Die Europäische Kommission hat ein Kartellverfahren gegen den Pharmakonzern Sanofi eingeleitet. Der Verdacht: Im Kampf um ältere Patienten könnte der Wettbewerb nicht ganz so „immun“ gewesen sein, wie er sollte.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, ob Sanofi seinen verstärkten Grippeimpfstoff „Efluelda“ in einer PR-Kampagne etwas zu selbstbewusst als die bessere Wahl dargestellt hat – und dabei den Impfstoff eines Konkurrenten möglicherweise rhetorisch eher in Richtung „Placebo mit PR-Problem“ geschoben hat.
Impfstoff-Vergleich mit Nebenwirkungen: Wettbewerb
Konkret prüft die EU-Wettbewerbsbehörde, ob Sanofi im Vergleich mit dem Produkt „Fluad“ des Herstellers CSL Seqirus über das Ziel hinausgeschossen ist.
Beide Impfstoffe richten sich vor allem an Menschen über 60 und sollen einen stärkeren Schutz gegen Grippe bieten. In der Werbewelt der Pharmaindustrie ist das normalerweise ein freundliches Kopf-an-Kopf-Rennen – kein Boxkampf im Labor.
Doch laut EU-Kommission soll Sanofi in einer Kampagne sinngemäß behauptet haben, die wissenschaftliche Grundlage von „Fluad“ sei schwächer als die eigene. Eine Aussage, die – so trocken wie ein Beipackzettel – offenbar nicht ganz mit den Einschätzungen mehrerer Fachgremien übereinstimmt, darunter nationale Impfkommissionen sowie das europäische ECDC.
Sanofi: Wir waren nur sehr überzeugt
Sanofi weist die Vorwürfe zurück. Das Unternehmen sieht sich offenbar eher in der Rolle des besonders überzeugten Teamplayers im Impfstoffmarkt als eines Wettbewerbsverzerrers mit Werbebudget.
Wenn Medizin auf Marketing trifft
Die zentrale Frage der EU lautet nun: Ab wann ist „unser Produkt ist besser“ noch legitime Werbung – und ab wann klingt es eher wie ein medizinisch formuliertes „Vertrau uns einfach, wir haben das größere Mikroskop“?
Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, könnte aus einem klassischen Pharma-Wettstreit schnell ein Lehrbuchfall für Wettbewerbsrecht werden – mit Nebenwirkungen für die gesamte Branche.


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