Manche sammeln Treuepunkte im Supermarkt. Andere Flugmeilen. Eine 27-Jährige in Australien soll sich laut Polizei für eine etwas ungewöhnlichere Variante entschieden haben: Strafpunkte. Und zwar offenbar im Großhandel.
1266 Verkehrsverstöße sollen zwischen 2022 und Juni 2026 auf ihren Namen gelaufen sein.
Das Ergebnis:
rund 1150 Strafpunkte.
Damit dürfte endgültig geklärt sein, dass es beim australischen Verkehrsamt leider keine Gratis-Kaffeemaschine nach dem tausendsten Punkt gibt.
Punktehandel statt Payback
Nach Angaben der Ermittler soll die Frau ihre Dienste über soziale Medien angeboten haben.
Das Geschäftsmodell klingt ungefähr so:
Du bist zu schnell gefahren?
Kein Problem.
Rote Ampel?
Auch kein Problem.
Dein Führerschein schaut dich schon an und flüstert: „Mach’s gut“?
Offenbar ebenfalls kein Problem.
Gegen Geld soll die 27-Jährige die Verstöße anderer Autofahrer auf ihren eigenen Namen übernommen haben.
Eine Art Punkte-Taxi also.
Nur ohne Taxi.
Und mit deutlich mehr Post von Behörden.
620.000 Dollar Bußgeld – da freut sich das Haushaltsbuch
Die dazugehörigen Bußgelder sollen sich laut Polizei auf rund 620.000 australische Dollar summiert haben.
Das ist eine Summe, bei der die meisten Menschen spätestens beim Öffnen des Briefkastens anfangen würden, ihren Namen zu ändern und nach Neuseeland auszuwandern.
Wie viel Geld die Frau mit dem mutmaßlichen Geschäft verdient haben soll, ist bislang nicht bekannt.
Man kann allerdings vermuten:
Wenn auf der Einnahmenseite weniger steht als 620.000 Dollar, war das Geschäftsmodell zumindest aus kaufmännischer Sicht ausbaufähig.
1150 Punkte – Führerschein sagt leise Servus
Besonders heikel ist laut Ermittlern, dass zahlreiche Fahrer ihren Führerschein eigentlich hätten verlieren müssen.
Durch die mutmaßliche Übernahme der Verstöße konnten sie offenbar weiterfahren.
Was natürlich beruhigend ist.
Vor allem für alle anderen Verkehrsteilnehmer.
Denn wenn jemand so oft auffällig fährt, dass der Führerschein bereits innerlich den Koffer packt, denkt man sich natürlich:
Den brauchen wir unbedingt weiter auf der Straße.
Dann klingelte die Polizei
Am Donnerstag war offenbar Schluss mit dem Punktesammeln.
Die Frau wurde festgenommen und wegen Betrugs angeklagt.
Noch am selben Tag musste sie vor Gericht erscheinen und kam zunächst in Untersuchungshaft.
Damit endete das vermeintliche Kundenbindungsprogramm etwas anders als bei gewöhnlichen Bonuskarten.
Statt:
„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben 1000 Punkte erreicht!“
hieß es sinngemäß:
„Herzlichen Glückwunsch, hier ist Ihr Gerichtstermin.“
Und die Kunden?
Auch für die mutmaßlichen Auftraggeber könnte es ungemütlich werden.
Die Polizei kündigte an, weitere Beteiligte zu untersuchen.
Wer also jahrelang geglaubt haben sollte, seine Verkehrsverstöße seien einfach auf magische Weise verschwunden, könnte demnächst feststellen:
Magie hat häufig Aktenzeichen.
Ein ähnlicher Fall soll bereits 2024 in Australien aufgetaucht sein. Damals habe ein Mann mehr als 200 Verkehrsverstöße und rund 695 Strafpunkte anderer Fahrer übernommen.
Australien scheint also möglicherweise eine neue Extremsportart entdeckt zu haben:
professionelles Falschparken für andere.
Auch Deutschland hat inzwischen nachgelegt
Seit Juli 2026 können nach dem Bericht auch in Deutschland Punktehändler, Vermittler und Auftraggeber mit Bußgeldern von bis zu 30.000 Euro belangt werden.
Was zeigt:
Wer unbedingt Punkte sammeln möchte, sollte vielleicht doch wieder auf die klassische Methode zurückgreifen.
Supermarkt.
Tankstelle.
Kreditkarte.
Fast alles ist günstiger als 1150 Strafpunkte.
Und deutlich einfacher zu erklären, wenn irgendwann jemand fragt:
„Was haben Sie eigentlich die letzten vier Jahre gemacht?“
„Ich hatte ein Bonusprogramm.“
„Welches?“
„Verkehrsrecht.“


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