Fünf WM-Titel hat Brasilien bereits gewonnen. Doch nachdem die letzten Turniere nicht ganz nach Plan verliefen, setzt die Seleção nun auf die vielleicht größte Revolution der Fußballgeschichte: intelligente Westen, Sensoren, GPS-Daten und Computer, die vermutlich mehr über die Spieler wissen als deren Ehefrauen.
Unter den Trikots tragen Brasiliens Stars inzwischen sogenannte „Smart Vests“. Optisch erinnern sie an Sport-BHs, technisch eher an Raumfahrtprogramme. Die Westen messen Herzfrequenz, Sprintgeschwindigkeit, Ermüdung und vermutlich bald auch die Wahrscheinlichkeit, ob ein Spieler nach dem Training noch Lust auf Interviews hat.
Die Botschaft ist klar: Früher gewann Brasilien Weltmeisterschaften mit Pelé, Romário und Ronaldo. Heute soll es ein GPS-Sender richten.
Chef-Datenflüsterer Guilherme Passos sammelt die Informationen aus Vereinen auf der ganzen Welt. Egal ob ein Nationalspieler gerade in Madrid, Manchester oder Mailand trainiert – irgendwo sitzt ein Computer und weiß ganz genau, wie schnell er gestern zum Eckball gelaufen ist.
Das Ziel: Trainer Carlo Ancelotti soll bei der WM keine Entscheidung mehr treffen müssen, ohne vorher mindestens 37 Diagramme, 14 Belastungskurven und eine künstliche Intelligenz konsultiert zu haben.
Besonders stolz ist man auf die Verletzungsüberwachung. Sobald ein Spieler ein paar Meter zu schnell sprintet, schlagen die Systeme Alarm. Früher hieß das Risiko. Heute heißt es Datenmanagement.
Doch die Technik stößt auch an Grenzen. So entdeckten die Experten einmal einen Spieler, der pro Spiel nur sechs Kilometer lief, während andere zwölf Kilometer abspulten. Die Computer stuften ihn fast als bewegungsfaulen Statisten ein. Erst beim Blick auf die Videos fiel auf: Der Mann stand einfach immer genau dort, wo er stehen musste. Ein Schockmoment für die Datenanalysten. Offenbar gibt es im Fußball noch immer Dinge, die man nicht in Tabellen pressen kann.
Für die WM 2026 setzt Brasilien zusätzlich auf künstliche Intelligenz. Das FIFA-System „Football AI Pro“ analysiert Millionen Datenpunkte und liefert den Trainern Empfehlungen. Kritiker vermuten bereits, dass demnächst nicht mehr Ancelotti die Aufstellung macht, sondern ein Algorithmus mit WLAN-Verbindung.
Am Ende bleibt allerdings ein Problem ungelöst: Computer können messen, wie schnell ein Spieler läuft. Sie können berechnen, wie hoch seine Herzfrequenz ist. Sie können sogar vorhersagen, wann er müde wird.
Sie können aber immer noch nicht garantieren, dass Neymar rechtzeitig fit wird, Vinicius das Tor trifft oder Brasilien am Ende tatsächlich Weltmeister wird.
Manchmal entscheidet im Fußball eben doch noch der Mensch. Eine bedauerliche Schwäche des Systems.


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