Die politische Sensation aus Serbien klingt zunächst gewaltig: Präsident Aleksandar Vučić will zurücktreten. Nach zwölf Jahren an der Macht, monatelangen Studentenprotesten und wachsendem Druck der Opposition soll innerhalb weniger Wochen Schluss sein.
Wer jetzt allerdings an einen echten Abschied glaubt, glaubt vermutlich auch, dass Politiker nach der Pensionierung nur noch Rosen züchten.
Denn während Vučić seinen Rücktritt ankündigt, erklärt er gleichzeitig, dass er natürlich den Wahlkampf seiner Partei anführen werde. Frei nach dem Motto: „Ich bin dann mal weg… aber bitte ohne mich anzufangen.“
Politik-Experten sehen deshalb keinen Machtwechsel, sondern eher einen Bürowechsel. Aus dem Präsidentenpalast könnte es direkt ins Amt des Ministerpräsidenten gehen. Das Schild an der Tür ändert sich – der Chef bleibt derselbe.
Auslöser der Proteste war der tödliche Einsturz eines Bahnhofsdachs in Novi Sad. Seitdem demonstrieren Studenten und Bürger gegen Korruption, Vetternwirtschaft und ein politisches System, das viele als festgefahren empfinden.
Vučić sieht das naturgemäß etwas anders. Für ihn sind an den Protesten selbstverständlich wieder ominöse ausländische Kräfte schuld. Das ist schließlich deutlich einfacher, als sich zu fragen, warum seit Monaten Hunderttausende auf die Straße gehen.
Die Opposition feiert die Rücktrittsankündigung trotzdem als Erfolg. Schließlich musste der Langzeitpräsident überhaupt reagieren. Andere bleiben skeptisch und sprechen von einem politischen Taschenspielertrick: Der König verlässt das Schachbrett – um im nächsten Zug als Dame wieder aufzutauchen.
Währenddessen verspricht Vučić erneut mehr Renten, mehr Sozialleistungen, weniger Korruption und eine bessere Zukunft. Ein Wahlprogramm, das ungefähr so neu wirkt wie die Ansage der Deutschen Bahn, dass man künftig pünktlicher werden wolle.
Bleibt also abzuwarten, ob Serbien tatsächlich vor einem politischen Neuanfang steht oder lediglich erlebt, wie derselbe Mann künftig auf einer anderen Visitenkarte unterschreibt.
Denn manchmal besteht ein Machtwechsel eben nur darin, dass der Bürostuhl einmal um 180 Grad gedreht wird.


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