Ist das nicht Präsidentenbeleidigung? Fed erhöht einfach die Zinsen

Ist das nicht Präsidentenbeleidigung? Fed erhöht einfach die Zinsen

Veröffentlicht

Donnerstag, 17.09.2026
von Red. TB

Donald Trump möchte niedrigere Zinsen. Die US-Notenbank macht das Gegenteil. Und ausgerechnet Kevin Warsh, den Trump selbst an die Spitze der Fed geholt hat, erhöht nun den Leitzins. In anderen Ländern nennt man das unabhängige Geldpolitik. In Washington könnte man es derzeit fast für Majestätsbeleidigung halten.

Da ist etwas schiefgelaufen.

Donald Trump wollte niedrigere Zinsen.

Er sagte das oft.

Sehr oft.

Eigentlich so oft, dass man meinen könnte, die Federal Reserve müsse irgendwann verstanden haben, was der Präsident von ihr erwartet.

Und was macht die Fed?

Sie erhöht die Zinsen.

Um 0,25 Prozentpunkte.

Auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent.

Man möchte spontan fragen:

Darf die das überhaupt?

Ja.

Das ist sogar der Sinn der Sache.

Aber irgendwie wirkt dieses Konzept im politischen Washington des Jahres 2026 geradezu exotisch.

Kevin, so war das nicht besprochen!

Besonders pikant ist der Mann, der die Entscheidung vertreten muss:

Kevin Warsh.

Trump hatte ihn selbst für den Vorsitz der Federal Reserve ausgewählt.

Warsh übernahm im Mai.

Trump hatte bei seiner Nominierung die Erwartung erkennen lassen, dass unter Warsh die Zinsen sinken würden.

Man kann sich die Situation ungefähr vorstellen wie bei einem Fußballverein.

Der Präsident verpflichtet einen neuen Trainer.

„Endlich einer, der offensiv spielen lässt!“

Erstes Spiel.

Trainer stellt fünf Verteidiger auf.

Kevin!

Wir müssen reden.

Leider gibt es da noch diese Inflation

Warsh hat allerdings ein ziemlich unangenehmes Argument auf seiner Seite.

Die Inflation.

Die Verbraucherpreise lagen im August 3,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor. Das Inflationsziel der Fed liegt bei zwei Prozent. Hinzu kommen hohe Energiepreise, Auswirkungen von Zöllen und weitere Preistreiber.

Für eine Zentralbank ist das ungefähr der Moment, in dem sie den Werkzeugkasten öffnet und feststellt:

Da liegt schon wieder der Zinshammer.

Ein höherer Leitzins verteuert Kredite.

Unternehmen investieren vorsichtiger.

Immobilienfinanzierungen werden teurer.

Konsum auf Pump wird unattraktiver.

Die Wirtschaft soll sich etwas abkühlen – und damit idealerweise auch der Preisauftrieb.

Das Problem:

Genau das will ein Präsident meistens nicht unbedingt kurz vor Kongresswahlen.

Trump hätte es gerne andersherum

Trump fordert seit Langem niedrigere Zinsen.

Seine Logik ist politisch durchaus leicht verständlich:

Niedrige Zinsen machen Kredite günstiger, können Investitionen anschieben und die Wirtschaft stimulieren.

Wunderbar.

Nur können niedrige Zinsen bei hartnäckiger Inflation eben auch wirken wie ein freundlicher Gruß an die nächste Preisrunde.

Die Fed hat deshalb heute beschlossen:

Danke, aber nein danke.

Bemerkenswert dabei: Die Entscheidung fiel einstimmig. Und die neuen Projektionen der Notenbanker deuten sogar darauf hin, dass die heutige Erhöhung möglicherweise nicht die letzte war. 16 von 18 Entscheidungsträgern rechnen für dieses Jahr mit mindestens einem weiteren Zinsschritt nach oben.

Donald Trump dürfte bei dieser Grafik vermutlich nicht sofort nach einem größeren Bilderrahmen suchen.

Warsh beweist ausgerechnet mit einer Zinserhöhung seine Unabhängigkeit

Für Kevin Warsh ist die Situation fast schon komisch.

Vor seinem Amtsantritt gab es Zweifel, ob der von Trump ausgewählte Fed-Chef gegenüber dem Weißen Haus wirklich unabhängig auftreten würde.

Nun beantwortet er diese Frage auf eine ziemlich eindeutige Weise:

Trump möchte runter.

Warsh geht rauf.

Deutlicher kann man institutionelle Unabhängigkeit kaum auf eine PowerPoint-Folie schreiben.

Die Zinserhöhung dürfte deshalb zumindest vorläufig Zweifel abschwächen, Warsh könnte aus Rücksicht auf Trump auf eine notwendige Straffung verzichten.

Dabei wollte Trump doch einen Zinssenker

Das Ganze besitzt eine gewisse politische Ironie.

Trump tauscht den Fed-Chef aus.

Trump möchte niedrigere Zinsen.

Trump bekommt Kevin Warsh.

Und Kevin Warsh sagt sinngemäß:

Die Inflation ist zu hoch.

Also erhöhen wir die Zinsen.

Das ist ein bisschen so, als würde man einen neuen Hausmeister einstellen, weil einem der alte ständig die Heizung heruntergedreht hat.

Der Neue kommt.

Schaut aufs Thermometer.

Und dreht sie noch weiter runter.

Präsidentenbeleidigung?

Natürlich nicht.

Der Fed-Vorsitzende ist nicht dafür da, dem Präsidenten geldpolitische Geburtstagswünsche zu erfüllen.

Genau deshalb ist die Unabhängigkeit einer Zentralbank so wichtig.

Zinsentscheidungen sollen sich an Inflation, Beschäftigung, Konjunktur und Finanzstabilität orientieren – nicht daran, welcher Zinssatz sich im Oval Office gerade besser anhört.

Aber politisch ist die heutige Entscheidung trotzdem bemerkenswert.

Denn ausgerechnet Trumps eigener Kandidat liefert ihm nun das Gegenteil dessen, was er sich von der Geldpolitik erhofft hatte.

Trump: Zinsen runter!

Fed: Zinsen rauf!

Trump: Kevin?

Warsh: Inflation.

Trump: Aber Kevin …

Warsh: 3,75 bis 4 Prozent.

Willkommen bei unabhängiger Geldpolitik.

Oder, wie man es im Weißen Haus möglicherweise bald nennen könnte:

Undankbarkeit mit Leitzins.

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geralt (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Donnerstag, 17.09.2026

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