Im Gedenken an Vera Borek: Eine große Stimme des österreichischen Theaters ist verstummt

Im Gedenken an Vera Borek: Eine große Stimme des österreichischen Theaters ist verstummt

Veröffentlicht

Montag, 10.08.2026
von Red. TB

Die Schauspielerin Vera Borek ist im Alter von 85 Jahren in Wien gestorben. Mit ihr verliert die österreichische Theater- und Kulturlandschaft eine prägende Künstlerin, deren unverwechselbare Stimme und starke Bühnenpräsenz über Jahrzehnte in Erinnerung bleiben werden.

Vera Borek ist am Samstagabend nach einem kurzen Spitalsaufenthalt in Wien verstorben. Sie wurde 85 Jahre alt.

Geboren wurde sie am 20. September 1940 in Breslau als Tochter einer deutschen Opernsängerin und eines Wiener Lederwarenhändlers. Noch als Kind kam sie mit ihrer Familie nach Wien. Ihre Schauspielausbildung absolvierte sie in Hannover, anschließend führten sie Engagements unter anderem nach Bochum, Münster, Wiesbaden und Hamburg.

Später kehrte sie auch beruflich nach Wien zurück – und fand dort eine künstlerische Heimat.

Jahrzehnte am Wiener Volkstheater

Von 1976 bis 2005 gehörte Vera Borek zum Ensemble des Wiener Volkstheaters. Fast drei Jahrzehnte lang prägte sie dort zahlreiche Rollen und Inszenierungen.

Sie spielte unter anderem Jenny in der „Dreigroschenoper“, Ada in „Zur schönen Aussicht“, Valerie in „Geschichten aus dem Wiener Wald“ und Marthe in „Der zerbrochne Krug“.

Doch Borek war nie nur dem klassischen Repertoire verbunden. Immer wieder widmete sie sich zeitgenössischen Autorinnen und Autoren und stand in Stücken von Werner Schwab, Gert Jonke und Elfriede Jelinek auf der Bühne.

Auch die Theaterprojekte von Hans Gratzer am Schauspielhaus Wien sowie Michael Schottenbergs „Theater im Kopf“ wurden durch ihre Arbeit wesentlich mitgeprägt.

Selbst nach ihrer Pensionierung kehrte sie immer wieder ans Volkstheater zurück. 2007 war sie als Claire Zachanassian in „Der Besuch der alten Dame“ zu erleben, 2009 als Schwester Rosa in „Alles über meine Mutter“. Noch 2014 stand sie als Fräulein Dr. von Zahnd in Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“ auf der Bühne.

Eine Stimme mit unverwechselbarem Charakter

Vera Borek war nicht nur Schauspielerin, sondern auch eine außergewöhnliche Sprecherin.

Ihre Stimme war rau, präzise, unverwechselbar und voller Ausdruckskraft. In zahlreichen Hörspielen und Hörbüchern verlieh sie Figuren Tiefe und Charakter.

2017 wurde sie von der ORF-Hörspieljury zur „Schauspielerin des Jahres“ gewählt. Die Jury würdigte damit ihr Lebenswerk und insbesondere ihren besonderen Umgang mit Sprache, Form und Rhythmus.

Ihre Stimme konnte streng und zärtlich, bedrohlich und zerbrechlich zugleich wirken. Gerade diese Widersprüchlichkeit machte sie zu einer unverwechselbaren Künstlerin.

Auch Film und Fernsehen gehörten zu ihrem Leben

Neben ihrer Theaterarbeit war Vera Borek regelmäßig im Fernsehen und im Kino zu sehen.

Sie spielte unter anderem in „Tatort“, „Kommissar Rex“ und „Der Bulle von Tölz“. Auf der Kinoleinwand war sie etwa in Maximilian Schells „Geschichten aus dem Wiener Wald“, in „Mulligans Rückkehr“ von Helmut Käutner und später in Xaver Schwarzenbergers „Vino Santo“ zu erleben.

Damit gehörte Borek zu jener Generation österreichischer Schauspielerinnen, die Bühne, Film, Fernsehen und Hörspiel gleichermaßen selbstverständlich miteinander verbanden.

Die Liebe zu Helmut Qualtinger

Privat war Vera Borek eng mit Helmut Qualtinger verbunden. Kennengelernt hatten sich die beiden 1969 in Hamburg, 1982 heirateten sie.

Gemeinsam unternahmen sie Lesetourneen und teilten eine tiefe künstlerische und persönliche Verbundenheit.

Über Qualtinger sagte Borek einmal, ihn habe eine große Wahrhaftigkeit ausgezeichnet. Auch nach seinem Tod im Jahr 1986 blieb sie seinem Werk verbunden und widmete seinen Texten immer wieder Lesungen.

So bewahrte sie nicht nur die Erinnerung an einen großen österreichischen Künstler, sondern führte dessen Sprache und Geist über viele Jahre weiter.

Eine prägende Persönlichkeit bleibt

2010 wurde Vera Borek mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ausgezeichnet.

Doch ihre Bedeutung lässt sich nicht allein in Preisen und Ehrungen messen.

Sie lag in ihrer Präsenz.

In ihrer Genauigkeit.

In ihrer Sprache.

In dieser unverwechselbaren Stimme, die selbst kleinen Rollen Größe geben konnte.

Vera Borek gehörte zu den Schauspielerinnen, die nicht laut sein mussten, um Eindruck zu hinterlassen. Ihre Figuren blieben im Gedächtnis, weil sie ihnen Ecken, Brüche, Wärme und Würde verlieh.

Mit ihrem Tod verliert Österreich eine große Theaterpersönlichkeit.

Was bleibt, sind ihre Rollen, ihre Stimme und die Erinnerung an eine Künstlerin, die über Jahrzehnte Menschen bewegt hat.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

RobVanDerMeijden (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 10.08.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv