Der ehrliche, völlig unkorrupte Donald Trump

Der ehrliche, völlig unkorrupte Donald Trump

Veröffentlicht

Freitag, 15.05.2026
von Red. TB

Es war einmal im Königreich Amerika ein Herrscher mit goldener Frisur, goldenen Wasserhähnen und einem Ego, das selbst vom Mond aus sichtbar gewesen sein soll. Sein Name war Donald der Ehrliche, Beschützer der Wahrheit, Bezwinger der Fake News und zufällig auch Meister der wundersamen Aktiengewinne.

Jeden Morgen trat König Donald auf den Balkon seines Schlosses Mar-a-Lago und verkündete mit ernster Stimme:

„Niemand ist ehrlicher als ich. Niemand kennt Korruption besser als ich. Deshalb bin ich dagegen.“

Das Volk war beeindruckt. Manche weinten sogar vor Patriotismus, andere kauften sofort neue Fanartikel aus chinesischer Produktion.

Doch tief im Keller des Schlosses befand sich die geheimnisvolle Zauberkammer der Börse. Und dort geschahen wahrhaft magische Dinge. Immer wenn König Donald politische Entscheidungen traf, stiegen plötzlich exakt jene Firmen im Wert, in die zuvor zufällig investiert worden war.

Die königlichen Berater nannten dieses Wunder:
„freien Markt“.

Eines Tages kaufte der ehrliche König riesige Mengen Nvidia-Zauberkristalle. Nur eine Woche später erlaubte sein Handelsministerium plötzlich wieder den Verkauf wichtiger Kristalle nach China.

„Ein unglaublicher Zufall“, erklärten die Hofsprecher.

„Der König konnte unmöglich ahnen, welche Entscheidungen seine eigene Regierung treffen würde.“

Das Volk nickte ehrfürchtig. Schließlich wusste jeder: Niemand wird häufiger von Dingen überrascht als Donald Trump von Donald Trump.

Kurze Zeit später kaufte der König noch mehr Nvidia-Aktien. Und wie durch göttliche Fügung verkündete Nvidia plötzlich ein gigantisches Bündnis mit Meta.

Die Aktien stiegen schneller als die Staatsschulden unter amerikanischen Präsidenten.

„Reiner Zufall!“, riefen die Hofnarren nun schon etwas hektischer.

Auch die mächtige Firma Palantir erhielt großzügige Aufträge vom Königreich: Überwachung, Grenzsicherung, KI-Systeme und alles, was in einem modernen Märchenstaat eben dazugehört. Praktischerweise hatte König Donald zuvor ebenfalls Palantir-Aktien gekauft.

„Das beweist nur sein hervorragendes Gespür für die Wirtschaft“, erklärten seine Anhänger begeistert.

Andere Menschen nannten so etwas früher Insiderhandel, aber das war natürlich bloß linker Kommunismus.

Besonders rührend war auch die Reise des Königs nach China. Begleitet wurde er von den mächtigsten Tech-Baronen des Landes: Tim Cook, Elon Musk, Jensen Huang und anderen Milliardären, die aussahen wie Endgegner aus einem Cyberpunk-Film.

Sie standen hinter dem König wie eine Mischung aus Oligarchentreffen und Casting für den nächsten James-Bond-Bösewicht.

Und während all das geschah, donnerte König Donald weiterhin bei jeder Gelegenheit:

„Politiker dürfen niemals von Insiderinformationen profitieren!“

An dieser Stelle brachen selbst einige Journalisten kurz in Gelächter aus, bevor sie wieder zur Tagesordnung übergingen.

Da trat schließlich ein kleiner Junge aus dem Volk hervor und fragte:

„Wenn ein König politische Entscheidungen trifft, gleichzeitig in genau diese Firmen investiert und anschließend Millionen verdient … ist das dann nicht Korruption?“

Da wurde es plötzlich still.

So still, dass man fast hören konnte, wie irgendwo ein Lobbyist einen Scheck unterschrieb.

Der königliche Sprecher trat nach vorne und erklärte:
„Der König hat damit selbstverständlich nichts zu tun. Das erledigen andere Leute.“

„Welche anderen Leute?“, fragte der Junge.

„Sehr ehrliche Leute“, antwortete der Sprecher schnell.

Und wenn sie heute noch traden, dann erklärt man dem Volk wahrscheinlich bis heute, dass das alles nur patriotischer Kapitalismus gewesen sei.

Bildnachweis:

reidy68 (CC0), Pixabay

von Autor: Red. TB
am: Freitag, 15.05.2026

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