Mit den warmen Monaten steigt die Gefahr, sich bei Aufenthalten im Grünen eine Zecke einzufangen. Doch ein Zeckenstich bedeutet keineswegs automatisch, dass man an Borreliose erkrankt. Nicht jede Zecke trägt Borrelien in sich – und selbst der Stich einer infizierten Zecke führt nicht zwangsläufig zu einer Infektion. Entscheidend ist unter anderem, wie lange die Zecke Blut saugt.
Borreliose, genauer Lyme-Borreliose, ist eine durch Bakterien der Gattung Borrelia verursachte Infektionskrankheit. In Deutschland werden die Erreger hauptsächlich durch den Gemeinen Holzbock übertragen, die hierzulande häufigste Zeckenart. Borrelien kommen grundsätzlich in ganz Deutschland vor. Wie hoch der Anteil infizierter Zecken ist, kann jedoch von Region zu Region erheblich schwanken.
Warum schnelles Entfernen so wichtig ist
Anders als bei der ebenfalls von Zecken übertragenen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) werden Borrelien in der Regel nicht unmittelbar beim Stich übertragen. Die Bakterien befinden sich zunächst im Darm der Zecke und gelangen während des Saugvorgangs in Richtung Speicheldrüsen.
Deshalb spielt die Zeit eine entscheidende Rolle. Nach Angaben des Bundesgesundheitsportals erfolgt eine Übertragung von Borrelien in der Regel erst nach 12 bis 24 Stunden. Je länger eine infizierte Zecke saugt, desto größer wird das Infektionsrisiko. Eine Zecke sollte deshalb möglichst sofort entfernt werden.
Ein Beispiel: Wer am Nachmittag im Garten arbeitet und am Abend eine Zecke entdeckt und entfernt, hat grundsätzlich ein geringeres Borreliose-Risiko als jemand, bei dem die Zecke möglicherweise ein oder zwei Tage unbemerkt in der Haut steckt. Eine Garantie gibt es allerdings nicht.
Schätzungen zufolge entwickelt nur ungefähr einer von 100 Menschen nach einem Zeckenstich tatsächlich eine Borreliose.
Wanderröte ist ein wichtiges Warnsignal
Das bekannteste Anzeichen einer Borreliose ist die sogenannte Wanderröte (Erythema migrans). Einige Tage bis Wochen nach dem Zeckenstich entsteht dabei ein deutlich abgegrenzter roter Hautfleck, der sich zunehmend ausbreitet und einen Durchmesser von mehr als fünf Zentimetern erreichen kann. Häufig wird die Mitte blasser, sodass die Rötung an einen Ring oder eine Zielscheibe erinnert.
Davon zu unterscheiden ist eine kleine Rötung unmittelbar nach einem Zeckenstich. Die Haut kann an der Einstichstelle zunächst gereizt, gerötet oder juckend sein. Das allein ist noch keine Wanderröte und kein Beweis für Borreliose. Eine normale lokale Reaktion verschwindet meist innerhalb weniger Tage.
Allerdings tritt eine Wanderröte nicht bei jeder Borreliose auf. Deshalb sollte man auch auf andere Beschwerden achten. Innerhalb der ersten Wochen können beispielsweise Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit und Muskelschmerzen auftreten.
Unbehandelte Borreliose kann Nerven und Gelenke angreifen
Wird die Infektion nicht erkannt und breiten sich die Borrelien im Körper aus, können weitere Organe betroffen sein. Eine mögliche Folge ist die Neuroborreliose, bei der Gehirn und Nerven angegriffen werden. Mögliche Beschwerden sind starke Nervenschmerzen, Hirnhautentzündung oder Lähmungserscheinungen – beispielsweise eine einseitige Gesichtslähmung. Nach Angaben des Bundesgesundheitsportals tritt eine Neuroborreliose bei ungefähr drei von 100 Erkrankten auf.
Monate oder sogar Jahre später kann sich außerdem eine Lyme-Arthritis entwickeln. Dabei entzünden sich Gelenke, die schmerzen und deutlich anschwellen können. Sehr selten sind auch Entzündungen der Haut oder eine Beteiligung des Herzens möglich.
Borreliose ist behandelbar – aber es gibt keine Impfung
Wird eine Borreliose festgestellt, erfolgt die Behandlung mit Antibiotika, üblicherweise über einen Zeitraum von zehn bis 21 Tagen. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung anschließend ohne bleibende Folgen aus.
Gegen Borreliose steht für Menschen derzeit keine allgemein verfügbare Schutzimpfung zur Verfügung. Die bekannte Zeckenimpfung schützt ausschließlich gegen FSME und nicht gegen Borreliose. Das ist ein wichtiger Unterschied.
Nach einem Zeckenstich sollten deshalb Datum und Einstichstelle notiert und die Haut in den folgenden Wochen beobachtet werden. Entwickelt sich eine größer werdende Rötung oder treten grippeähnliche Beschwerden, Nervenschmerzen, Lähmungen oder ungewöhnliche Gelenkbeschwerden auf, sollte dies ärztlich abgeklärt werden.
Vorbeugend Antibiotika nach jedem Zeckenstich einzunehmen, wird dagegen nicht empfohlen. Viel wichtiger ist es, die Zecke so früh wie möglich vollständig und ohne Quetschen zu entfernen und anschließend auf mögliche Krankheitszeichen zu achten.


0 Kommentare