Nordkorea hat noch einmal klargestellt, dass sich an seiner Haltung gegenüber den USA ungefähr so viel geändert hat wie an einem nordkoreanischen Parteitagsplakat: nämlich gar nichts.
Ein Sprecher des Außenministeriums in Pjöngjang erklärte, Washington verfolge weiterhin eine „feindselige Politik“. Als Beweis gilt aus nordkoreanischer Sicht unter anderem die Tatsache, dass die USA tatsächlich noch immer möchten, dass Nordkorea seine Atomwaffen abschafft.
Aus Sicht Pjöngjangs offenbar eine geradezu unverschämte Forderung.
Zusätzlichen Unmut verursacht ein geplantes Militärmanöver der USA mit Südkorea und Japan. Für Nordkorea ist damit klar: Wenn die anderen üben, muss man selbst erst recht aufrüsten.
Die staatliche Nachrichtenagentur KCNA erklärte entsprechend, die eigenen Atomwaffen seien die „absolute Garantie“ für die Verteidigung der nordkoreanischen Souveränität.
Oder anders gesagt: Wer Frieden will, braucht offenbar möglichst viele Raketen.
Der kontinuierliche Ausbau des Atomwaffenarsenals sei deshalb die „verantwortungsvollste und richtige Option“, um Frieden und Sicherheit in der Region zu gewährleisten.
Eine bemerkenswerte Interpretation des Begriffs „Entspannungspolitik“.
Trump hat eine „sehr gute Beziehung“ – Nordkorea offenbar weniger
Damit bekamen auch die jüngsten diplomatischen Annäherungsversuche von US-Präsident Donald Trump zunächst einen kleinen Realitätscheck.
Trump hatte ein gemeinsames Militärmanöver mit Südkorea im August deutlich reduziert und dabei auf seine angeblich „sehr gute Beziehung“ zu Kim Jong Un verwiesen.
Nun wissen wir: Eine sehr gute Beziehung kann offenbar auch so aussehen, dass die eine Seite von einem Treffen spricht und die andere gleichzeitig erklärt, warum sie dringend noch mehr Atomwaffen braucht.
Trump rechnet trotzdem mit einem persönlichen Treffen mit Kim noch in diesem Jahr.
Auch Südkorea hatte zuletzt wieder versöhnlichere Töne angeschlagen.
Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.
Auf der koreanischen Halbinsel hat sie allerdings schon ziemlich viele Überstunden angesammelt.
Denn mehr als 70 Jahre nach dem Korea-Krieg herrscht zwischen Nord- und Südkorea formal betrachtet noch immer kein Frieden. 1953 wurde lediglich ein Waffenstillstand geschlossen, ein Friedensvertrag kam nie zustande.
Kurz zusammengefasst:
Washington möchte Abrüstung. Pjöngjang möchte Aufrüstung. Trump möchte Kim treffen. Südkorea möchte Entspannung.
Und irgendwo sitzt vermutlich ein Diplomat und fragt sich, warum sein Kalender für die nächsten Jahre schon wieder komplett voll ist.


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