Man stelle sich das einmal vor:
Eine der erfahrensten Gerichtsreporterinnen der USA hört das Wort „Retirement announcements“ – und macht daraus kurzerhand: „Samuel Alito geht in Rente!“
Problem nur:
Alito wusste davon offenbar selbst nichts.
Für wenige Minuten herrschte in den amerikanischen Redaktionen Ausnahmezustand. Telefone glühten, Redakteure liefen im Kreis und irgendwo fragte wahrscheinlich schon jemand, wer denn nun den Bürostuhl des Richters bekommt.
Die Kolleginnen und Kollegen anderer Medien machten das, was Journalisten in solchen Momenten immer tun: Sie riefen hektisch überall an.
Antwort des Supreme Court:
„Ähm… nein.“
Da dürfte es im Newsroom kurz still geworden sein.
Die legendäre NPR-Reporterin Nina Totenberg nahm den Fehler mit bemerkenswerter Größe auf ihre Kappe.
„Das war der größte berufliche Fehler meiner über 50-jährigen Karriere.“
Immerhin – andere brauchen dafür Twitter.
Besonders charmant ist die Entstehungsgeschichte.
Sie hörte offenbar nur das Wort „Retirement“, verließ den Gerichtssaal und dachte sich:
„Na endlich! Die vorbereitete Geschichte kann raus!“
Dumm nur, dass eigentlich mehrere organisatorische Ankündigungen gemeint waren – und kein einziger Richter seine Robe an den Nagel hängen wollte.
Der eigentliche Gewinner der Geschichte?
Richter Samuel Alito.
Der dürfte sich beim Frühstück gedacht haben:
„Interessant… laut Nachrichten bin ich heute in Rente. Sollte ich vielleicht mal im Büro Bescheid sagen.“
Die Moral der Geschichte:
Auch nach 50 Jahren Berufserfahrung gilt die wichtigste Regel des Journalismus:
Erst nachfragen. Dann veröffentlichen.
Und falls doch mal etwas schiefgeht:
Einfach hoffen, dass man nicht versehentlich den Papst, den Präsidenten oder den eigenen Chefredakteur in den Ruhestand versetzt.


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