Eine Reise nach Indien veränderte das Leben der Waliserin Lowri Denman für immer. Jahre nach ihrem Aufenthalt erkrankte die heute 42-Jährige an einer extrem seltenen parasitären Gehirninfektion. Ärzte entdeckten schließlich 38 Parasiten in ihrem Gehirn – ausgelöst durch die Larven des Schweinebandwurms. Nach jahrelangen gesundheitlichen Problemen und mehreren Klinikaufenthalten gilt sie heute als genesen und möchte nun über die Erkrankung aufklären.
Schockierender Fund nach dem Toilettengang
Die ersten Anzeichen bemerkte Lowri Denman im Jahr 2010 – rund drei Jahre nach einer dreimonatigen Reise durch Indien. Beim Toilettengang entdeckte sie einen etwa einen Meter langen Bandwurm.
„Er sah aus wie durchsichtiges Klebeband mit kleinen Rillen“, erinnert sie sich.
Obwohl sie ihren Hausarzt aufsuchte, ergaben die damaligen Stuhluntersuchungen keinen auffälligen Befund. Da sie sich ansonsten gesund fühlte, wurde zunächst keine weitere Ursache vermutet.
Reise nach Indien vermutlich Auslöser
Nach Einschätzung ihres behandelnden Infektiologen Dr. Brendan Healy infizierte sich Denman während ihrer Indienreise. Ironischerweise hatte sie dort bewusst auf Fleisch verzichtet, um Lebensmittelvergiftungen zu vermeiden.
Vermutlich nahm sie dennoch mikroskopisch kleine Eier des Schweinebandwurms über verunreinigte Lebensmittel oder Wasser auf. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erklärt, dass Menschen sich durch den Verzehr kontaminierter Nahrung oder aufgrund mangelnder Hygiene mit den Eiern infizieren können. Die Erkrankung entsteht dabei nicht zwingend durch den Verzehr von Schweinefleisch selbst.
Jahre später folgen schwere Symptome
Etwa ein Jahr nach dem Bandwurmbefund verschlechterte sich ihr Gesundheitszustand drastisch. Sie litt unter starken Kopfschmerzen und erlitt schließlich ihren ersten epileptischen Anfall.
Im Krankenhaus wurden eine Computertomographie und eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Das Ergebnis schockierte Ärzte und Familie gleichermaßen.
Auf den Aufnahmen fanden sich 38 Parasiten im Gehirn.
Zunächst vermuteten die Mediziner eine Toxoplasmose, also eine Infektion, die häufig mit Katzenkot in Verbindung gebracht wird. Erst nachdem Lowris Mutter auf den zuvor ausgeschiedenen Bandwurm hinwies, erfolgten weitere Untersuchungen, die schließlich zur Diagnose Neurozystizerkose führten.
Neurozystizerkose ist in Großbritannien extrem selten
Die Erkrankung entsteht, wenn sich Larven des Schweinebandwurms im Gehirn festsetzen. Dort bilden sie Zysten, die zu Entzündungen und Schwellungen führen können.
In Großbritannien werden jedes Jahr nur sehr wenige Fälle diagnostiziert. Die meisten Patienten stammen aus Regionen, in denen die Erkrankung häufiger vorkommt oder haben sich dort aufgehalten.
Dr. Brendan Healy bezeichnete Lowris Krankheitsverlauf als einmalig in seiner beruflichen Laufbahn.
Nach seinen Angaben sei der Fall sowohl mit führenden Spezialisten in Großbritannien als auch in den USA diskutiert worden. Er rechne nicht damit, während seiner weiteren Karriere noch einmal einen vergleichbaren Patienten zu behandeln.
Medikamente halfen zunächst
Nach der Diagnose wurde Lowri zwei Wochen lang stationär behandelt. Sie erhielt Medikamente gegen die Parasiten sowie hoch dosierte Kortisonpräparate, um die Entzündungen im Gehirn einzudämmen.
Zunächst verlief die Behandlung erfolgreich. Über mehrere Jahre konnte sie wieder reisen, Halbmarathons laufen und sogar nach Bristol umziehen.
Rückschlag mit psychischen Folgen
Später verschlechterte sich ihr Zustand jedoch erneut. Untersuchungen zeigten starke Schwellungen rund um die abgestorbenen Parasiten im Gehirn.
Es folgten neurologische Ausfälle, Taubheitsgefühle und schließlich schwere psychische Symptome.
Lowri entwickelte massive Angstzustände, Verfolgungswahn und psychotische Episoden. Zeitweise musste sie sechs Wochen in einer neuropsychiatrischen Klinik behandelt werden.
Freunde berichten, dass sie ihre langjährige Bekannte kaum wiedererkannten. Sie habe sich zeitweise wie ein kleines Kind verhalten, sei verwirrt gewesen und habe geglaubt, von der Polizei verfolgt zu werden.
Langsamer Weg zurück ins Leben
Nach ihrer Entlassung lebte Lowri zunächst wieder bei ihrem Vater. Über mehrere Jahre kämpfte sie sich Schritt für Schritt zurück ins Leben.
Sie absolvierte zunächst einen Kunstkurs und begann später ein Studium im Bereich Innenarchitektur. Seit 2022 arbeitet sie wieder.
Parasiten sind heute verkalkt
Die Parasiten befinden sich zwar weiterhin im Gehirn, sind inzwischen jedoch abgestorben und verkalkt.
Operativ entfernt werden mussten sie nicht.
Seit 2017 hatte Lowri keinen epileptischen Anfall mehr. Dennoch muss sie aufgrund der bleibenden Folgen lebenslang Medikamente gegen Epilepsie einnehmen.
Aufklärung statt Angst
Trotz ihrer außergewöhnlichen Erkrankung blickt Lowri nicht mit Bitterkeit auf ihre Indienreise zurück. Sie verbindet das Land weiterhin mit positiven Erinnerungen an Kultur, Landschaft und Menschen.
Heute möchte sie ihre Geschichte nutzen, um über Neurozystizerkose aufzuklären und anderen Betroffenen Mut zu machen.
„Ich bin einfach glücklich, noch am Leben zu sein und wieder gesund zu sein“, sagt sie. „Man weiß nie, was das Leben bereithält. Deshalb nehme ich heute nichts mehr als selbstverständlich.“


0 Kommentare