Fremdwährungskredite in Österreich weiter auf dem Rückzug – Bestand sinkt auf historischen Tiefstand

Fremdwährungskredite in Österreich weiter auf dem Rückzug – Bestand sinkt auf historischen Tiefstand

Veröffentlicht

Mittwoch, 10.06.2026
von Red. TB

Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) verzeichnet einen weiteren deutlichen Rückgang bei Fremdwährungskrediten privater Haushalte. Nach den aktuellen Zahlen für das erste Quartal 2026 verringerte sich das ausstehende Volumen wechselkursbereinigt um 4,0 Prozent auf rund 5,09 Milliarden Euro. Damit machen Fremdwährungskredite inzwischen nur noch 2,8 Prozent aller Kredite an private Haushalte in Österreich aus.

Die Entwicklung markiert einen weiteren Schritt im langfristigen Abbau eines Finanzierungsmodells, das in den Jahren vor der Finanzkrise weit verbreitet war und später erhebliche Risiken für Kreditnehmer und Banken offenbarte.

Dramatischer Rückgang seit dem Fremdwährungsboom

Besonders deutlich wird die Entwicklung im langfristigen Vergleich. Seit dem von der FMA im Jahr 2008 verhängten Neuvergabe-Stopp für Fremdwährungskredite ist das Volumen dieser Finanzierungen um rund 44,4 Milliarden Euro beziehungsweise 92 Prozent zurückgegangen.

Noch Mitte der 2000er-Jahre waren Fremdwährungskredite vor allem in Schweizer Franken bei österreichischen Haushalten äußerst beliebt. Viele Kreditnehmer hofften damals von niedrigeren Zinsen im Ausland zu profitieren. Im Jahr 2006 entfiel nahezu ein Drittel aller privaten Kredite in Österreich auf Fremdwährungsfinanzierungen.

Mit dem Ausbruch der globalen Finanzkrise änderte sich die Situation jedoch grundlegend. Währungsschwankungen führten bei vielen Kreditnehmern zu erheblichen Mehrbelastungen und machten die Risiken dieser Finanzierungsform deutlich sichtbar.

Schweizer Franken bleibt dominierende Fremdwährung

Auch heute entfallen nahezu alle noch bestehenden Fremdwährungskredite auf den Schweizer Franken. Nach Angaben der FMA werden 99,1 Prozent des verbliebenen Bestands in der Schweizer Währung geführt. Der kleine Rest verteilt sich nahezu vollständig auf Kredite in japanischen Yen.

Gerade die Entwicklung des Schweizer Frankens verdeutlicht die Risiken, denen Kreditnehmer über Jahre ausgesetzt waren. Seit dem Jahr 2008 hat die Schweizer Währung gegenüber dem Euro um rund 80 Prozent aufgewertet. Wer einen Kredit in Franken aufgenommen hatte, musste daher häufig feststellen, dass die Rückzahlung in Euro deutlich teurer wurde als ursprünglich kalkuliert.

Im ersten Quartal 2026 bewegte sich der Wechselkurs des Schweizer Frankens bei rund 0,9194 Franken je Euro.

Viele Kredite laufen erst in den kommenden Jahren aus

Trotz des starken Rückgangs besteht weiterhin ein beträchtlicher Restbestand. Nach Schätzungen der FMA werden die meisten verbliebenen Fremdwährungskredite erst zwischen 2029 und 2033 fällig.

Dies bedeutet, dass zahlreiche Kreditnehmer auch in den kommenden Jahren den Entwicklungen an den Devisenmärkten ausgesetzt bleiben. Insbesondere bei endfälligen Krediten können Wechselkursbewegungen erhebliche Auswirkungen auf die tatsächliche Rückzahlungssumme haben.

Banken sollen aktiv auf Kunden zugehen

Vor diesem Hintergrund fordert die Finanzmarktaufsicht die Kreditinstitute weiterhin dazu auf, regelmäßig das Gespräch mit betroffenen Kreditnehmern zu suchen. Mindestens einmal jährlich sollen Banken die individuelle Situation ihrer Kunden überprüfen und mögliche Risiken besprechen.

Die FMA empfiehlt Kreditnehmern ausdrücklich, diese Gesprächsangebote wahrzunehmen. Ziel ist es, frühzeitig Lösungen zu finden und mögliche Belastungen durch Wechselkursänderungen oder die bevorstehende Endfälligkeit der Kredite zu reduzieren.

Lehren aus der Finanzkrise

Die Entwicklung der Fremdwährungskredite gilt heute als eines der prägnantesten Beispiele dafür, wie vermeintlich attraktive Finanzierungsmöglichkeiten langfristig erhebliche Risiken bergen können. Während viele Kreditnehmer ursprünglich von niedrigeren Zinsen profitieren wollten, führte die starke Aufwertung des Schweizer Frankens bei zahlreichen Haushalten zu deutlich höheren Rückzahlungsverpflichtungen.

Aus Sicht der Aufsichtsbehörden hat sich der 2008 verhängte Neuvergabe-Stopp als wirksames Instrument erwiesen, um die Risiken für den österreichischen Finanzsektor schrittweise abzubauen.

Fazit

Der Bestand an Fremdwährungskrediten in Österreich befindet sich weiterhin auf dem Rückzug und hat mittlerweile nur noch einen Bruchteil seines früheren Umfangs erreicht. Dennoch bleiben die verbliebenen Kredite aufgrund der langfristigen Laufzeiten und der Wechselkursrisiken ein relevantes Thema für viele betroffene Haushalte.

Die aktuellen Zahlen zeigen zugleich, wie nachhaltig die österreichischen Aufsichtsbehörden die Risiken aus der Fremdwährungskredit-Vergangenheit reduziert haben. Bis die letzten Kredite auslaufen, werden jedoch noch mehrere Jahre vergehen.

0 Kommentare

Einen Kommentar abschicken

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Bildnachweis:

InspiredImages (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Mittwoch, 10.06.2026

Diebewertung Netzwerk

Weitere Portale

Crowdinvesting Shop

Samstagszeitung - Wochenzeitung Verbraucherschutzforum Berlin

Archiv