Früher fuhr man nach Paris, um den Eiffelturm zu sehen.
Heute fährt man nach Paris, um sich von einer Brille erklären zu lassen, wie hoch der Eiffelturm ist – und anschließend mit der Brille darüber zu diskutieren.
Genau das ist einer Testerin passiert. Die KI-Brille erklärte zunächst voller Überzeugung, der Eiffelturm sei 330 Meter hoch. Wenige Minuten später korrigierte sie sich ebenso selbstbewusst auf 324 Meter. Offenbar hatte die künstliche Intelligenz beschlossen, dem berühmtesten Wahrzeichen Frankreichs spontan sechs Meter wegzunehmen. Inflation rückwärts.
Das Faszinierende dabei: Die Brille klang beide Male so überzeugt, als hätte sie den Turm persönlich gebaut.
Willkommen in der wunderbaren Welt der KI.
Die neue Generation intelligenter Brillen verspricht Reisenden das Paradies. Sie übersetzt Speisekarten, erklärt Sehenswürdigkeiten, gibt Wegbeschreibungen und beantwortet nahezu jede Frage.
Kurz gesagt:
Früher fragte man einen Pariser Kellner.
Heute fragt man eine Sonnenbrille.
Der Kellner verdrehte vielleicht die Augen.
Die Brille erfindet gelegentlich Fakten.
Fortschritt nennt man das.
Besonders praktisch wird es, wenn man sich verläuft. Die Brille lotst einen sicher durch die Stadt. Leider verpasst man dadurch auch jene legendären Reiseerlebnisse, die entstehen, wenn man völlig falsch abbiegt und plötzlich das beste Café seines Lebens entdeckt.
Stattdessen landet man zuverlässig dort, wo bereits 500 andere Touristen sitzen und ihre KI-Brillen fragen, welches Croissant authentisch wirkt.
Auch die Übersetzungsfunktion funktioniert erstaunlich gut. Die Brille kann Menüs erklären, Preise umrechnen und Informationen liefern.
Was sie allerdings nicht kann: einem erklären, warum man 14 Euro für einen Kaffee bezahlt hat.
Dafür reicht selbst künstliche Intelligenz noch nicht.
Hinzu kommt die Datenschutzfrage. Die Brille besitzt Kamera, Mikrofone und Internetzugang. Manche Menschen fühlen sich dadurch beobachtet.
Andere fragen sich inzwischen, ob sie überhaupt noch mit echten Menschen sprechen oder nur noch mit Geräten, die aussehen wie eine Ray-Ban und die Persönlichkeit eines besonders gesprächigen Reiseführers besitzen.
Am Ende bleibt die Erkenntnis:
Die KI-Brille kann vieles.
Sie kennt Sehenswürdigkeiten.
Sie übersetzt Speisekarten.
Sie kennt Wechselkurse.
Sie kennt historische Fakten.
Manchmal sogar die richtigen.
Aber eines kann sie nicht ersetzen:
Das Vergnügen, sich in einer fremden Stadt zu verlaufen, jemanden nach dem Weg zu fragen und dabei eine Geschichte zu erleben, die in keiner Datenbank der Welt gespeichert ist.
Und genau deshalb wird der beste Reisebegleiter auch künftig nicht künstliche Intelligenz sein.
Sondern gelegentlich ein schlechter Orientierungssinn.


0 Kommentare