Neun Monate auf einem Flugzeugträger – jetzt darf die Besatzung der „USS Abraham Lincoln“ in Thailand endlich an Land
Nach rund 250 Tagen auf See dürfte selbst ein ganz normaler Einkaufsbummel wie Urlaub wirken. Für Tausende US-Matrosen der „USS Abraham Lincoln“ wurde genau das jetzt Realität: Der amerikanische Flugzeugträger legte in Thailand an und bescherte seiner Besatzung eine langersehnte Pause vom Leben auf dem Kriegsschiff.
Fast 5.000 Besatzungsmitglieder kamen nach Pattaya – eine Stadt, die für Strände, Einkaufszentren und vor allem ihr ziemlich ausgelassenes Nachtleben bekannt ist.
Doch wer erwartet hatte, dass die Seeleute unmittelbar nach dem Landgang die Bars stürmen würden, wurde zunächst überrascht.
Viele gingen erst einmal shoppen.
Nach neun Monaten auf See erst einmal ins Einkaufszentrum
Im Hard Rock Hotel, einem der Hotels, in denen Besatzungsmitglieder während ihres Aufenthalts untergebracht werden konnten, waren zahlreiche Matrosen mit ihren frisch erworbenen Einkäufen zu sehen.
Nach Monaten zwischen Stahlwänden, engen Kabinen und Tausenden anderen Menschen hatte offenbar selbst ein Besuch im Einkaufszentrum seinen Reiz.
Die „USS Abraham Lincoln“ war rund neun Monate unterwegs. Ein Besatzungsmitglied schilderte, wie eintönig das Leben an Bord nach einer derart langen Zeit werden kann. Selbst ein riesiger Flugzeugträger fühle sich irgendwann einfach nur noch wie ein Schiff an – vor allem dann, wenn man ihn mit Tausenden anderen Menschen teilen müsse.
Pattayas Geschäftsleute hatten auf zahlungskräftige Gäste gehofft
Für Pattaya kam der Besuch der Amerikaner durchaus gelegen.
Die Tourismusbranche der Stadt hatte zuletzt unter den Auswirkungen des Konflikts im Nahen Osten gelitten. Nun hofften Restaurants, Geschäfte und Bars auf einen kräftigen Umsatzschub.
Schließlich kamen da Tausende Seeleute an Land, die während ihrer monatelangen Mission nur begrenzte Möglichkeiten gehabt hatten, ihr Gehalt auszugeben.
Entsprechend deutlich fiel der Empfang aus: An der berühmten Walking Street begrüßte ein großes beleuchtetes Schild die Besatzung des amerikanischen Flugzeugträgers.
Nachts wurde es dann doch feuchtfröhlich
Spätestens am Abend zeigte Pattaya allerdings das Gesicht, für das die Stadt weltweit bekannt ist: Neonlicht, Musik und unzählige Bars.
Alkohol floss reichlich. Nach dem Bericht waren gegen Mitternacht einige der jüngeren Matrosen bereits so betrunken, dass sie sich gegenseitig stützen mussten.
Andere wagten sich vorsichtig in die Go-go-Bars der Stadt.
Einen deutlichen Hinweis hatten die Seeleute allerdings vorher bekommen: Die Sexindustrie ist für sie tabu. Prostitution ist in Thailand offiziell illegal.
Damit die Regeln auch an Land eingehalten werden, waren Mitglieder einer sogenannten Shore Liaison Group in Pattaya unterwegs. Ihre Aufgabe ist es unter anderem, auf die Besatzungsmitglieder zu achten, die Disziplin während des Landgangs zu unterstützen und mit den örtlichen Behörden zusammenzuarbeiten.
Die große Geldflut blieb offenbar zunächst aus
Bei den örtlichen Geschäftsleuten war die Freude über den amerikanischen Besuch dennoch nicht uneingeschränkt.
Restaurantbesitzer berichteten zwar von deutlich mehr Leben in der Stadt. Ein Gastronom erklärte, dass das Geschäft zuvor ausgesprochen schleppend gelaufen sei und die amerikanischen Seeleute nun für neue Aufmerksamkeit sorgten.
Eine Barbesitzerin zeigte sich dagegen enttäuscht. Viele Matrosen würden lediglich durch die Straßen laufen, anstatt in den Bars tatsächlich Geld auszugeben. Im Vergleich zu früheren Besuchen amerikanischer Soldaten sei der Umsatz offenbar geringer.
Vielleicht war nach 250 Tagen auf See eben nicht die nächste Bar das Wichtigste.
Hinter der ausgelassenen Stimmung steckt eine harte Mission
Der Aufenthalt in Thailand ist für die Besatzung mehr als ein gewöhnlicher Zwischenstopp.
Die „USS Abraham Lincoln“ kommt von einem langen Einsatz im Zusammenhang mit den Kampfhandlungen gegen Iran. Über Einzelheiten der Bedingungen an Bord sprechen die Besatzungsmitglieder allerdings kaum.
Einige Seeleute lehnten Gespräche mit Journalisten vollständig ab, andere verwiesen bei Fragen an die zuständigen Medienteams der US Navy.
Auch bei den Familien in den USA hinterließ die lange Mission Spuren.
Die Mutter einer 25-jährigen Matrosin berichtete, dass die Moral während der vergangenen Monate zeitweise niedrig gewesen sei. Besonders die Phase nach Beginn der Kampfhandlungen im Nahen Osten sei von Unsicherheit und Angst geprägt gewesen.
Pattaya liegt praktisch auf dem Heimweg
Dass ausgerechnet Pattaya für die Pause ausgewählt wurde, ist kein Zufall.
Thailand ist ein langjähriger Verbündeter der Vereinigten Staaten. Hafenbesuche der US Navy sind dort Routine und die entsprechenden Abläufe zwischen Militär und örtlichen Behörden seit Langem etabliert.
Zudem liegt Thailand günstig auf der Route vom Golf zurück Richtung Kalifornien.
Für die Besatzung bedeutet der Aufenthalt deshalb vor allem eines: noch einmal festen Boden unter den Füßen, bevor die lange Heimreise weitergeht.
Nach 250 Tagen auf einem schwimmenden Militärstützpunkt können dabei offenbar schon ganz gewöhnliche Dinge besonders wertvoll werden: durch ein Einkaufszentrum laufen, am Strand sitzen, etwas essen – oder einfach für ein paar Stunden vergessen, dass das eigene Zuhause seit neun Monaten aus grauem Stahl besteht.


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