offizielles Dokument ist deshalb noch kein Nachweis für die Seriosität eines Anbieters.

Interviewer: Was sollten Betroffene unternehmen, wenn sie bereits Geld an Solvancy Finanz überwiesen haben?

Rechtsanwalt Korisek: In einem solchen Fall ist schnelles Handeln besonders wichtig. Betroffene sollten unverzüglich ihre Bank kontaktieren und klären, ob die betreffende Überweisung noch gestoppt oder zurückgerufen werden kann. Gleichzeitig sollten sie sämtliche weiteren Zahlungen einstellen. Häufig werden bei zweifelhaften Kreditangeboten immer neue Gebühren verlangt, beispielsweise für die angebliche Freigabe eines Kredits. Betroffene sollten sich auf solche Forderungen nicht einlassen. Außerdem ist es wichtig, alle vorhandenen Beweismittel zu sichern. Dazu gehören insbesondere Kontoauszüge, Überweisungsbelege, Kreditverträge, E-Mails und sämtliche Nachrichten, die mit dem Anbieter ausgetauscht wurden.

Interviewer: Sollte man in einer solchen Situation auch Strafanzeige erstatten?

Rechtsanwalt Korisek: Wenn konkrete Anhaltspunkte für einen Betrug bestehen, ist eine Strafanzeige grundsätzlich sinnvoll. Betroffene sollten den Ermittlungsbehörden möglichst umfassend schildern, wie der Kontakt zustande gekommen ist, welche Versprechungen gemacht wurden und welche Zahlungen erfolgt sind. Auch vermeintlich unwichtige Informationen können für die Ermittlungen von Bedeutung sein. Dazu gehören Telefonnummern, E-Mail-Adressen, Kontoverbindungen und gespeicherte Chatverläufe. Eine Strafanzeige führt allerdings nicht automatisch dazu, dass das verlorene Geld zurückgezahlt wird. Dafür müssen mögliche zivilrechtliche Ansprüche gesondert geprüft werden.

Interviewer: Welche rechtlichen Möglichkeiten haben Geschädigte, um ihr Geld zurückzubekommen?

Rechtsanwalt Korisek: Das hängt immer von den Umständen des jeweiligen Einzelfalls ab. Zunächst muss festgestellt werden, an wen das Geld tatsächlich überwiesen wurde und ob sich die verantwortlichen Personen oder Unternehmen identifizieren lassen. Je nach Sachverhalt können beispielsweise Rückforderungs- oder Schadenersatzansprüche bestehen. Auch die Frage, ob beteiligte Dritte rechtlich in Anspruch genommen werden können, muss gegebenenfalls untersucht werden. Eine erfolgreiche Rückforderung lässt sich allerdings nicht garantieren. Gerade bei grenzüberschreitenden Sachverhalten oder unbekannten Zahlungsempfängern kann die Durchsetzung von Ansprüchen mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden sein.

Interviewer: Manche Betroffene haben nicht nur Geld überwiesen, sondern auch Ausweiskopien, Gehaltsnachweise oder ihre Bankdaten übermittelt. Welche Gefahren bestehen hier?

Rechtsanwalt Korisek: Die Weitergabe persönlicher Daten kann zusätzliche Risiken mit sich bringen. Wenn sensible Informationen in die falschen Hände geraten, besteht die Gefahr eines Identitätsmissbrauchs. Betroffene sollten daher genau dokumentieren, welche Unterlagen und Informationen sie übermittelt haben. Wurden Bankdaten oder Zugangsdaten weitergegeben, sollte unverzüglich die eigene Bank informiert werden. Gegebenenfalls müssen Passwörter geändert, Zugänge gesperrt oder weitere Sicherheitsmaßnahmen getroffen werden. Besteht der Verdacht, dass persönliche Daten bereits missbräuchlich verwendet wurden, sollte auch dies bei einer Strafanzeige angegeben werden.

Interviewer: Immer wieder werden Menschen, die bereits Opfer eines mutmaßlichen Anlage- oder Kreditbetrugs geworden sind, von angeblichen Rückholunternehmen kontaktiert. Was halten Sie von solchen Angeboten?

Rechtsanwalt Korisek: Hier ist besondere Vorsicht geboten. Es kommt vor, dass Geschädigte erneut kontaktiert werden und ihnen versprochen wird, bereits verlorenes Geld gegen Zahlung einer weiteren Gebühr zurückzuholen. Die Kontaktaufnahme erfolgt teilweise durch Personen, die sich als Rechtsanwälte, Ermittler oder Mitarbeiter von Behörden ausgeben. Betroffene sollten deshalb niemals ungeprüft weitere Zahlungen leisten. Die Identität und die berufliche Zulassung eines vermeintlichen Rechtsanwalts sollten unabhängig überprüft werden. Wer bereits einen finanziellen Schaden erlitten hat, sollte sich nicht durch unrealistische Rückzahlungsversprechen zu weiteren Überweisungen verleiten lassen.

Interviewer: Ab welchem Zeitpunkt empfehlen Sie Betroffenen, anwaltliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen?

Rechtsanwalt Korisek: Eine frühzeitige anwaltliche Beratung kann insbesondere dann sinnvoll sein, wenn bereits größere Geldbeträge überwiesen wurden oder unklar ist, welche rechtlichen Schritte möglich sind. Ein Rechtsanwalt kann den Sachverhalt prüfen, vorhandene Unterlagen auswerten und mögliche Ansprüche beurteilen. Dabei muss allerdings auch berücksichtigt werden, ob die Durchsetzung solcher Ansprüche wirtschaftlich sinnvoll erscheint. Nicht jeder rechtlich bestehende Anspruch kann tatsächlich erfolgreich vollstreckt werden. Deshalb ist es wichtig, die Erfolgsaussichten und die möglichen Kosten eines weiteren Vorgehens sorgfältig gegeneinander abzuwägen.

Interviewer: Was raten Sie Verbrauchern, die derzeit mit Solvancy Finanz in Kontakt stehen und möglicherweise bereits einen Kreditvertrag abgeschlossen haben?

Rechtsanwalt Korisek: Wer aktuell mit Solvancy Finanz in Kontakt steht, sollte die Warnung der FMA unbedingt berücksichtigen und vorerst keine weiteren Zahlungen leisten. Bereits unterzeichnete Vertragsunterlagen und die gesamte bisherige Kommunikation sollten sorgfältig aufbewahrt werden. Insbesondere sollten Verbraucher keine zusätzlichen Gebühren überweisen, nur weil ihnen andernfalls die Auszahlung eines versprochenen Kredits verweigert wird. Ob und welche rechtlichen Verpflichtungen aus einem bereits abgeschlossenen Vertrag tatsächlich bestehen, sollte im Einzelfall geprüft werden.

Interviewer: Herr Rechtsanwalt Korisek, was ist Ihr abschließender Rat an Menschen, die befürchten, durch ein unseriöses Kreditangebot geschädigt worden zu sein?

Rechtsanwalt Korisek: Entscheidend ist, möglichst schnell und überlegt zu handeln. Betroffene sollten keine weiteren Zahlungen leisten, ihre Bank informieren und sämtliche Beweismittel sichern. Besteht ein konkreter Betrugsverdacht, sollte Strafanzeige erstattet werden. Darüber hinaus kann eine anwaltliche Prüfung helfen, mögliche Rückforderungs- und Schadenersatzansprüche festzustellen. Grundsätzlich empfehle ich jedem Verbraucher, vor Abschluss eines Kreditvertrags die Identität und Zulassung des Anbieters zu überprüfen. Gerade bei vermeintlich besonders günstigen oder unkomplizierten Kreditangeboten ist besondere Aufmerksamkeit geboten.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

Peggy_Marco (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 23.09.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv