Bei der österreichischen Polizei wird künftig nicht nur ermittelt, kontrolliert und protokolliert – jetzt wird auch neu gerechnet.
Ab morgen startet in fünf Bezirken die Testphase für ein neues Dienstzeitmanagement. Und weil viele Polizistinnen und Polizisten befürchteten, dass sie am Ende zwar moderner arbeiten, aber dafür weniger verdienen könnten, hat Innenminister Gerhard Karner reagiert.
Die Lösung ist denkbar einfach:
Ab 2027 werden Nacht- und Wochenendzulagen verdoppelt.
Na also.
Wenn schon um drei Uhr morgens Dienst, dann wenigstens mit finanzieller Begleitmusik.
Mehr arbeiten, mehr verdienen – revolutionäres Konzept
Karner stellte klar:
Wer mehr arbeitet, verdient mehr.
Wer weniger arbeitet, hat mehr Freizeit.
Verdient dann aber auch weniger.
Damit wurde ein wirtschaftliches Grundprinzip offiziell bestätigt, das vermutlich seit der Erfindung der Lohnarbeit in Fachkreisen bekannt war.
Man könnte sagen:
Arbeit gegen Geld.
Ein überraschend robustes Modell.
Jetzt kommt die Polizei-App
Besonders modern wird es mit einer neuen App.
Damit sollen sich Polizistinnen und Polizisten künftig auf dem Handy für Dienste einbuchen können.
Man darf gespannt sein, wie das aussieht.
Vielleicht ungefähr so:
„Freitag, 22 Uhr bis Samstag, 6 Uhr – noch 3 Plätze frei.“
Wischen nach rechts: Nachtdienst.
Wischen nach links: Familienfeier.
Push-Nachricht:
„In Ihrer Nähe ist noch eine Freitagsschicht verfügbar.“
Digitalisierung kann so schön sein.
Donnerstag und Freitag wird’s ernst
Das Innenministerium möchte mehr Polizeipräsenz genau dann, wenn sie gebraucht wird.
Also besonders Donnerstag- und Freitagabend.
Montagnachmittag offenbar weniger.
Das ist nachvollziehbar.
Denn während Montag um 14 Uhr vermutlich niemand freiwillig irgendwo Ärger machen möchte, beginnt spätestens Freitagabend für gewisse Teile der Bevölkerung die gesellschaftliche Feldforschung.
Dann heißt es:
Mehr Streifen.
Mehr Präsenz.
Mehr Nachtdienst.
Und künftig eben auch:
Mehr Zulage.
Überstundenpool – jetzt freiwillig mehr arbeiten
Auch Überstunden sollen teilweise über einen freiwilligen Pool organisiert werden.
Wer Lust auf zusätzliche Dienste hat, kann sich melden.
Das klingt fast wie Bonusmeilen.
„Nur noch drei Nachtschichten bis zum nächsten freien Samstag!“
Das Ministerium versichert jedenfalls, dass die Überstunden nicht gekürzt werden sollen.
Beruhigend.
Denn nichts wäre schlimmer als ein modernes Dienstzeitmodell ohne ausreichend traditionelle Überstunden.
Springerstreifen für das Land
Vor allem in ländlichen Regionen sollen sogenannte Springerstreifen für genügend Präsenz sorgen.
Der Begriff klingt ein wenig nach mobiler Spezialeinheit.
Oder nach einer Mannschaft, die kurzfristig dort auftaucht, wo jemand ausgefallen ist.
Im Zweifel vermutlich beides.
Testphase – aber das Ergebnis steht praktisch schon fest
Besonders charmant ist die Testphase.
Getestet wird in Wien-Brigittenau inklusive Leopoldstadt, Linz, Bregenz, Leibnitz und Gänserndorf.
Eigentlich würde man meinen:
Man testet etwas.
Dann wertet man es aus.
Dann entscheidet man, ob es funktioniert.
Karner hat aber schon angekündigt:
Mit 1. April 2027 kommt das neue Dienstzeitmanagement.
Das nennt man dann wohl:
ergebnisoffener Test mit bekanntem Ergebnis.
Sehr effizient.
Fazit
Die Polizei bekommt neue Dienstzeiten, eine App, mehr Geld für Nacht- und Wochenenddienste und einen Überstundenpool.
Alles soll fairer, moderner und planbarer werden.
Wenn es funktioniert: hervorragend.
Wenn nicht, gibt es immerhin eine App, in der man nachschauen kann, wann man keine Zeit hatte, sich darüber zu ärgern.
Und das Wichtigste:
Wer nachts arbeitet, bekommt künftig mehr Geld.
Manchmal braucht Verwaltungsreform eben keine 400 Seiten Konzept.
Manchmal reicht auch:
„Nachts ist blöd. Zahlen wir mehr.“


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