Lebenslange Haft ohne Bewährung für jugendlichen Täter von Georgia

Lebenslange Haft ohne Bewährung für jugendlichen Täter von Georgia

Veröffentlicht

Mittwoch, 29.07.2026
von Red. TB

Ein Gericht im US-Bundesstaat Georgia hat den 16-jährigen Colt Gray wegen des tödlichen Angriffs auf die Apalachee High School zu lebenslanger Haft ohne die Möglichkeit einer vorzeitigen Entlassung verurteilt.

Bei dem Angriff am 4. September 2024 waren zwei Lehrkräfte und zwei Schüler getötet worden. Neun weitere Menschen wurden verletzt. Es handelte sich um den folgenschwersten Angriff an einer Schule in der Geschichte des Bundesstaates Georgia.

Richter Nicholas Primm erklärte bei der Urteilsverkündung, die Schwere der Taten rechtfertige in diesem Fall eine lebenslange Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Gray zeigte nach Angaben aus dem Gerichtssaal keine sichtbare Reaktion und verzichtete auf eine eigene Stellungnahme.

Das Urteil beendete eine dreitägige Anhörung, in der Angehörige der Opfer, Überlebende, Ermittler und psychologische Sachverständige gehört wurden. Gray hatte sich zuvor in insgesamt 55 Anklagepunkten schuldig bekannt, darunter in vier Fällen wegen Mordes.

Staatsanwaltschaft sah gezielte Suche nach Bekanntheit

Die Staatsanwaltschaft hatte die Höchststrafe gefordert. Sie warf dem Jugendlichen vor, den Angriff mit dem Ziel geplant zu haben, in einer Onlinekultur bekannt zu werden, in der Attentäter und Amokläufer verherrlicht werden.

Ermittler verwiesen auf Nachrichten und Tagebucheinträge, in denen Gray bereits mehr als ein Jahr vor der Tat geschrieben haben soll, er wolle „Geschichte schreiben“ und wegen des verursachten Leids in Erinnerung bleiben. Nach dem Angriff habe er Angehörige zudem wiederholt aufgefordert, im Internet nach seinem Namen und nach Darstellungen seiner Person zu suchen.

Die Verteidigung verwies dagegen auf das junge Alter des Täters, seine schwierige Kindheit und psychische Probleme. Sie beantragte eine lebenslange Haftstrafe mit der Möglichkeit einer späteren Bewährungsprüfung. Der Jugendliche sei trotz der Schwere seiner Taten nicht grundsätzlich unfähig zur Rehabilitation, argumentierte sein Anwalt.

Schwierige familiäre Verhältnisse

Während der Anhörung wurden auch die familiären Hintergründe des Jugendlichen thematisiert. Zeugenaussagen zufolge war seine Kindheit von häufigen Umzügen, Schulversäumnissen und erheblichen Problemen im Elternhaus geprägt.

Seine Mutter hatte nach Angaben aus dem Verfahren mit Alkohol- und Drogenproblemen zu kämpfen. Familienmitglieder beschrieben das Elternhaus als instabil und belastend. Seine Großmutter erklärte vor Gericht, sie halte eine Rehabilitation bei angemessener psychologischer Behandlung für möglich.

Eine Vertreterin der zuständigen Kinder- und Familienbehörde berichtete zudem von Hinweisen auf Vernachlässigung und Misshandlung. Im Oktober nach der Tat war Gray vorübergehend in staatliche Obhut genommen worden. Dort habe sich sein Verhalten nach dem Beginn einer medikamentösen Behandlung verbessert.

Ein forensischer Psychologe erklärte, Depressionen, Ängste, Vernachlässigung und die Fixierung auf frühere Amokläufer hätten den Zustand des Jugendlichen verschärft. Zugleich habe Gray seine psychischen Beschwerden teilweise übertrieben und versucht, eine schwerere Diagnose zu erhalten. Hinweise auf Schizophrenie, eine bipolare Störung oder eine akute Psychose seien nicht festgestellt worden.

Angriff trotz vorheriger Warnzeichen

Am Morgen der Tat hatten Schulmitarbeiter und Sicherheitskräfte versucht, den damals 14-Jährigen wegen besorgniserregender Äußerungen ausfindig zu machen. Dabei kam es jedoch zu einer Verwechslung mit einem anderen Schüler mit einem ähnlichen Namen.

Gray hatte ein halbautomatisches Gewehr vom Typ AR-15 in seinem Rucksack zur Schule gebracht. Er schoss zunächst in einem Mathematikraum und anschließend auf Menschen in einem Flur. Danach ergab er sich der Polizei.

Getötet wurden die Lehrer Richard Aspinwall und Cristina Irimie sowie die Schüler Mason Schermerhorn und Christian Angulo.

Vater ebenfalls verurteilt

Auch der Vater des Jugendlichen wurde strafrechtlich verfolgt. Ein Gericht sprach ihn im März unter anderem wegen Mordes und fahrlässiger Tötung schuldig. Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte er seinem Sohn das Gewehr zu Weihnachten geschenkt und nicht ausreichend gesichert, obwohl es zuvor Warnungen über eine mögliche Gefährdung gegeben hatte.

Sein Strafmaß soll gesondert verkündet werden.

Der Oberste Gerichtshof der USA hat entschieden, dass Minderjährige nicht zum Tode verurteilt werden dürfen. Eine lebenslange Haft ohne Bewährung ist bei Jugendlichen nur in besonders schweren Ausnahmefällen zulässig. Der Richter erklärte, dieser Fall erfülle die dafür erforderlichen Voraussetzungen.

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von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 29.07.2026

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