WM-KOMMENTAR: Portugal auf Titeljagd, England auf Ideensuche und Kroatien mogelt sich Richtung Sechzehntelfinale

WM-KOMMENTAR: Portugal auf Titeljagd, England auf Ideensuche und Kroatien mogelt sich Richtung Sechzehntelfinale

Veröffentlicht

Mittwoch, 24.06.2026
von Red. TB

Der WM-Abend hatte alles zu bieten: Tore, Langeweile, Aluminiumtreffer, verzweifelte englische Fans und eine portugiesische Mannschaft, die offenbar beschlossen hat, den Rest der Welt vorsorglich einzuschüchtern.

Während Portugal ein Offensivfeuerwerk abbrannte, übte England erfolgreich die Kunst des kreativen Stillstands. Kroatien wiederum zeigte, dass man auch mit überschaubarer Begeisterung und wenig Spektakel wichtige Punkte einsammeln kann.

Portugal spielt Fußball, als hätte jemand den Schwierigkeitsgrad reduziert

Wer Portugal gegen Usbekistan gesehen hat, könnte den Verdacht entwickeln, die Iberer hätten heimlich den Cheat-Code für die Weltmeisterschaft gefunden.

Bereits zur Halbzeit stand es 3:0, und die Partie war ungefähr so offen wie eine verschlossene Tresortür. Nach dem Seitenwechsel machten die Portugiesen dort weiter, wo sie aufgehört hatten: beim Tore schießen und Gegner frustrieren.

Selbst als Bruno Fernandes und Cristiano Ronaldo noch einige Chancen liegen ließen, geriet der Sieg nie in Gefahr. Spätestens das Eigentor von Khusanov machte klar, dass an diesem Abend sogar die Usbeken für Portugal trafen.

Das 5:0 durch Rafael Leão rundete einen Abend ab, an dem Portugal aussah wie eine Mannschaft, die entweder Weltmeister werden oder zumindest jedem Gegner Albträume bescheren möchte.

England entdeckt eine neue Taktik: Ballbesitz ohne Gefahr

Auf der anderen Seite Europas saßen Millionen englische Fans vor dem Fernseher und stellten sich dieselbe Frage:

War das jetzt Fußball oder eine sehr lange Übungseinheit?

Beim 0:0 gegen Ghana brachte England das Kunststück fertig, trotz deutlich mehr Ballbesitz in der ersten Halbzeit keinen einzigen Torschuss abzugeben. Null. Niente. Nothing.

Die Three Lions schoben den Ball geduldig hin und her, vermutlich in der Hoffnung, dass Ghana irgendwann aus Mitleid ein Tor zulässt.

Tat Ghana aber nicht.

Ghana baut eine Mauer – England findet keinen Eingang

Die Ghanaer verteidigten mit der Entschlossenheit eines Türstehers vor einem exklusiven Nachtclub.

England klopfte an, suchte den Schlüssel, probierte die Hintertür und schaute sogar durchs Fenster. Doch hinein kam niemand.

Die größte Chance vergab Harry Kane kurz vor Schluss, als er aus aussichtsreicher Position den Ball Richtung Mond schickte.

Englands Fans kennen solche Abende mittlerweile. Viel Ballbesitz, viele Erwartungen und anschließend Diskussionen darüber, ob das vielleicht alles Teil eines genialen Plans ist.

Panama gewinnt Herzen, Kroatien gewinnt Punkte

Im zweiten Spiel des Abends zeigte Panama eine Leistung, die eigentlich einen Sieg verdient gehabt hätte.

Die Mittelamerikaner rannten, kämpften, schossen, trafen Aluminium und zwangen Dominik Livaković zu mehreren Glanzparaden.

Kurz gesagt: Panama machte fast alles richtig.

Fast.

Denn Kroatien machte das Einzige richtig, was auf dem Spielberichtsbogen zählt: ein Tor.

Ante Budimir erzielte den Treffer des Tages und sorgte dafür, dass Kroatien mit drei Punkten vom Platz ging, während Panama mit leeren Händen und viel Frust zurückblieb.

Kroatien öffnet die Tür zum Sechzehntelfinale

Die Kroaten spielen bislang nicht gerade Fußball zum Zungeschnalzen. Eher Fußball zum höflichen Nicken.

Aber sie gewinnen.

Und genau deshalb steht die Mannschaft von Zlatko Dalić nun mit einem Bein im Sechzehntelfinale.

Die Erfahrung, die Ruhe und die Fähigkeit, auch schlechte Spiele irgendwie zu gewinnen, machen Kroatien weiterhin gefährlich.

Panama hingegen kann sich wenig dafür kaufen, die sympathischere Mannschaft gewesen zu sein. Die WM ist leider kein Beliebtheitswettbewerb.

Das WM-Zwischenfazit

Portugal spielt derzeit wie ein Titelkandidat.

Ghana verteidigt wie eine Festung.

Kroatien sammelt Punkte wie ein sparsamer Rentner Rabattmarken.

Und England? England sucht weiterhin nach dem geheimnisvollen Schalter, der Ballbesitz in Torchancen verwandelt.

Die Gruppenphase biegt auf die Zielgerade ein. Portugal marschiert bereits Richtung Sechzehntelfinale, Kroatien steht kurz davor, und England sollte möglichst bald herausfinden, dass Tore im Fußball durchaus hilfreich sein können.

Sonst endet der Traum vom WM-Titel womöglich früher als die nächste Pressekonferenz von Thomas Tuchel.

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von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 24.06.2026

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