US-Vizepräsident JD Vance hat dem Watergate-Skandal eine moderne Medienkarriere verpasst: vom Staatssturz zur Zwölfstunden-News.
Bei einem Auftritt in der Richard Nixon Presidential Library erklärte Vance, Watergate würde heute vermutlich nur noch als kurze Schlagzeile durchgehen – ungefähr so lange sichtbar wie ein Smartphone-Update, das man wegklickt, bevor es fertig gelesen ist. Die Vorstellung, dass dieser Skandal einst eine US-Präsidentschaft zu Fall gebracht habe, bezeichnete er sinngemäß als „überbewertet“. In der modernen Medienlogik: zu wenig Breaking News, zu viel Geschichte.
Wenn Geschichte ein bisschen weniger dramatisch wäre
Zur Erinnerung: Watergate war der politische Klassiker mit Einbruch, Abhörgeräten, Vertuschung und einem Präsidenten, der am Ende lieber selbst ging, bevor ihn andere rauskomplimentierten. Damals ein Jahrhundertskandal – heute nach Vance offenbar eher ein Fall für die Kategorie „unter ferner liefen, aber mit gutem SEO“.
Nixon, Trump und die große Ähnlichkeits-Playlist
Natürlich blieb es nicht bei Medienkritik. Vance zog auch Parallelen zwischen Richard Nixon und Donald Trump und erklärte, beide seien Opfer eines sogenannten „Deep State“ gewesen. Belege? In etwa so sichtbar wie der legendäre zweite Ohrhörer eines verlorenen AirPods.
Besonders kreativ wurde es, als Vance die Parallele schließlich auf sich selbst ausweitete: Nixon, Trump und er selbst – quasi eine politische Dreifaltigkeit der missverstandenen Medienhelden. Ein junger Senator, Bestsellerautor, von Journalisten kritisch beäugt – die Storyline steht offenbar schon.
Fazit aus der Geschichtswerkstatt
Wenn man Vances Version folgt, war Watergate weniger ein Angriff auf die Demokratie als vielmehr ein sehr frühes Beispiel für „schlechte Presse mit Langzeitwirkung“.
Oder anders gesagt: Früher brauchte ein Skandal Jahre, um eine Präsidentschaft zu beenden. Heute würde er laut dieser Logik wahrscheinlich nicht einmal den Ladebalken der Nachrichten-App überleben.


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