Während Verbraucher weltweit unter steigenden Energiepreisen leiden, explodieren bei den großen Ölkonzernen erneut die Gewinne. Nach BP meldet nun auch Shell massive Gewinnsprünge infolge des Iran-Krieges und der Energiekrise rund um die Straße von Hormus.
Der britische Energieriese erzielte im ersten Quartal einen Gewinn von rund 6,9 Milliarden Dollar – deutlich mehr als von Analysten erwartet und erheblich mehr als im Vorjahr.
Damit zeigt sich erneut ein Muster, das viele bereits aus der Ukraine-Krise kennen: Geopolitische Konflikte treiben Öl- und Gaspreise nach oben – und die großen Energiekonzerne verdienen prächtig daran.
Straße von Hormus wird zur Goldgrube für Ölkonzerne
Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran herrscht auf den Energiemärkten extreme Nervosität. Die Straße von Hormus, über die normalerweise rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Transports laufen, ist faktisch blockiert.
Der Ölpreis schoss zeitweise auf über 120 Dollar pro Barrel. Genau diese massiven Preisschwankungen spielen großen Ölkonzernen und Rohstoffhändlern in die Karten.
Shell profitierte laut eigenen Angaben insbesondere vom boomenden Ölhandel und höheren Raffineriemargen. Vereinfacht gesagt: Je größer die Unsicherheit und die Preisschwankungen, desto größer oft auch die Gewinne im Handel.
Kriegsschäden – aber trotzdem Milliardenüberschüsse
Bemerkenswert ist dabei: Shell selbst ist von den Konflikten durchaus betroffen. Die LNG-Produktion in Katar wurde bereits Anfang März gestoppt. Auch die wichtige Pearl-GTL-Anlage des Konzerns in Katar wurde beschädigt.
Trotzdem steigen die Gewinne massiv.
Das zeigt vor allem eines: Die globalen Öl- und Gasmärkte sind inzwischen so stark von Krisen geprägt, dass Konzerne selbst bei Produktionsausfällen enorme Profite erzielen können.
Verbraucher und Unternehmen zahlen die Zeche
Während Shell Milliarden verdient, steigen weltweit die Belastungen für Verbraucher und Unternehmen.
In Großbritannien rechnen Experten bereits mit deutlich höheren Strom- und Gasrechnungen ab Juli. Auch Benzinpreise ziehen weltweit an. Gleichzeitig steigen Transportkosten und Inflationsrisiken.
Besonders kritisch sehen Umweltorganisationen diese Entwicklung. Sie werfen den Energiekonzernen vor, von geopolitischen Krisen massiv zu profitieren, während Bürger die finanziellen Folgen tragen.
Die Forderung nach einer stärkeren Übergewinnsteuer wird deshalb erneut lauter.
Auch Reedereien geben Kosten weiter
Nicht nur Ölkonzerne profitieren oder reagieren auf die Krise. Der dänische Schifffahrtsriese Maersk erklärte offen, steigende Energiekosten an Kunden weiterzugeben.
Allein die zusätzlichen Belastungen durch die Krise lägen inzwischen bei rund einer halben Milliarde Dollar pro Monat.
Auch hier zeigt sich ein bekanntes Muster: Höhere Energiepreise verteuern letztlich nahezu alle Wirtschaftsbereiche – von Transport über Lebensmittel bis hin zu Industrieproduktion.
Die große Unsicherheit bleibt
Das eigentliche Problem aber liegt tiefer. Niemand weiß derzeit, wie lange der Konflikt anhält oder wann die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet wird.
Sollte Iran künftig sogar Gebühren für die Durchfahrt erheben oder die Region dauerhaft instabil bleiben, könnte das die globale Energie- und Handelsordnung langfristig verändern.
Für Shell und andere Ölriesen bedeuten Krisen kurzfristig Rekordgewinne.
Für Verbraucher und Unternehmen weltweit dagegen werden sie immer mehr zum Dauerproblem.

