Trauriges Ende einer aufwendigen Rettungsaktion: Der 23 Jahre alte Beluga-Wal Peekachu ist im Shedd Aquarium in Chicago gestorben. Das Tier war erst wenige Tage zuvor aus dem geschlossenen Marineland in Kanada übernommen worden. Die genaue Todesursache ist noch unklar.
Peekachu gehörte zu einer Gruppe von Beluga-Walen, die im Rahmen einer internationalen Rettungsaktion aus dem ehemaligen Marineland in Niagara Falls gebracht wurden.
Am 13. August kam die 23 Jahre alte Beluga-Dame gemeinsam mit drei weiteren Weibchen nach Chicago. Weniger als zwei Wochen später starb sie.
Das Shedd Aquarium teilte mit, Pfleger hätten zuvor bemerkt, dass Peekachu ihre Nahrung nicht mehr zuverlässig vollständig fraß.
Blutuntersuchungen hätten auf Dehydrierung hingedeutet. Während Tierärzte Medikamente und Flüssigkeit verabreichten, sei der Wal plötzlich gestorben.
Obduktion soll Todesursache klären
Das Aquarium lässt nun eine Obduktion durchführen.
Sie soll zeigen, wie es um Peekachus allgemeinen Gesundheitszustand bestellt war und welche Faktoren zu ihrem Tod beigetragen haben könnten.
Die sieben weiteren aus Marineland übernommenen Belugas würden weiterhin rund um die Uhr überwacht.
Das Aquarium betonte, die Tiere befänden sich noch mitten in einem empfindlichen Anpassungsprozess.
Erst wenige Tage im neuen Zuhause
Nach ihrer Ankunft hatte Peekachu zunächst einen positiven Eindruck gemacht.
Sie nahm nach Angaben des Aquariums Fisch von ihren Pflegern an und erkundete ihre neue Umgebung.
Beschrieben wurde sie als energiegeladen und selbstbewusst.
Erkennbar war Peekachu unter anderem an hellgrauen Markierungen. Auf dem rechten Auge war sie blind, konnte sich nach Einschätzung ihrer Betreuer jedoch trotzdem gut orientieren.
Die geretteten Tiere wurden zunächst hinter den Kulissen des rund drei Millionen Gallonen fassenden Abbott Oceanarium untergebracht.
Die Pfleger achteten besonders darauf, ob sie regelmäßig fraßen, ihre Umgebung erkundeten und soziale Kontakte zu anderen Walen aufnahmen.
Großangelegte Rettung aus Kanada
Peekachus Tod überschattet eine außergewöhnliche internationale Umsiedlungsaktion.
Das Marineland in Kanada hatte 2024 für Besucher geschlossen. Vorausgegangen waren finanzielle Schwierigkeiten und jahrelange Kritik an den Bedingungen für die dort gehaltenen Tiere.
Anfang 2026 genehmigten kanadische Behörden unter Auflagen, die verbliebenen Belugas und Delfine in andere Einrichtungen zu bringen.
Zu diesem Zeitpunkt befanden sich dort noch ungefähr 30 Belugas und vier Delfine.
Eine Freilassung in die Wildnis gilt bei den Tieren als nicht realistisch, weil sie in menschlicher Obhut geboren und aufgewachsen sind.
Aquarien in den USA und Spanien nehmen Tiere auf
Mehrere akkreditierte Einrichtungen beteiligen sich an der Rettungsaktion.
Neben dem Shedd Aquarium in Chicago gehören dazu unter anderem das Georgia Aquarium in Atlanta, SeaWorld San Antonio, SeaWorld San Diego sowie das Oceanogràfic in Valencia.
Die Aktion wurde besonders dringlich, nachdem Marineland darauf hingewiesen hatte, dass bei ausbleibenden Genehmigungen im schlimmsten Fall Tiere eingeschläfert werden könnten.
Ein früherer Plan, Belugas und Delfine in einen chinesischen Meerespark zu bringen, war zuvor abgelehnt worden.
Jahrelange Kritik an Marineland
Die Tierhaltung in Marineland stand schon lange unter Beobachtung von Tierschutzorganisationen.
Nach Angaben der Organisation Animal Justice sind seit 2019 mindestens 19 Belugas, drei Robben, ein Delfin sowie mehrere Pinguine und Seelöwen dort gestorben.
Bereits 2021 waren drei Wale von Marineland ins Mystic Aquarium im US-Bundesstaat Connecticut gebracht worden.
Spätere Inspektionsberichte des US-Landwirtschaftsministeriums beschrieben ihren Gesundheitszustand als schlecht. Das Aquarium erklärte damals, die Tiere seien bereits in diesem Zustand angekommen.
„Jeder Tag zählt“
Im Shedd Aquarium macht Peekachus Tod nun deutlich, wie schwierig eine solche Rettungsaktion auch nach dem eigentlichen Transport bleibt.
Andrew Pulver, Vizepräsident für Tierpflege, erklärte, jeder einzelne Wal müsse Schritt für Schritt beobachtet werden.
Bei Pflege und Gesundheit gehe man buchstäblich von Tag zu Tag.
Auch wenn Peekachu nur kurze Zeit in Chicago lebte, habe sie bei den Mitarbeitern einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Für die sieben verbliebenen geretteten Belugas geht die Arbeit deshalb unverändert weiter.
Denn mit dem Transport endet eine Rettung nicht. Für viele Tiere beginnt danach erst der schwierigste Teil: sich in einer völlig neuen Umgebung körperlich und sozial zu stabilisieren.


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