Die Straße von Hormus entwickelt sich langsam zur wohl verwirrendsten Wasserstraße der Welt. Während der Iran am Sonntag medienwirksam verkündete, die Meerenge sei bis auf Weiteres geschlossen, konterten die USA mit einem trockenen: „Nö.“
Das US-Regionalkommando Centcom erklärte kurzerhand, der Schiffsverkehr laufe ganz normal weiter. Frei nach dem Motto: „Geschlossen? Sehen wir anders.“
Donald Trump legte gleich nach und verkündete ebenfalls: „Sie ist offen.“ Katar wiederum empfiehlt allen Schiffen vorsichtshalber, lieber gar nicht erst vorbeizufahren. Willkommen im internationalen Navigationsquiz.
Schrödingers Wasserstraße
Die Straße von Hormus scheint derzeit gleichzeitig offen und geschlossen zu sein. Je nachdem, wen man fragt.
- Der Iran: „Niemand fährt hier durch!“
- Die USA: „Doch.“
- Reedereien: „Wir schauen erst mal auf MarineTraffic.“
Für Kapitäne dürfte inzwischen weniger die Seekarte als vielmehr der tägliche Nachrichtenüberblick entscheidend sein.
Iran setzt auf Abschreckung
Nach den jüngsten US-Luftangriffen erklärte die iranische Revolutionsgarde die Meerenge kurzerhand zur Sperrzone. Militärberater Mohsen Resai verglich den strategischen Wert der Wasserstraße sogar mit mehreren Atombomben.
Eine ungewöhnliche Werbung für eine Schifffahrtsroute.
Die USA liefern die Antwort
Washington reagierte nicht mit einer Pressekonferenz, sondern mit rund 140 Luftangriffen auf militärische Ziele im Iran.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth fasste die amerikanische Außenpolitik des Tages in einem Satz zusammen:
„Iran hat eine schlechte Entscheidung getroffen. Jetzt zahlt er den Preis.“
Diplomatische Feinheiten sehen anders aus.
Fast ein Deal …
Besonders kurios klingt Donald Trumps Schilderung der Ereignisse.
Nach seiner Darstellung habe der Iran praktisch schon den Friedensvertrag unterschreiben wollen.
Dann sei plötzlich ein Schiff angegriffen worden.
Trump kommentierte das sinngemäß mit: „Irgendwas stimmt mit denen nicht.“
Diplomatische Analyse kann manchmal erstaunlich kompakt sein.
Beide Seiten werfen sich Vertragsbruch vor
Während Washington erklärt, Teheran halte sich nicht an Vereinbarungen, behauptet Teheran exakt das Gegenteil.
Kurz gesagt:
- Die USA sagen: „Ihr brecht den Deal.“
- Der Iran sagt: „Nein, ihr brecht den Deal.“
Der Deal selbst dürfte inzwischen ebenfalls leicht verwirrt sein.
Angriffe gehen weiter
Als wäre das Durcheinander noch nicht groß genug, wurden am Abend bereits neue US-Angriffe auf Raketenstellungen und Schnellboote der Revolutionsgarde gemeldet. Der Iran berichtete gleichzeitig über Explosionen auf der Insel Keschm.
Die Hoffnung auf eine baldige Entspannung wirkt damit ungefähr so realistisch wie eine entspannte Kreuzfahrt durch die Straße von Hormus.
Fazit
Die wichtigste Wasserstraße für den weltweiten Ölhandel ist derzeit offenbar in einem Zustand, den man nur schwer beschreiben kann: offiziell gesperrt, praktisch befahren, militärisch umkämpft und politisch umstritten.
Oder anders formuliert:
Die Straße von Hormus ist aktuell wie ein deutsches Baustellenschild:
„Durchfahrt verboten – Anlieger frei – Umleitung ausgeschildert – Bitte Rücksicht nehmen.“


0 Kommentare