Kaum hatte Donald Trump seine große China-Reise beendet, die Hände geschüttelt, Kameras gesucht und sich zwischen Milliardären und Staatschefs inszeniert, meldete sich plötzlich auch der Kreml zu Wort:
„Ähm … Wladimir Putin kommt übrigens auch bald nach China.“
Die diplomatische Übersetzung lautet ungefähr:
„Bitte vergesst uns nicht.“
Denn in Moskau scheint man nervös zu beobachten, dass Xi Jinping inzwischen mit allen Weltmächten gleichzeitig Geschäfte macht, während Russland immer mehr wie der unangenehme Bekannte wirkt, der nach einer wilden Party dauerhaft auf dem Sofa wohnen geblieben ist.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte feierlich, die Reise sei bereits vorbereitet und ein Treffen mit Xi werde „sehr bald“ stattfinden. Man werde über internationale Themen und die hervorragenden bilateralen Beziehungen sprechen.
Oder einfacher gesagt:
Russland braucht dringend jemanden, der noch russisches Öl kauft.
Seit westliche Sanktionen die russische Wirtschaft zunehmend belasten, ist China für Moskau ungefähr das geworden, was ein letzter funktionierender Geldautomat für einen verschwenderischen Spieler ist. Öl, Gas, Rohstoffe – alles geht Richtung Osten. Und Peking kauft fleißig ein, natürlich zu „Freundschaftspreisen“, bei denen vermutlich nur eine Seite wirklich lächelt.
Xi Jinping wiederum beherrscht die hohe Kunst, gleichzeitig freundlich und eiskalt zu wirken. China unterstützt Russland wirtschaftlich gerade genug, damit Moskau nicht komplett abstürzt – aber niemals so offen, dass man selbst ernsthafte Probleme mit dem Westen bekommt.
Das ist geopolitisches Kung-Fu auf höchstem Niveau.
Während Putin auf Loyalität hofft, verfolgt China vor allem chinesische Interessen. Peking präsentiert sich dabei gerne als neutraler Vermittler zwischen Russland und der Ukraine, ungefähr so glaubwürdig wie ein Schiedsrichter im Fußball, der zufällig das Trikot einer Mannschaft trägt.
Besonders amüsant wirkt der Zeitpunkt der Reise. Erst läuft Donald Trump mit den größten Tech-Milliardären Amerikas durch China, kurz darauf kündigt der Kreml hektisch Putins Besuch an. Fast wirkt es ein wenig wie:
„Hallo Xi … ich bin übrigens auch noch da.“
Wahrscheinlich wird Putin in Peking wieder betonen, wie stark und unabhängig Russland sei. Direkt danach wird man dann vermutlich über neue Energieverträge, Handelsrabatte und wirtschaftliche Zusammenarbeit sprechen – also darüber, wie unabhängig man ohne China inzwischen noch wäre.
Doch immerhin bleibt die Freundschaft offiziell „grenzenlos“.
Zumindest solange die Rechnungen bezahlt werden.

