Die Hoffnung liegt unter Tonnen von Beton.
Seit den verheerenden Erdbeben in Venezuela suchen Rettungskräfte unermüdlich nach Überlebenden. Während Bagger Trümmer beseitigen und Suchhunde jede noch so kleine Spur verfolgen, hören Helfer immer wieder Stimmen unter eingestürzten Gebäuden. Jede gerettete Person ist ein kleines Wunder – doch mit jeder vergehenden Stunde sinken die Überlebenschancen.
Nach aktuellen offiziellen Angaben kamen mindestens 235 Menschen ums Leben. Mehr als 1.500 Menschen wurden verletzt, viele weitere gelten als vermisst. Experten befürchten jedoch, dass die tatsächliche Zahl der Opfer deutlich höher liegen könnte.
Zwei gewaltige Erdbeben erschüttern das Land
Am Mittwochabend wurde Venezuela innerhalb weniger Sekunden von zwei außergewöhnlich starken Erdbeben getroffen. Zunächst erschütterte ein Beben der Stärke 7,2 das Land. Nur 39 Sekunden später folgte ein noch stärkeres Beben der Stärke 7,5.
Da beide Erdstöße in geringer Tiefe entstanden, entfalteten sie eine enorme Zerstörungskraft. Ganze Wohnhäuser, Hotels und Bürogebäude stürzten ein. Besonders schwer betroffen sind die Hauptstadt Caracas sowie die Küstenregion La Guaira.
Die US-Erdbebenwarte USGS spricht vom stärksten Erdbeben in Venezuela seit mehr als 100 Jahren.
Menschen suchen verzweifelt nach Angehörigen
Vor den Trümmern spielen sich dramatische Szenen ab. Angehörige warten stundenlang auf Nachrichten ihrer Familienmitglieder. Viele hoffen darauf, dass ihre Vermissten noch lebend geborgen werden.
Augenzeugen berichten von Hilferufen unter eingestürzten Gebäuden. Rettungskräfte arbeiten Tag und Nacht, häufig unter schwierigen Bedingungen. Immer wieder erschweren Nachbeben die Bergungsarbeiten und zwingen die Einsatzkräfte, ihre Suche kurzzeitig zu unterbrechen.
Nach offiziellen Angaben wurden allein in einem eingestürzten Wohnhaus im Großraum Caracas bereits zahlreiche Menschen lebend gerettet. Gleichzeitig werden dort jedoch weitere Opfer vermutet.
Infrastruktur schwer beschädigt
Auch die Infrastruktur des Landes wurde massiv getroffen. Der internationale Flughafen von Maiquetía musste wegen erheblicher Schäden geschlossen werden. Straßen sind unpassierbar, Strom- und Kommunikationsnetze wurden teilweise unterbrochen.
Besonders dramatisch ist die Lage in La Guaira, wo zahlreiche Gebäude vollständig zerstört wurden. Videos zeigen Hotels und Wohnhäuser, die in sich zusammengestürzt sind.
Internationale Hilfe läuft an
Die venezolanische Regierung hat den Notstand ausgerufen. Zahlreiche Staaten haben inzwischen Unterstützung zugesagt.
Die Vereinigten Staaten stellen nach eigenen Angaben 150 Millionen US-Dollar Soforthilfe bereit und entsenden Transportflugzeuge sowie Schiffe zur Unterstützung der Such- und Rettungsteams. Auch die Dominikanische Republik, El Salvador, Mexiko und Katar schicken Einsatzkräfte und humanitäre Hilfe.
Im Mittelpunkt stehen derzeit die Rettung Verschütteter, die medizinische Versorgung der Verletzten sowie die Unterbringung Tausender Menschen, die ihre Wohnungen verloren haben.
Weitere Nachbeben erschweren die Rettung
Seit den beiden Hauptbeben wurden bereits mehr als 30 Nachbeben registriert. Viele Menschen trauen sich deshalb nicht mehr in ihre beschädigten Häuser und verbringen die Nächte auf Straßen oder öffentlichen Plätzen.
Seismologen erklären die Katastrophe mit der Lage Venezuelas an der Grenze zweier tektonischer Platten. Dort können sich über Jahre enorme Spannungen aufbauen, die sich schließlich innerhalb weniger Sekunden entladen.
Sorge vor weiter steigenden Opferzahlen
Die amerikanische Erdbebenwarte USGS geht davon aus, dass die Zahl der Todesopfer weiter steigen könnte. Viele Gebäude konnten bislang noch nicht vollständig durchsucht werden. In zahlreichen eingestürzten Häusern werden weitere Verschüttete vermutet.
Für die Rettungskräfte beginnt nun ein Wettlauf gegen die Zeit. Mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung, noch Überlebende zu finden – doch aufgegeben hat vor Ort bislang niemand.
Jeder gerettete Mensch ist für die Helfer ein Zeichen, dass sich ihr unermüdlicher Einsatz lohnt. Gleichzeitig wächst der Bedarf an internationaler Unterstützung. Neben schwerem Bergungsgerät werden dringend Medikamente, Trinkwasser, Notunterkünfte und medizinisches Material benötigt.
Die kommenden Tage werden darüber entscheiden, wie viele Menschen noch lebend aus den Trümmern geborgen werden können – und wie groß das Ausmaß einer der schwersten Naturkatastrophen in der jüngeren Geschichte Venezuelas tatsächlich ist.


0 Kommentare