Schweizer Schwalbenkunde endet mit Rot – oder: Wenn der VAR plötzlich Ornithologe spielt

Schweizer Schwalbenkunde endet mit Rot – oder: Wenn der VAR plötzlich Ornithologe spielt

Veröffentlicht

Montag, 13.07.2026
von Red. TB

Die Schweiz ist aus der Weltmeisterschaft ausgeschieden – und diskutiert weniger über Argentinien als über eine Szene, die selbst Regelkundler erst einmal im Handbuch nachschlagen mussten.

Bis zur 95. Minute lieferten sich die Eidgenossen mit Weltmeister Argentinien ein Duell auf Augenhöhe. Teilweise wirkte es sogar so, als würden Lionel Messi und Co. langsam feststellen, dass Schweizer Uhren zwar präzise ticken, aber Schweizer Fußballer auch ziemlich unangenehm verteidigen können.

Dann kam Breel Embolo.

Oder besser gesagt: seine angebliche Schwalbe.

Zunächst bekam Argentiniens Leandro Paredes Gelb. Der VAR schaute sich die Szene an, stellte fest, dass der falsche Spieler verwarnt worden war – und plötzlich verwandelte sich eine harmlose Gelbe Karte in eine Gelb-Rote für Embolo. Willkommen im Fußballjahr 2026, wo man offenbar nicht nur Tore, sondern inzwischen auch Verwarnungen recycelt.

Für die Schweizer war das ungefähr so logisch wie ein Elfmeter wegen schlechten Rasens.

Trainer Murat Yakin sparte nicht mit Kritik. Sinngemäß: Der Fußball habe verloren. Wobei man ergänzen könnte: Gewonnen hat an diesem Abend höchstens das Regelbuch – und selbst das vermutlich nur nach Verlängerung.

Besonders kurios: Ohne die ursprüngliche Gelbe Karte hätte der VAR gar nicht eingreifen dürfen. Es brauchte also erst einen Schiedsrichterfehler, damit anschließend ein anderer Spieler vom Platz flog. Da muss man erst einmal drauf kommen.

Breel Embolo verließ den Rasen unter Tränen. Die Schweizer Fans hätten ihm vermutlich lieber Taschentücher als Gelbe Karten verteilt.

Argentinien wird das alles herzlich egal sein. Die „Albiceleste“ machte das, was sie in diesem Turnier offenbar perfektioniert hat: den Gegner erst hoffen lassen, dann leiden lassen und schließlich doch irgendwie gewinnen. Ein bisschen wie eine südamerikanische Telenovela – nur mit mehr Verlängerungen.

Julian Alvarez erlöste die Nerven der argentinischen Fans mit einem Traumtor, Lautaro Martinez setzte den Schlusspunkt. Lionel Messi blieb zwar erstmals bei dieser WM ohne Tor, durfte am Ende aber trotzdem mittanzen. Man muss schließlich nicht immer selbst treffen, wenn der Gegner sich zuvor schon mit den Fußballregeln angelegt hat.

Die Schweiz dagegen reist mit erhobenem Kopf nach Hause. Spielerisch überzeugend, kämpferisch stark – und am Ende doch Opfer einer Regel, bei der selbst viele neutrale Zuschauer fragten, ob sie wirklich dem Fußball dient oder eher einem juristischen Fernstudium.

Argentinien steht nun im Halbfinale gegen England. Dort wartet nicht nur ein Fußballklassiker, sondern hoffentlich auch ein Spiel, über das man hinterher wieder über Tore spricht – und nicht darüber, welche Gelbe Karte gerade auf Wanderschaft gegangen ist.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

stux (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Montag, 13.07.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv