Eigentlich sollte es ein feierlicher Tag werden. Talare, stolze Familien, motivierende Reden und die Aussicht auf lebenslange Studienkredite. Doch als Google-Chef Sundar Pichai bei der Abschlussfeier der Stanford University ans Rednerpult trat, entschieden sich zahlreiche Absolventen spontan für die praktische Anwendung ihrer neu erworbenen Fähigkeiten: den geordneten Rückzug.
Rund 200 Studierende verließen laut Medienberichten die Veranstaltung. Einige schwenkten Palästina-Flaggen, andere hielten Schilder mit Botschaften gegen Googles Zusammenarbeit mit US-Behörden hoch. Wieder andere nutzten vermutlich einfach die Gelegenheit, den Stau am Parkplatz zu vermeiden.
Pichai kontert mit Dad-Joke
Der Google-Chef hatte offenbar mit Protesten gerechnet und reagierte mit Humor.
„Viele dachten, das wird schwierig für mich“, sagte er. „Schließlich sind die letzten zwei Buchstaben meines Nachnamens AI.“
Der Witz löste immerhin keine weiteren Massenfluchten aus. Vermutlich, weil die Betroffenen bereits draußen waren.
KI: Das neue Reizwort auf US-Campussen
In den USA entwickelt sich Künstliche Intelligenz inzwischen zum akademischen Äquivalent eines Feueralarms. Kaum erwähnt ein Redner die Technologie, beginnt irgendwo im Publikum ein kollektives Augenrollen.
Bereits im Mai wurde Ex-Google-Chef Eric Schmidt an der University of Arizona ausgebuht, als er über die Chancen von KI sprach. Auch andere Festredner mussten feststellen, dass „Die KI-Revolution kommt“ bei Absolventen derzeit ungefähr so beliebt ist wie die Ankündigung einer zusätzlichen Prüfungswoche.
Studenten haben Fragen
Viele Studierende sorgen sich, dass KI künftig ihre Jobs übernehmen könnte.
Schließlich ist die Vorstellung wenig beruhigend, vier Jahre lang studiert zu haben, nur um anschließend von einem Chatbot ersetzt zu werden, der nie schläft, keine Gehaltserhöhung verlangt und nicht einmal Kaffeepausen braucht.
Andere kritisieren die Zusammenarbeit großer Technologiekonzerne mit Regierungen und Sicherheitsbehörden. Der Protest in Stanford richtete sich daher nicht nur gegen KI, sondern auch gegen Googles Rolle bei staatlichen Projekten.
Abschluss mit Nebenwirkungen
So wurde aus der traditionellen Abschlussfeier eine Mischung aus Protestveranstaltung, Technologiedebatte und unfreiwilligem Fitnessprogramm für alle Beteiligten, die gleichzeitig Talar, Protestschild und Smartphone tragen mussten.
Immerhin lernten die Absolventen noch eine letzte wichtige Lektion fürs Berufsleben:
Wenn der Chef spricht und man nicht einverstanden ist, kann man manchmal einfach aufstehen und gehen. Nur meistens nicht gleich am ersten Arbeitstag.


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