Google will in Kronstorf offenbar keine Zeit verlieren. Während für den ersten Teil des Rechenzentrums erst Ende April der Spatenstich gesetzt wurde, liegt bereits der Antrag für die nächste Ausbaustufe auf dem Tisch. Mehrere Milliarden Euro Investitionsvolumen, bis zu 500 Megawatt Anschlussleistung und ein jährlicher Stromverbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden – da versteht es sich beinahe von selbst, dass die Behörden möglichst rasch den Stempel zücken sollen.
Schließlich handelt es sich, wie Wirtschaftslandesrat Markus Achleitner betont, um das größte Einzelprojekt in der Geschichte Oberösterreichs. Und wenn ein Weltkonzern mit Milliarden winkt, wird aus gründlicher Prüfung schnell einmal lästige Verzögerung. Bis zum zweiten Halbjahr 2027 sollen alle Bewilligungen vorliegen. Das klingt weniger nach einer offenen Prüfung als nach einem bereits festgelegten Zeitplan.
Dabei geht es nicht um irgendeine Lagerhalle. Ein Rechenzentrum dieser Größenordnung wird den Strombedarf in der Region massiv verändern. Der geplante Verbrauch von bis zu 4,4 Terawattstunden pro Jahr ist keine technische Fußnote, sondern eine energiepolitische Dimension, die Auswirkungen auf Netze, Preise und Versorgung haben kann. Der Verweis, Google wolle auf „100 Prozent erneuerbare Energie“ setzen, klingt beruhigend. Entscheidend ist jedoch nicht, was ein Konzern als Ziel formuliert, sondern wie die Energie tatsächlich bereitgestellt wird, welche Verträge abgeschlossen werden und welche Folgen daraus für andere Verbraucher entstehen.
Ebenso bemerkenswert ist, dass für den gesamten Campus keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sein soll. Rechtlich mag das Ergebnis eines Feststellungsverfahrens korrekt sein. Politisch und gesellschaftlich bleibt trotzdem die Frage, ob die gesetzlichen Mindestanforderungen bei einem Projekt dieser Größenordnung wirklich ausreichen. Wasserverbrauch, Abwärme, Lärm, Verkehr, Netzsicherheit und Flächenverbrauch verschwinden schließlich nicht, nur weil keine UVP vorgeschrieben ist.
Natürlich kann der Google-Campus Chancen bringen. Investitionen, technologische Infrastruktur und ein möglicher Impuls für Forschung und künstliche Intelligenz sind für Oberösterreich attraktiv. Auch das Argument der Datensouveränität ist nicht von der Hand zu weisen. Doch aus einer „historischen Chance“ darf kein Freibrief werden. Gerade ein Projekt, das als historisch bezeichnet wird, verdient eine ebenso historische Genauigkeit bei der Prüfung.
Die Bürgerinitiative und die Grünen haben deshalb mit ihrer Forderung nach Transparenz einen entscheidenden Punkt getroffen. Verträge, Stromvereinbarungen und belastbare Prognosen zu den Folgen für die Region dürfen nicht hinter verschlossenen Türen bleiben. Wer Milliardenprojekte mit öffentlichen Interessen begründet, muss auch öffentlich erklären, welche Belastungen entstehen und wer sie trägt.
Google darf in Kronstorf bauen, sofern alle Voraussetzungen erfüllt sind. Aber die Aufgabe der Politik besteht nicht darin, dem Konzern möglichst schnell den roten Teppich auszurollen. Sie muss dafür sorgen, dass aus dem versprochenen Fortschritt kein teures Experiment auf Kosten der Bevölkerung wird. Die richtige Aufforderung an die Behörden lautet daher nicht: Bitte ganz schnell genehmigen. Sondern: Bitte ganz genau prüfen.


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