Es hätte ein stiller Protest für israelische Geiseln werden sollen. Menschen liefen gemeinsam durch die Straßen, hielten Fotos hoch, wollten erinnern. Dann verwandelte sich der Nachmittag in ein Flammenmeer.
Jetzt hat der mutmaßliche Täter, Mohamed Sabry Soliman, vor Gericht seine Schuld eingestanden.
„Er wollte alle Zionisten töten“
Nach Angaben der Ermittler schleuderte der aus Ägypten stammende Mann im Juni 2025 mehrere Molotowcocktails in die Menge. Zwölf Menschen wurden verletzt, eine 82-jährige Frau starb später an ihren schweren Verbrennungen.
Laut Ermittlungsakten sagte Soliman nach seiner Festnahme, er habe „alle Zionisten töten“ wollen.
Die Tat sei kein spontaner Ausbruch gewesen. Ermittler sprechen von monatelanger Planung. Soliman habe Videos über Sprengsätze studiert und gezielt nach einer pro-israelischen Veranstaltung gesucht.
Als er die Gruppe „Run For Their Lives“ in Boulder fand – eine Initiative zur Unterstützung israelischer Hamas-Geiseln – soll er seinen Plan umgesetzt haben.
Die letzten Worte der Familie
Vor Gericht wurde auch eine Erklärung der Familie der getöteten Karen Diamond verlesen.
„Unsere einzige Bitte ist, dass der Täter seine Familie niemals wiedersehen darf – so wie wir unsere Mutter nie wiedersehen werden.“
Ein Satz, der den Gerichtssaal verstummen ließ.
Amerika zwischen Angst und Hass
Der Anschlag erschütterte die USA weit über Colorado hinaus. Denn er kam nicht allein.
Nur kurze Zeit zuvor hatte es bereits einen tödlichen Angriff vor einem jüdischen Zentrum in Washington gegeben. Auch das Haus des jüdischen Gouverneurs Josh Shapiro wurde Ziel eines Brandanschlags.
Viele jüdische Gemeinden sprechen inzwischen offen von wachsender Angst.
Vom Visum zur Terroranklage
Soliman war 2022 mit einem zeitlich begrenzten Visum in die USA eingereist. Dieses lief bereits Anfang 2023 ab.
Nun drohen ihm lebenslange Haftstrafen. Neben dem Mordprozess in Colorado läuft ein weiteres Verfahren wegen Hasskriminalität auf Bundesebene.
Dort plädierte er bislang auf nicht schuldig.
Seine Anwälte erklärten, die Tat habe selbst seine Familie „schockiert“ und stehe im völligen Gegensatz zu seinem früheren Verhalten.
Für die Angehörigen der Opfer dürfte das kaum Trost sein. Denn zurück bleibt die Erinnerung an einen Nachmittag, an dem aus politischen Parolen plötzlich brennender Hass wurde.

