In den USA steigt die Zahl der Cyclospora-Infektionen ungewöhnlich stark. Mehr als 11.500 bestätigte und vermutete Fälle wurden in 41 Bundesstaaten registriert. Fachleute vermuten verunreinigtes Bewässerungswasser als Hauptursache – doch der entscheidende Übertragungsweg bleibt ungeklärt.
In den Vereinigten Staaten kämpfen Gesundheitsbehörden mit einer ungewöhnlich großen Welle von Infektionen durch den Parasiten Cyclospora cayetanensis. Die Erkrankung kann heftigen wässrigen Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Blähungen und starke Erschöpfung verursachen.
Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde CDC wurden in diesem Sommer mehr als 11.500 bestätigte und vermutete Fälle in 41 Bundesstaaten erfasst. Die Betroffenen sollen sich in den USA angesteckt haben und nicht während einer Auslandsreise.
Das macht die aktuelle Entwicklung besonders auffällig. Normalerweise werden in den Vereinigten Staaten jährlich etwa 2.000 bis 4.000 Infektionen registriert. Etwa jeder fünfte Fall steht gewöhnlich mit einer Reise ins Ausland in Verbindung.
Die US-Lebensmittelbehörde FDA untersucht derzeit sechs verschiedene Ausbrüche. Der größte betrifft neun Bundesstaaten im Mittleren Westen und wird mit Eisbergsalat aus Mexiko in Verbindung gebracht. Bei einem weiteren Cluster mit 72 Erkrankten ist die Quelle bislang unbekannt.
Der Mensch ist die einzige bekannte Quelle
Das zentrale Problem bei Cyclospora ist eindeutig und zugleich unangenehm: Der Parasit wurde bislang ausschließlich in menschlichem Stuhl nachgewiesen.
Gelangen Cyclospora-Erreger auf Obst, Gemüse oder in Wasser, muss die Verunreinigung daher ursprünglich von Menschen stammen. Trotzdem ist es Ermittlern noch nie gelungen, den exakten Ausgangspunkt eines größeren Ausbruchs zweifelsfrei festzustellen.
Fachleute gehen überwiegend davon aus, dass verunreinigtes Wasser den Parasiten auf landwirtschaftliche Erzeugnisse überträgt. Unklar bleibt jedoch, wie menschliche Fäkalien in das Bewässerungswasser gelangen.
Als mögliche Ursachen gelten undichte Abwassersysteme, defekte Klär- oder Sickergruben, überlaufende Kanalisationen nach Starkregen oder eine unsachgemäße Entsorgung mobiler Toiletten auf landwirtschaftlichen Flächen. Auch infizierte Erntehelfer könnten Lebensmittel direkt verunreinigen. Einige Wissenschaftler halten diesen Weg jedoch für weniger wahrscheinlich, weil eine einzelne Person kaum so große Mengen an Lebensmitteln kontaminieren könne.
Lange Inkubationszeit erschwert die Suche
Die Ermittlungen werden durch die Eigenschaften des Parasiten erheblich erschwert. Nach dem Verzehr verunreinigter Lebensmittel können bis zu zwei Wochen vergehen, bevor die ersten Symptome auftreten.
Viele Betroffene suchen erst dann ärztliche Hilfe, wenn die Beschwerden nicht von selbst verschwinden. Zwischen der eigentlichen Ansteckung und einer bestätigten Diagnose können deshalb drei bis vier Wochen liegen.
Anschließend müssen die Fälle an die örtlichen Gesundheitsbehörden gemeldet werden. Mitarbeiter versuchen dann, im Gespräch mit den Erkrankten herauszufinden, welche Lebensmittel sie möglicherweise vor Wochen gegessen haben.
Das ist schwierig. Nur wenige Menschen können sich zuverlässig daran erinnern, was sie einen Monat zuvor gegessen haben. Ermittler greifen deshalb teilweise auf Kundenkarten, Einkaufsbelege und Bankauszüge zurück, um gemeinsame Lebensmittel oder Geschäfte zu identifizieren.
Verdichtet sich der Verdacht auf ein bestimmtes Produkt, übernimmt die FDA die weitere Rückverfolgung. Die Behörde versucht, Lieferanten und landwirtschaftliche Betriebe zu bestimmen und nimmt dort Proben von Wasser, Boden und Pflanzen.
Bis die Inspektoren einen Betrieb erreichen, ist der Ausbruch häufig bereits vorbei. Die betroffenen Lebensmittel sind wegen ihrer kurzen Haltbarkeit längst verkauft oder entsorgt. Oft werden die Pflanzen zudem nicht mehr angebaut oder geerntet.
Ein Fund in einem Bewässerungskanal
Am nächsten kamen die Behörden einer eindeutigen Ursache nach Einschätzung mehrerer Fachleute im Jahr 2020. Damals wurden mehr als 700 Infektionen in 14 Bundesstaaten mit abgepackten Salatmischungen von Fresh Express in Verbindung gebracht.
Die Mischungen enthielten Eisbergsalat, Karotten und Rotkohl. Bei einer Untersuchung eines landwirtschaftlichen Betriebs in Florida fand die FDA Cyclospora in zwei Proben aus einem Bewässerungskanal, der für den Anbau von Rotkohl genutzt wurde.
Die Behörde konnte jedoch nicht abschließend beweisen, dass die im Kanal gefundenen Parasiten genetisch mit den Erregern des Ausbruchs übereinstimmten. Die dafür notwendigen Methoden zur genetischen Typisierung seien noch nicht ausreichend entwickelt gewesen.
Auch blieb offen, wie der Kanal überhaupt mit menschlichen Fäkalien verunreinigt worden war.
Der Fund gilt trotzdem als einer der stärksten Hinweise darauf, dass Bewässerungswasser eine entscheidende Rolle spielt.
Keine verpflichtenden Tests
Trotz des Risikos gibt es in den USA nach Angaben früherer FDA-Verantwortlicher keine allgemeine Vorschrift, die landwirtschaftliche Betriebe zu regelmäßigen Tests von Bewässerungswasser oder Produkten auf Cyclospora verpflichtet.
Solche Kontrollen erfolgen meist freiwillig. Große Handelsketten könnten ihre Lieferanten zwar zu Tests verpflichten, eine flächendeckende Regelung besteht jedoch nicht.
Fachleute fordern deshalb mehr Forschung, bessere genetische Untersuchungsmethoden und verbindlichere Kontrollen. Auch zusätzliche finanzielle Mittel für Gesundheitsbehörden könnten helfen, Infektionsketten schneller zurückzuverfolgen.
Ein wachsendes Problem
Cyclospora-Fälle treten vor allem in den Sommermonaten auf. Die gleichzeitige Untersuchung mehrerer Ausbrüche und die ungewöhnlich hohe Zahl der Erkrankten machen 2026 jedoch zu einem besonderen Jahr.
Bislang können die Behörden häufig nur feststellen, welches Lebensmittel wahrscheinlich betroffen war. Die entscheidende Frage bleibt offen: Wo genau gelangten menschliche Ausscheidungen in die landwirtschaftliche Produktion?
Solange dieser Übertragungsweg nicht geklärt und geschlossen wird, können Ermittler Ausbrüche zwar nachverfolgen – verhindern lassen sie sich jedoch nur schwer.


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